Draufgeklickt! – Die Wahl ohne Wähler

30% der 900 Millionen Nutzer hätten in sieben Tagen abstimmen müssen bei der Entscheidung um die neuen Datenschutzrichtlinien von Facebook, damit diese verhindert werden würden und alles beim alten, nicht zwangsläufig besseren geblieben wäre. Tatsächlich abgestimmt haben knapp über 0,03%, also etwas unter 280.000 Nutzer.

Eigentlich ein klares K.O. für die Nutzer, die Wahlbeteiligung ist hier weit schlechter als in der Politik, fast schon minimalistisch. Um den Vergleich aber zu kompletieren sollte – auch der Fairness wegen – deutlich gemacht werden, dass bei einer politischen Wahl wenigstens jeder Bürger informiert wird.

blankBei Facebook hingegen wird eine Wahl ausgerufen, von der faktisch niemand etwas weiß. Es gab keine E-Mail-Benachrichtigung der Nutzer (was das mindeste gewesen wäre), keine Information auf der Startseite, keine Nachrichten an die Presse. Lediglich auf ein paar Facebook-Pages wurde es veröffentlicht.

Das ist ja beinahe so, als wenn man bei der Kommunalwahl einfach keine Wahlberechtigungsscheine verschickt, keine Plakate an den Straßenlaternen aufhängt und am Wahltag gegen 17:30 Uhr sagt: „Hey, Leute, es ist Wahl und wisst ihr was? – Um 18 Uhr schließen die Wahlurnen!“

Das Ende von diesem traurigen Lied wird dann nachher sein, dass zwar knapp 90% der abstimmenden Nutzer dagegen sind, dass die Datenschutzrichtlinen aktualisiert werden, Facebook es aber trotzdem tut, da nichtmals 0,1% aller potenziellen Wähler abgestimmt haben.

Und in zwei Monaten, beim nächsten großen Datenschutzprotest, heißt es dann aus Palo Alto: „Sorry, wir waren damals so fair. Ihr hattet eure Chance und habt es nicht für nötig befunden abzustimmen“. Zuckerberg und Co. werden wissen, warum sie die Nutzer nicht ordnungsgemäß informiert haben. Bei nur gut 10% Rückendeckung aus der Community.

In seiner wöchentlichen „AllFacebook.de“-Kolumne „Draufgeklickt!“ geht der freie Journalist Tobias Gillen jeden Freitag auf News, Probleme, Konkurrenten und Innovatives aus der Welt des Mark Zuckerberg ein. Im Netz ist er außerdem auf seiner Website, Datenlokal.orG, Twitter und Facebook zu finden!

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Tobias Gillenhttp://tobiasgillen.biz
Tobias ist freiberuflicher Medienjournalist aus Köln. Er schreibt auf Papier, ins Netz und für die Ohren über alte, neue und soziale Medien. Zudem ist er Inhaber der Online-Agentur "GILLEN MEDIA" und Blogger auf tobiasgillen.de. Im Netz ist er auf seiner Website, Twitter, Google+ und - wer hätte es gedacht - Facebook zu finden.

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