Neue Transparenzoffensive: Seitenbetreiber müssen ab Sommer 2018 alle Ads offen legen

Neue Transparenzoffensive: Seitenbetreiber müssen ab Sommer 2018 alle Ads offen legen


Während wir mit diversen Brücken- und Feiertagen die Woche relativ arbeitsfrei rumbekommen haben, ging durch die Facebook Marketing Welt erneut ein kleines Beben. Auslöser war ein Facebook Post von Mark Zuckerberg anlässlich der Untersuchungen zur Russland Affäre. Dabei geht es um den möglichen Eingriff russischer Werbetreibender auf Facebook in die Meinungsbildung vor der amerikanischen Wahl.

Facebook möchte hier für die Zukunft ein System etablieren, bei dem politische Akteure transparent ausweisen müssen, wer für eine Anzeige gezahlt hat und in welchem finanziellen Umfang die entsprechenden Kampagnen liefen. Ähnliches kennen wir ja aus dem deutschen Fernsehen, wo Wahlwerbespots auch durch einen entsprechenden Hinweis gekennzeichnet sind.

Transparenz für alle Nutzer

Überraschenderweise möchte Facebook diese Transparenz aber nicht nur für politische Kampagnen, sondern in einer abgeschwächten Version für alle Werbetreibenden etablieren. Über einen Tab auf der Facebook Page soll es möglich sein zu sehen, welche Anzeigen die entsprechende Seite gerade schaltet. Die entsprechende Auflistung findet losgelöst von möglichen Targeting Parametern statt. Der Nutzer sieht also auch, mit welchen Werbemitteln das Unternehmen bei anderen Zielgruppen aktiv wird. Das Prinzip des „Dark Posts“, welcher nur innerhalb einer Kampagne sichtbar wird, wäre damit quasi aufgehoben.

Aus einer Mitteilung von Facebook:

Starting next month, people will be able to click “View Ads” on a Page and view ads a Page is running on Facebook, Instagram and Messenger — whether or not the person viewing is in the intended target audience for the ad. All Pages will be part of this effort, and we will require that all ads be associated with a Page as part of the ad creation process.

Während das System für politische Ads nun erst einmal bei den nächsten Wahlen in Kanada getestet und wahrscheinlich zur Mid-Term Wahl 2018 in den USA komplett ausgerollt wird, steht der entsprechende Tab-Bereich für alle anderen Seiten bereits jetzt zur Verfügung. Aktivieren kann man die Funktion in den Seiteneinstellungen unter „Seite bearbeiten“ und dort dann über „Tab hinzufügen“.

Soweit wir die aktuellen Meldungen zu diesem Thema verstehen, wird das System spätestens zum Sommer 2018 für alle Werbetreibenden verpflichtend.

Facebook Seiten Einstellungen Bereich Anzeigen

Leider wird der Bereich uns auf unserer Testseite trotz Aktivierung noch nicht angezeigt. Solltet ihr das Tool aber bei Seiten sehen, würden wir uns sehr über einen Screenshot zur Ergänzung freuen.

Solange haben wir für euch einen Screenshot, den Facebook verbreitet:

Wir glauben nicht, dass das offenlegen der Anzeigen einen großen Einfluss auf den einzelnen Nutzer haben wird. Schon heute gibt es ähnliche Tools, die zum Beispiel anzeigen, in welchen Interessen- und Zielgruppen man sich selbst befindet. Kennen tut diese aber kaum jemand.

Konsequenzen für Werbetreibende

Erheblich größer sind die Konsequenzen für alle Werbetreibenden. Sobald der Einsatz dieses Tool für Seiten verpflichtend wird, müssen diese ihre Hosen sprichwörtlich runterlassen. Stellt euch nur vor wie spannend es für VW sein könnte zu sehen, mit welchen Werbemitteln zum Beispiel BMW auf Facebook unterwegs ist. Inklusive aller A/B und Split-Test Variationen.

Oder denken wir an die Agentur, die zum Pitch bei VW eingeladen ist und die bisherigen Werbeaktivitäten des Mitbewerbers in der Luft zerreißen könnte.

Oder prinzipiell Social-Media Agenturen, die dann der Reihe nach Marken anrufen können, um sie auf ihre schlechten Ads aufmerksam zu machen.

Vereinzelt wird es aber sicher auch Nutzer geben, die diese Funktion zu ihren Gunsten nutzen und in Werbeanzeigen für eine spezielle Zielgruppe verbreitete Promo-Codes für sich nutzen.

In Zukunft muss diese Transparenz bei der Konzeption aller Kampagnen gleich mitbedacht werden. Inklusive möglicher rechtlicher Aspekte, die zu Tage treten könnten. Etwa die Verwendung von nicht lizensierten Bildern, Verwendung von Mitbewerber Marken- und Produktnamen, Fehlende Kennzeichnung von Verbrauchs- und Energiewerten, usw.

Glücklich können wir nur sein, dass vorerst nicht sichtbar wird, welche Budgets für die einzelnen Kampagnen zur Verfügung stehen, so wie es bei den politischen Anzeigen geplant ist.

Fazit

Mit Facebooks neuer Transparenz Offensive macht das Netzwerk alle Anzeigen eines Unternehmens sichtbar. Inklusive aller Vor- und Nachteile, die sich für die verschiedenen Akteure daraus ergeben. Gespannt sind wir auf die konkrete Umsetzung des Tools in den nächsten Monaten.

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Veröffentlichung 3. November 2017

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Es gibt 2 Kommentare

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  1. 2
    Torsten

    Unter’m Strich: Alles wird besser durch mehr Transparenz (wenn’s denn so kommt). Wer’s drauf hat, der muss sich auch nicht vor Konkurrenten fürchten. Und wer nicht – der verschwindet (endlich/langsam aber sicher) vom Markt und kann wieder Pommes verkaufen/zur Deutschen Bank zurück. :D

    Kaum zu glauben, dass sowas von Facebook selbst (!) angestoßen wurde…

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