Draufgeklickt! – Mr. Zuckerberg, eine Leber, bitte!

Als ich las, dass Mark Zuckerberg zusammen mit Facebooks Geschäftsführerin Sharyl Sandberg die neue Funktion „Organspende“ vorstellte, kamen mir beunruhigende Gedanken. Man soll nun also seine Organspendebereitschaft als Information in die Chronik einfügen. Quasi so wie einen Organspendeausweis, den man um den Hals trägt?

Klar, Organspender zu sein ist eine gute Sache, die jegliche Unterstützung verdient und letztlich ist es auch nichts, was man jemanden vorenthalten müsste. Aber ist es denn auch etwas, dass man jedem auf’s Auge drücken muss? Ist es eine Information, die so wichtig ist, dass man sie niemandem vorenthalen darf? Es reicht doch schließlich aus, einen Organspendeausweis mit sich zu führen, damit die Rettungskräfte Informationen schnell und zuverlässig erhalten.

Somit stellt sich ebenfalls die Frage nach dem Nutzen. Denn sind wir ehrlich: Es wird nie passieren, dass sich ein Sanitäter im Notfall bei Facebook einloggt und schaut, ob, wo und wie man Organspender ist. Das dauert nicht nur viel zu lange für eine sinnvolle Bergung der Organe. Sondern ist auch wenig repräsentativ und verifiziert.

Jens Wiese, Chief Editor von AllFacebook.de, spricht in seinem Artikel über die neue Funktion von sozialem Druck, um die User zur Freigabe von Informationen zu bewegen. Ganz nach dem Motto: „Was, der Nachbars Franz ist, das muss ich auch sein (bzw. angeben zu sein)!“. Zudem stellt Wiese die Frage nach dem Zeitpunkt, an dem das Maximum erreicht ist: „Wann ist Schluss? Was werden wir als nächstes freigeben “müssen”, um in unserem Freundeskreis und Netzwerk glänzen zu können?“. Nun, die Antwort ist eigentlich ganz einfach: So lange Zuckerberg neue Ideen für Infos, Funktionen und Co. einfallen, wird der Prozess so weiter gehen. Denn auf den Tag, an dem ein jeder Facebook-Nutzer sagt „Nein, das ist mir zu viel!“ werden wir wohl ewig warten müssen.

Dennoch ist es am Ende die Entscheidung des Einzelnen, was er postet und angibt. Man kann nur immer wieder mahnen: Denkt wenigstens kurz drüber nach.

In seiner wöchentlichen „AllFacebook.de“-Kolumne „Draufgeklickt!“ geht der freie Journalist Tobias Gillen jeden Freitag auf News, Probleme, Konkurrenten und Innovatives aus der Welt des Mark Zuckerberg ein. Im Netz ist er außerdem auf seiner Website, Twitter und Facebook zu finden

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Tobias Gillenhttp://tobiasgillen.biz
Tobias ist freiberuflicher Medienjournalist aus Köln. Er schreibt auf Papier, ins Netz und für die Ohren über alte, neue und soziale Medien. Zudem ist er Inhaber der Online-Agentur "GILLEN MEDIA" und Blogger auf tobiasgillen.de. Im Netz ist er auf seiner Website, Twitter, Google+ und - wer hätte es gedacht - Facebook zu finden.

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