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Im ersten Artikel von René haben wir erfahren wie man als Musiker auf Facebook vom passiven Verkünder zum interaktiven Entertainer wird. Im zweiten Artikel gibt René ganze 12 konkrete Tipps wie und was getan werden kann.

Gastbeitrag von René Pickhardt: 

Flügelwesen / photocase.com

Diese 12 Tipps helfen euch euer Marketing auf Facebook effektiver zu gestellten, euren Facebook Auftritt zu verbessern und dabei auch noch die richtigen Ziele zu verfolgen. Das wichtigste ist natürlich möglichst viel Fans auf eurer Homepage und in euren Newsletter zu bringen.

1. Exklusive Premium Inhalte locken Fans an.

Premium Inhalte, wie Musikstreaming und Downloads oder das Prelistening auf ein neues Album eigenen sich besonders gut, um Fans anzulocken. Diese sollte man reichlich einsetzen. Das beste Werbemittel für eure Musik ist nicht ein Konzertfoto / Promofoto oder Review sondern schlicht und einfach die Musik selbst. Achtet jedoch darauf dass ihr die Musik – auch wenn sie kostenlos verfügbar gemacht wird – nicht verschenkt. Sichert euch den Kontakt zum Fan oder schafft Möglichkeiten für den Fan darüber zu berichten bzw. lasst ihn etwas für euch tun. Mehr zu diesem Thema im ersten Artikel dieser Serie.

2. Erst der Newsletter, dann Facebook!

Wichtige Neuigkeiten sollten grundsätzlich zu erst im Fan Newsletter in Kombination mit der Band Homepage veröffentlicht werden. Das Argument ist ähnlich wie bei den Viewzahlen von Youtube. Hier soll die Aufmerksamkeit gebündelt werden. Erst im Anschluss wird auf Facebook unter Verlinkung der Homepage auf diese News aufmerksam gemacht. Wenn sich eine Nachricht nun wirklich viral verbreitet, ist immer klar, dass die Bandhomepage die Quelle ist. Sollten andere Webseiten außerhalb von Facebook davon berichten, werden eure Fans also auf der Bandhomepage landen, da wo sie hingehören! Es ist nicht nötig ist tagelang zwischen dem Newsletter und dem Facebook Update zu warten. Ein halber Tag sollte hinreichend sein.

3. Belohnt Fans bei Interaktionen und seid “fannah”

Auch wenn Status Updates immer relevant sein sollten ist es auf Facebook je nach Strategie auch möglich Inhalte zu veröffentlichen die es so nicht in den Newsletter oder auf die Homepage geschafft hätten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Inhalt aus Fanforen, da so zum einen Traffic auf die eigenen Homepage gesteuert wird und die eignen Fans mit Aufmerksamkeit belohnt werden.

Ein konkretes Beispiel: 

Die Fans von In Legend haben zum Beispiel im Fanforum ein Supporter Shirt erstellt und verkauft. Nachdem die Band dies auf Facebook gepostet hat wurden weitere Fans für diese Aktion gewonnen. Fast drei Mal so viele Fans wie vor dem Facebook Update nahmen an dieser Aktion teil!

Im Anschluss fanden sich Fans, die ein Fanclub treffen als extra Camp auf dem größten Metalfestival der Welt organisiert haben! Berichtet als Künstler hiervon. Zeigt euren Fans, dass ihr euch freut. Das ermutigt andere Fans mitzuziehen und auch aktiv zu werden.

4. Facebook ist für kurze knappe Inhalte gemacht.

Im Vergleich zu einem Band-Blog ist Facebook viel kurzweiliger. Auch die Aufmerksamkeitsspanne der Fans wird kürzer sein. Posts sollten deshalb so kurz wie möglich sein. Wichtiger sind Eye catcher wie zum Beispiel spektakuläre Bilder oder kurze Videos, denn genau diese steigern erfahrungsgemäß die Interaktionsrate enorm. Auch kann man mit Hilfe von Fragen auf Facebook sehr schnell und unkompliziert Fans zur Interaktion bewegen.

5. Facebook & Gewinnspiele

Ein alter Trick im Marketing ist es mit Hilfe von Gewinnspielen zu denen man sich z.B. in den Newsletter der Band eintragen muss, die eigene Reichweite nachhaltig zu erhöhen. Ähnlich kann man dies auch auf Facebook realisieren. Aber Achtung! Damit Facebook nicht selbst haftbar ist sind alle direkten Nutzerinteraktionen wie “Like, Comment, Share” verboten. Ihr dürft also z.B. nichts unter allen Nutzern die einen Post liken oder kommentieren verlosen. Wenn ihr es trotzdem tut passiert allerdings nichts da Facebook die Ressourcen zur Verfolgung jedes Gewinnspiels fehlt. Ein Risiko bliebt natürlich denn oft werden bei Richtlinienverstößen die Seiten direkt gelöscht, ohne Vorwarnung und ohne Möglichkeit diese wieder zu bekommen. Bei großen Gewinnspielen sind dann richtige Facebook Gewinnspielanbieter zu empfehlen da dort auch die Viralität ausgenutzt wird.

6. Nervt eure Fans nicht mit Kaufaufforderungen. Seid unterhaltsam!

Klar ist es als Künstler wichtig auch auf die diversen Möglichkeiten von CD-Verkäufen, über Merchendise bis hin zu Konzerttickets aufmerksam zu machen. Doch ihr solltet eure Fans nicht ausschließlich mit solchen Updates nerven. Ganz weglassen ist allerdings auch keine gute Idee. Es lässt sich leicht messen, dass nach solchen Updates direkt einige Transaktionen und Gelegenheitskäufe statt finden.

Es ist also die Kunst die goldene Mitte zu finden. Dabei ist es besser interaktiven und guten Inhalt zu erzeugen der in sinnvollem Kontext auch noch den Link zu kaufbaren Produkten unterbringt. Diese Art und Weise von Posts wirkt nicht als plumpe Kaufaufforderung. Bedenkt immer ein Fan kauft eure Produkte wenn er eure Musik mag und sich darüber hinaus mit euch identifizieren kann, nicht aber, weil ihr ihn 100 mal dazu auffordert dies zu tun!

7. Kollaboriert mit anderen Künstlern!

Schon auf MySpace war es so, dass man als Musiker leicht den direkten Kontakt zu anderen Musikern oder anderen Playern in der Musik Industrie finden konnte. Das gleiche Konzept lässt sich auch auf Facebook übertragen. Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern bringt dabei oft nicht nur mehr Reichweite sondern auch viel Interaktion.

Die einfachsten Beispiele für eine bessere Vernetzung sind…

  • … bei gemeinsamen Gigs sich auch gegenseitig zu verlinken
  • … sich gegenseitig als Favoriten auf Facebook zu adden
  • … gegenseitig auf neue passende Tracks hinweisen
  • … gerne auch mal die Fans aus Spaß gegeneinander antreten lassen
  • … uvm

8. Lasst eure Fans in eure Privatsphäre eindringen oder beteiligt sie am künstlerischen Prozess

Wie bereits erwähnt können Musiker viel besser in das private Umfeld ihrer Fans eindringen als andere Betreiber von Facebook Fanseiten. Gebt euren Fans die Gelegenheit auch euch ein wenig besser kennen zu lernen. Euer Newsstream muss nicht immer nur mit Musik oder eurer Band zu tun haben.

Dabei gilt es nicht nur Farbe bei aktuellen Ereignissen zu bekennen und den Fans somit Einblicke zu geben was die Band gerade beschäftigt, auch Interaktion mit Fans im künstlerischen Prozess birgt viel Potential. Crowdsourcing ist schon lange eines der Buzzwords im Web 2.0 welches sich aber für Bands auch einfach anwenden lässt. Einige Künstler lassen ihre Fans abstimmen, wie die neue Homepage aussehen soll, welches Cover ausgewählt wird oder nutzen Inhalte die Fans produziert haben auf der Homepage.

Zwei gute Beispiele hierfür sind:

  1. Das Booklet des Debut Albums von In Legend besteht zu großen Teilen aus Live Fotos, die Fans bei Konzerten gemacht haben und auf Facebook geteilt haben. (natürlich mit der Genehmigung der Fans!)
  1. Keith Urban hatte im September 2010 mit 19 Statusupdates 8’432  Kommentare erhalten. Das sind 443,8 Kommentare pro Statusupdate. Für das neue Album hat er den Fans 2 Optionen für das Album Cover gegeben. Die Cover waren sich sehr ähnlich. Er hat diese mit 2 Status updates auf Facebook gestellt. Diese haben zusammen über 6’000 Kommentare und 30’000 Likes erzielt! Das ist sehr beachtlich! Die Status updates können übrigens hier und hier gefunden werden.

9. Events auf Facebook sind nicht nur für Events praktisch!

Das praktische an Events auf Facebook ist die damit verbundene Möglichkeit seine Fans mit wenigen Klicks dazu einladen zu können. Im Gegensatz zu Updates im Newsstream erhalten Fans nun eine Einladung zum Event und können diese annehmen, ablehnen oder natürlich auch einfach gar nicht darauf reagieren. Somit ist es sinnvoll nicht nur Konzerte als Events zu erstellen und seine Fans einzuladen sondern auch noch ähnliche Sachen wie der Relaese von einem Album, ein TV Auftritt das Fanclub treffen oder gelegentlich (!) auch mal eine Promoaktion.

10. Facebook als Reminder während der Tour

Eine Tour bietet sich perfekt als Kommunikationsmittelpunkt an. Die eigenen Fans warten schließlich sehnsüchtig auf euer Konzert. Das alle Gigs als Event in Facebook existieren dürfte dabei noch relativ selbstverständlich sein. Interessanter dürfte es aber werden wenn die Band während der Tour auch Live berichtet und dort z.B.

  • auch gerne mal nach lokalen Tipps fragt (z.B. “Wo gibt es vor dem Gig das beste Essen?”)
  • möglichst zeitnah nach dem Konzern Bilder vom Gig veröffentlicht. Wenn ihr ein Bild von der Menge macht, können sich die Fan später darauf sehr einfach verlinken.
Ein weiteres gutes Beispiel welches durch neue Technologie möglich ist:

Auf dem Wacken Festival wurde 2011 in Zusammenarbeit mit dem WDR mit einer 4GB Pixel Kamera ein Foto von der Bühne aus aufgenommen in welchem Fans auf dem gesamten Festival Gelände problemfrei zu erkennen sind! Dies fand im Rahmen eines Weltrekordversuches statt. Mehr Infos dazu unter http://wacken.gigpan.de/index_start.html.  und http://wacken.gigpan.de/index.php

Es sind gerade diese Interaktionen, die den Nutzern auf Facebook so viel Spaß machen und die das Marketing für Bands im Vergleich zu anderen Unternehmen besonders einfach und unkompliziert machen. Wichtig hierbei ist, dass das alles aktuell sein muss und nicht erst 2 Monate nach dem Tourende erscheint. Facebook lässt sich wie gewohnt mit Hilfe von Status Updates und Fotos perfekt dazu einsetzen auf das Tourtagebuch aufmerksam zu machen.

Außerdem noch ein kleiner Extra Tipp für die Tour:

Man kann Status Updates auf Facebook nur an die Nutzer einer bestimmten Stadt schicken, so dass man nicht an 10 Tourtagen hintereinander alle Fans mit der ein und selben Art von Updates “Wo gibt es das beste essen?” nerven muss.  Für das zweite Update mit dem Foto kann es jedoch hilfreich sein, das Foto mit allen Fans zu teilen, so dass die Fans bei den kommenden Konzerten bereits wissen, was sie erwarten wird!

11. Nutzt Facebook auch auf der eigenen Homepage

Auch auf der eigenen Homepage lässt sich Facebook sehr gut integrieren und bietet enormes Potential. Die Integration kann mittels der Social Plugins gelöst werden. Hier bietet sich z.B. der Like-Botton, Kommentarfelder oder auch die Like-Box an, welche die eigene Homepage mit der Fanpage verknüpft.  Besucher der Homepage sehen somit direkt welche Freunde bereits Fan der Band sind und bleiben vielleicht länger auf der Seite und beschäftigen sich intensiver mit der Band. Aber Achtung, bei der Nutzung von Social Plugins solltet ihr euer Impressum noch kurz aktualisieren, denn die Plugins sind in Deutschland noch etwas in der Kritik.

12. Facebook goes Offline?

complize / photocase.com

An dieser Frage sieht man sehr schön, wie komplex online Marketing sein kann. Jeder macht unterschiedliche Erfahrungen und gemäß des Facebook Mottos “Move Fast” ändert sich sowieso ständig alles, so dass vieles einfach ausprobiert werden und gut getestet werden muss. Zwei differenzierte Meinungen sind hier:

  • Je mehr gewicht Facebook in der eigenen Strategie erhält desto eher kann man neben der Homepage auch im Print auf Facebook hinweisen. Auch auf dem Event selbst helfen solche analoge Hinweise um mehr Interaktion auf Facebook zu generieren.
  • Man sollte On- und Offline nicht zu sehr vermixen und es ist absurd wir oft das Facebook Logo derzeit in der offline Welt zu finden ist. Online Marketing findet online statt. Offline Werbematerial sollte nicht verwirren und auf eine zentrale Aussage konzentrieren, also primär auf die eigene Homepage.

Wenn ihr es allerdings für effektiv erhaltet dann solltet ihr auch offline auf Facebook hinweisen. Die einfachsten Fans sind die Fans die man sowieso schon hat.

Natürlich hat diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weitere Ideen für das interaktive Online marketing (nicht nur auf Facebook) kann man in meinem Artikel Link Baiting für Musiker nachlesen oder können gerne hier in den Kommentaren – genauso wie eure Meinung zu Facebook in der Offlinepromo – veröffentlicht und diskutiert werden.

Alle Teile dieser Serie:

  1. Facebook-Marketing für Musiker: “Auf dem Weg vom (passiven) Verkünder zum (inter)aktiven Entertainer“
  2. 12 Tipps für Musiker auf Facebook
  3. 8 Facebook Apps, die ein Musiker auf keinen Fall verpassen sollte
  4. Was ist der beste Musikplayer für Facebook?

Über den Autor:

René ist verantwortlich für das Online Marketing der Band In Legend und bloggt über dieses und andere Themen. 2008 hat er die Metal Community Metalcon gegründet, die zur Zeit als Open Source Projekt im Rahmen seiner Promotion an der Uni Koblenz über soziale Netzwerke neu entwickelt wird. 2010 war er in Shanghai für den chinesischen Retailer 母婴之家 als SEO angestellt. Einen vollständigen Lebenslauf kann man hier finden.


9 Kommentare

  1. BusinessLifeHack

    Hallo Réne,
    Danke für die Tipps. Sehr informativ und nützlich … ich denke, nicht nur für Musiker, sondern für alle Künslter, die im Internet rocken wollen, aber auch das eine oder andere Unternehmen.

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  2. Hi René,

    Cooler Artikel. Zum Punkt 7 (Kollaborieren mit anderen Künstlern): Es gibt ein Service namens http://headliner.fm/, das die Kollaboration zwischen Künstlern auf Facebook vereinfacht. Music Bands sollten sich das zumindest anschauen.

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  3. Ist im Prinzip, wenn man sich schon länger mit der Sache beschäftigt, nix neues. Allerdings schön übersichtlich und kompakt zusammengefasst, kann man grad so ausdrucken und abheften. rockt!

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  4. Sehr gelungener Artikel, den ich mit großem Gewinn gelesen habe. Das Schöne an Musik ist halt, dass sie per se schon emotional ist – und das hilft natürlich einer dauerhaften Bindung sehr. Richtig auch der Hinweis, dass man mit Musik das Privatleben sehr viel stärker ansprechen kann als mit – sagen wir mal – Baggerverleih, Spezialmaschinenbau oder Dämmstoffen ;-)

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  5. SK

    Wie funktioniert denn das mit dem Statusupdate, das nur an Fans aus einer bestimmten Stadt versendet wird. Gibt es da noch mehr Filtermöglichkeiten?

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    • @SK – du kannst Land/Stadt/Sprache einstellen, mehr optionen hast du dann nicht. Einfach auf das kleine Schloss im Publisher klicken und im Dialog auswählen wie du es haben möchtest…

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