Die nächste Generation der News: Facebook stellt „Instant Articles“ offiziell vor

Die nächste Generation der News: Facebook stellt „Instant Articles“ offiziell vor


Wir haben diese Woche noch als Gerücht über Instant Articles geschrieben – jetzt hat Facebook sie offiziell angekündigt:

Today we’re excited to introduce Instant Articles, a new product for publishers to create fast, interactive articles on Facebook.

As more people get their news on mobile devices, we want to make the experience faster and richer on Facebook. People share a lot of articles on Facebook, particularly on our mobile app. To date, however, these stories take an average of eight seconds to load, by far the slowest single content type on Facebook. Instant Articles makes the reading experience as much as ten times faster than standard mobile web articles.

 

In kurz: Die Artikel von bestimmten Medienhäusern können in Zukunft komplett auf Facebook gelesen werden. Anders ausgedrückt: Facebook wird zu einer Art Medienhaus der Zukunft. 

Beim Start sind nicht nur US-Medienhäuser an Bord. In der Liste von Facebook finden sich mit Spiegel Online und Bild auch deutsche Medien:

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Alle gesammelten Informationen (sind nicht sehr viele), gibt es von Facebook hier: http://instantarticles.fb.com/

Wie sehen Instant Articles für die Nutzer aus?

Facebook will wie immer das beste Erlebnis für die Nutzer und kommuniziert die Features klar:

  • Schnellere Ladezeiten – Anscheinend werden die Artikel bis zu 10x schneller geladen, als auf den Nachrichtenseiten selbst.
  • Hochauflösende Fotos – Als Nutzer kann man in einzelne Bilder hineinzoomen.
  • Autoplay Videos – Wie auch in der Facebook App werden Videos in den Artikeln automatisch gestartet.
  • Inline-Kommentare – Einzelne Textstellen können kommentiert werden. (Kennt man u. a. von Medium).
  • Weitere interaktive Elemente – Wenn die Nachrichtenseiten möchten, können sie auch interaktive Karten, Audiodateien oder Ähnliches in den Artikel einbauen.

Ein relativ normaler Funktionsumfang, den man auch von der Nachrichtenseite an sich kennt. Die Screenshots, die Facebook veröffentlicht hat, sehen schon mal ganz nett aus. Wir konnten bisher kein Live-Beispiel auf den Partnerseiten finden. Falls ihr etwas entdeckt, postet doch den Link in die Kommentare, damit wir und unsere Leser uns das auch mal anschauen können.

Update: Auf dieser Seite findet ihr ein Beispiel. (Voller Funktionsumfang nur mit einem iOS Gerät)

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Fluch oder Segen für die Medienhäuser?

Darüber dürfte sich ab heute die Medienwelt streiten. Facebook ist einer der größten Traffic-Lieferanten für die Medienseiten und bringt somit enorm viele Nutzer. Viele Nutzer auf der eigenen Seite bedeutet pauschal gesagt auch mehr Werbeumsatz.

Um den eigentlichen Deal mit den Medienhäusern ist recht wenig bekannt. Man geht davon aus, dass sie einen Großteil oder bis zu 100 % des Umsatzes, der über Instant Articles generiert wird, behalten dürfen. In der Meldung von Facebook liest sich das so:

We designed Instant Articles to give publishers control over their stories, brand experience and monetization opportunities. Publishers can sell ads in their articles and keep the revenue, or they can choose to use Facebook’s Audience Network to monetize unsold inventory. Publishers will also have the ability to track data and traffic through comScore and other analytics tools.

Die Medienseiten können also ihre eigenen Werbemittel nutzen und in die Instant Articles einbauen. Alternativ können Sie auch das Facebook Audience Network nutzen und so bei der Monetarisierung auch auf Facebook setzen.

 

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Auf den ersten Blick gewinnen mit der neuen Lösung alle:

  • Facebook hält die Nutzer auf der Plattform.
  • Der Nutzer kann die Inhalte schneller konsumieren.
  • Das Medienhaus kann den generierten Umsatz behalten.

Hört sich sehr fair an. Was allerdings zurecht kritisch diskutiert wird, ist die Abhängigkeit von Facebook, in die sich die Medienhäuser begeben. Richard Gutjahr schreibt auf Facebook zu Recht, dass sich der Deal irgendwo zwischen einem klugen Schachzug und einer Bankrotterklärung befindet.

Klar ist, was die Verteilung der Reichweite angeht, sitzt Facebook am längeren Hebel. Nur Facebook selbst bestimmt über den Newsfeed-Algorithmus, welche Nutzer welche Inhalte im Newsfeed sehen möchten. Im Ernstfall macht Facebook hier nur den Nutzer glücklich und nicht die Medienhäuser. Soll heißen: Facebook zeigt die Inhalte, die die Nutzer sehen möchten, und nicht das, was man als Seite/Medienhaus gerne hätte. Solang der Wunsch übereinstimmt, erhält das Medienhaus eine hohe Reichweite. Sieht sich der Nutzer satt, ist diese Reichweite und der damit verbundene Umsatz sehr sehr schnell wieder weg. Als Partner von Facebook hat man darauf dann keinen Einfluss.

Interessant wird es auch, zu sehen, ob Facebook die Instant Articles gegenüber anderen Nachrichten bevorzugt. Dann würden alle, die nicht mitmachen wollen oder können, benachteiligt und auf lange Sicht weniger Reichweite erhalten. Es kann also eine Art Sogwirkung entstehen, wenn das Format erfolgreich wird und die Medienhäuser müssten sich anschließen, um erfolgreich zu sein. Argumentieren wird Facebook hier mit dem besseren Nutzererlebnis, genauso wie es derzeit auch bei Videos geschieht. Wenn Nutzer die auf Facebook hochgeladenen Videos besser gefallen, werden andere Videos (Youtube-Links) vom Algorithmus schlechter bewertet, bekommen also kaum Reichweite. Das Ergebnis sehen wir klar: Fast jedes Unternehmen stellt seine Videos inzwischen auch bei Facebook ein und nicht mehr nur bei Youtube. Genau das gleiche könnte eben auch mit den Nachrichten passieren. Noch ist es allerdings zu früh, das zu beurteilen.

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PS: Fast vergessen – Instant Articles gibt es erst mal nur fürs iPhone/iOS. Android und Desktop wird wohl irgendwann folgen.

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Es gibt 2 Kommentare

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  1. 1
    Ray

    Möglicherweise sitzen die Verlage aber auch nur dem Mythos auf, den viele andere Unternehmen genauso aufsitzen, dass nämlich hochwertiger Content auf Facebook Erfolg hat. Wer sich die Zahlen auf der FB-Seite von Spiegel-Online einmal anschaut, stellt fest, dass die Seite mehr als 800.000 Fans hat, einzelne Posts aber kaum dreistellige Likes. Im Großen und Ganzen ist Facebook eine Blase, die von einer riesigen PR des Unternehmens und der Szene hochgetragen wurde. Kommerziell erfolgreich mit Facebook-Marketing wurde bisher aber kaum ein Unternehmen.

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