Was ist der beste Musikplayer für Facebook? (Bandmarketing Teil 4)

Was ist der beste Musikplayer für Facebook? (Bandmarketing Teil 4)


– Gastbeitrag von René Pickhardt – 

Nachdem wir gestern von Soundcloud, Songkick, Youtube, Twitter und anderen exzellenten Facebook-Apps für Musiker gehört haben und mit dem traurigen Versuch von MySpace bereits eine missglückte Komplettlösung kennen lernen konnten, werde ich heute einige Komplettlösungen vorstellen. Diese ermöglichen es dem Künstler mit einer einzigen App das eigene Facebookprofil sozusagen gegen einen Musikplayer, der oftmals mit sehr vielen Zusatzfunktionen kommt, auszutauschen.

RootMusic – die verdiente Standardlösung?

Laut Wikipedia und diversen Blogs ist RootMusic die Standard Facebook App für Musiker. In jedem Fall ist sie mit 24 Mio monatlich aktiven Nutzern auch die beliebteste Musik App auf Facebook. Liegt das nur am guten Marketing oder ist auch etwas dahinter?
Auf den ersten Blick scheint die Bandpage von RootMusic tatsächlich alles zu liefern was sich das Musikerherz wünscht. Insbesondere die unkomplizierte Integration mit Soundcloud durfte dem ein oder anderen Musiker entgegen kommen. Hat er doch noch die volle Kontrolle darüber wo seine Musik im Internet verbreitet wird.

Info video: 

RootMusic ist definitiv um die Musik herum entstanden und stellt den Fan mit seinen Wünschen in den Mittelpunkt. Meiner Meinung nach werden jedoch die Künstlerinteresseren nicht richtig berücksichtigt bzw. geschützt. Zwar hat Bandpage von RootMusic die Möglichkeit Songs zu sperren so lange die Facebookpage des Künstlers nicht geliked wurde. Doch ist es aus Sicht der Künstler, wie in meinem ersten Artikel besprochen, wichtig nicht nur Facebook Fans sondern echte Kontakte zu generieren.

Darüber hinaus mache ich mir Gedanken über das Geschäftsmodell und die Beständigkeit des Angebots. RootMusic scheint (noch?) kostenlos zu sein. Wer seine Bandpage jedoch farblich personalisieren möchte muss schon 1.99 Dollar / Monat zahlen. Dieses Geschäftsmodell erscheint mir jedoch ziemlich fragwürdig, so dass ich mich nicht darauf verlassen würde, dass der Service auf Dauer kostenlos bleibt.

Pros:

  • Marktführer
  • Viele Funktionen
  • Fan-nah

Contras:

  • Marketingchancen werden nicht voll genutzt.
  • Keine Vermittlung von Kontaktdaten der Fans.
  • Personalisierung nur als Premiumnutzer möglich
  • Greift auf zu viele Daten zu: Ich sehe keinen Grund dafür das RootMusic meine Freunde kennen muss, damit ich die App erfolgreich benutzen kann

Mehr Infos:
http://www.independentmusicadvice.com/2010/06/how-to-stream-promote-and-sell-your-music-on-facebook-a-bandpage-guide/
http://soundcloud.com/101/rootmusic-bandpage

Songpier – Ein Pier alle Plattformen!

Besonders gut gefällt mir die – weit über Facebook hinausgehende – Lösung von Songpier. Genaugenommen gefiel mir diese so gut, dass ich Songpier bei der Erstellung der Facebooklösung strategisch als Consultant zur Seite stand. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass die Facebooklösung von Songpier fast 100% meinen Vorstellungen von gutem Bandmarketing auf Facebook entspricht.

Songpier hat mich vor allem deswegen überzeugt, weil es der einzige mir bekannter Player ist, der automatisch auch als Handy-App (für Android & iPhone) an die eigenen Fans weitergeleitet werden kann. Eine Funktion, die heutzutage immer wichtiger wird!

Songpier glänzt aber nicht nur durch das Konzept “One pier – All Platforms!”, sondern hat neben Standardfeatures wie Shop-, Merchandise- und Eventanbindung sowie Statistiken auch einige wichtige Funktionen in seiner Lösung, die bei anderen Bandplayern entweder stark vermisst werden oder kostenpflichtig sind.

So hat der Künstler bei Songpier – ähnlich wie bei anderen Playern – die Option seine Songs mit drei verschiedenen Restriktionen zu veröffentlichen…

Anders als bei anderen Playern ist jedoch das faire Verhalten von Songpier den Künstlern gegenüber zu betonen. Diese können die generierten Kontaktdaten der Fans kostenlos downloaden und für ihre Zwecke verwerten. Auch ist es schön, dass Musiker diese Optionen für jeden Song einzeln einstellen können.

Der erste Fall sollte für auf jeden Fall für Promosongs gewählt werden. Die zweite Option ist besonders für die Songs von aufstrebenden Bands wichtig: Denn somit können Hörer denen die Band noch unbekannt ist auf den Geschmack kommen sollten aber bei Interesse eben doch die Emailadresse da lassen. Die dritte Möglichkeit wird vermutlich von Plattenlabels bevorzugt.

Songpier kann weiterhin auch durch eine sehr schöne Videointegration überzeugen. Einzelne Songs können mit einem Youtube oder Vimeo Video versehen werden. Wird auf Facebook dieser Song abgespielt gibt es sofort das richtige Video auf die Augen!

So sieht der In Legend Songpier dann auf Facebook aus. Hier nur als Preview der Widget Version. Ein weiteres Feature, das für den nächsten Release der sich rasant entwickelnden App geplant ist. Hier eine Beispielansicht:

Als Nachteile fallen mir lediglich zwei Aspekte auf. Zum einen, dass das Produkt noch sehr neu ist und einige Kleinigkeiten, scheinbar noch nicht implementiert sind. So muss ein Künstler zum Beispiel Fotos, die er bereits auf Facebook hochgeladen hat, erneut auf der Songpierseite hochladen.  Der zweite Kritkpunkt ist, dass die Administrationsoberfläche von Songpier ein bisschen unübersichtlich ist. Aber das ist ja nur das Problem für die Künstler und Administratoren.

Pros:

  • Automatisch auch als Mobile App verfügbar.
  • Tolle direct Marketing Chancen (Faires Management der Kontaktdaten)
  • Sehr glatte Youtube / Vimeo Integration
  • Flexible Einstellungsmöglichkeiten pro Song

Contras:

  • Einige Inhalte aus dem Facebook Account müssen erneut auf Songpier hochgeladen werden.
  • Konfiguration ist noch etwas unübersichtlich.

Hier geht’s direkt zur App:
http://apps.facebook.com/songpier/

Mehr Infos:
http://songpier.com/site/features
http://songpier.com/

BandRX – der Underdog?

Ähnlich wie RootMusic setzt BandRX auch auf Soundcloud, um die Musik zu hosten. Anders als RootMusic ist das Design im Bezug auf Farbschemas etc. fest vorgegeben. Hierdurch wird eine Userexperience die nah an der von Facebook ist erzeugt, was sicherlich die Interkation des Nutzers mit der App deutlich vereinfacht.

Es lassen sich viele verschiedene, für Künstler wichtige Funktionen konfigurieren:

Bekannte Bands wie Rammstein vertrauen auf BandRX und auch mich überzeugt dieses recht gut durchdachte, gut konfigurierbare Universaltool.

Info Video:

Besonders gefallen mir die Einstellungsmöglichkeiten bezüglich des Musikstreamings und den Downloadoptionen. Aber auch hier geht BandRX in seinen Möglichkeiten nicht so weit wie Songpier und lässt dem Künstler nicht ganz so viele Freiheiten.

Als einziger Kritikpunkt an bandRX fällt mir noch auf, dass sich der Anbieter für viele seiner Features auf Drittanbieter verlässt, die zum Teil nur in den USA existierten. Zum einen werden diese Services in Deutschland nicht angeboten. Weiterhin ist nicht klar, wie lange diese Kooperationen bestehen, wie gut sie sind und ob sie nicht kostenpflichtig werden könnten. Dies birgt ein gewisses Risiko.

Pros:

  • Viele Einstellungsmöglichkeiten
  • Newsletterfuktion
  • Benutzerfreundlich durch Anlehnung an das Facebook-Design

Contras:

  • Ausschließlich Facebook
  • Verlässt sich auf Drittanbieter

Hier geht es direkt zur App:
http://www.bandrx.com/

Reverbnation – Hohe Professionalität hat ihren Preis

Reverbnation ist ein 2006 in New York gegründetes Unternehmen, das independent Artists viele Möglichkeiten und Tools zur Promo im Web bietet. Hierbei hat Reverbnation vielerlei interessante Produkte (Emailverteiler, Digitaler Musik Vertrieb, Promotools, Social Web Analytics,…) und eine hohe Kompetenz entwickelt. Für Künstler, die sich entscheiden eine Karriere im Bereich Do it yourself und ohne Plattenlable anzustreben erscheint Reverbnation als ein perfekter Partner. Dann – aber auch nur dann – sollte man die Facebook App von Reverbnation wählen, denn man muss ganz klar anmerken, dass die Proukte von Reverbnation, sobald die Band auch nur eine minimale Fanbase (über 500 echte Fans) hat, kostenpflichtig werden.

Die (zunächst) kostenlose Facebook App von Reverbnation erscheint mir weniger als eine Lösung für Facebook, sondern mehr als ein strategischer Zug Künstlern damit zu locken, dass sie Musik auf ihr Facebook-Profil bekommen, um ihnen anschließend die Premium-Services des Unternehmens verkaufen zu können. Im ersten Augenblick überzeugt die App durch nette Dinge wie die Fan Boosters:

Achtung Falle! Denn vor allem bei Reverbnation ist nicht alles Gold was glänzt, sondern wird zu Gold für Reverbnation gemacht. Die Emailadressen des Fanboosters lassen sich zwar einzeln aus dem Backend von Reverbnation kopieren – mir war es jedoch nicht möglich diese als gesammelte Liste herunterzuladen. Auch Newsletter über Reverbnation zu verschicken ist ab 500 Fans kostenpflichtig. Ein fragwürdiger Service! Ein Unternehmen, dass mit dem Content der Künstler scheinbar kostenlos eine Adressdatenbank aufbaut und dem Künstler den kostenlosen Zugang zu derselben dann verwehrt… Eine Preisliste ist hier verfügbar.

Fazit: Trotz dieses Ansatzes ist Reverbnation meiner Meinung nach ein sehr solides Unternehmen, das in der Tat für Musiker sehr brauchbare – wenn auch nicht günstige – Produkte von hoher Qualität anbietet. Für eine professionelle Band, die starke Partner im Online Marketing und in der Selbstvermarktung sucht ist Reverbnation sicherlich eine ernstzunehmende Option. Ist man jedoch nur darauf aus sein Facebook Marketing zu optimieren geht man mit Reverbnation das Risiko ein sich in eine ungewollte Abhängigkeit zu begeben und sollte entsprechend lieber andere Apps verwenden.

Pros:

  • Maximale Kompetenz fürs Webmarketing im Bereich Musik
  • High Quality Produkte und Analytics weit über Facebook hinaus

Contra:

  • Keine Kontrolle über die eigene Fanbase
  • Vendor Lock-In
  • Hohe Preise
  • Reverbnation verlangt viel zu viele unnötige Rechte vom Facebook-Profil des Artists / Lable managers

Zur App:
http://apps.facebook.com/rn_my_band/

Offizieller Blogpost über die App:
http://blog.reverbnation.com/2011/03/10/reverbnations-facebook-app-my-band-gets-a-new-name-band-profile-new-features-and-its-still-100-free/

Damn The Radio / FanBridge

Damn the Radio ist eine Facebook App, die es ermöglicht Musik auf das eigene Facebook Profil zu bekommen. Das Unternehmen wurde jedoch von FanBridge gekauft. FanBridge ist ein Anbieter von Fan Relation Management und steht in diesem Bereich Reverbnation als Konkurrent gegenüber. Auch wenn Fanbridge sich nicht ausschließlich auf Musiker fokussiert scheint dies doch die Zielgruppe zu sein. Die Preise von FanBridge entsprechen auch in etwa denen von Reverbnation. Fanbridge und auch damntheradio gehen jedoch viel offener mit ihrem Geschäftsmodell um als Reverbnation.

Die App von Damn the radio kann auch viele Partner Apps problemfrei integrieren. Die allgemeinere Ausrichtung von Fanbridge hat jedoch zur Folge, dass ich als Musiker, wenn ich schon solche Premiumdienste einkaufen möchte, lieber zu Reverbnation – einem auf Musiker spezialisiertes Unternehmen – gehen würde.

Pros:

  • Viele Funktionen
  • Offener Umgang mit dem Premium Geschäftsmodell

Contras:

  • Nicht auf Musiker spezialisiert

Hier geht es direkt zur App:
http://www.facebook.com/damntheradio
http://www.facebook.com/FanBridge?sk=info

Do it Yourself: In Legend Streaming App als Open Source.

Wer die volle Kontrolle über seine Fans, Daten und Einstellungsmöglichkeiten haben will hat noch die Option sich selbst zu helfen. Auf Grundlage der In Legend Facebook Music Streaming App kann jeder mit technischen Kenntnissen und einem eigenen Webserver mit hinreichend viel Bandbreite den von Yann Leretaille und mir erstellten Quellcode herunterladen und selbst eine Facebook App registrieren. Diese lässt sich nicht nur auf Facebook einbinden, sondern auch wie hier auf anderen Websites:

Diese App liefert einen gegen Download – der zu streamenden Songs – geschützen Flashplayer und fordert vom Nutzer immer ein Facebook Connect oder dass er sich per email registriert, um die Songs streamen zu können.  Zusätzlich lässt sich einstellen, wieviele User registriert sind, damit weitere Songs in der App für alle Benutzer freigeschaltet werden.

Zum Benutzen der App benötigt man aber Programmierkenntnisse, Zeit und Aufwand. Dies ist also nur etwas für Liebhaber, aber wer weiß vielleicht gibt es ja den ein oder anderen unter den Lesern dieses Blogs, der sowohl am Programmieren als auch an Marketing und Musik Interesse hat (-:

Pro:

  • Volle Kontrolle
  • Bulkmail auf die Facebookwall der Fans möglich (kein Filtern!)
  • Endlose Erweiterungsmöglichkeiten
  • Open source

Contra:

  • Erfordert Knowhow und Zeit
  • Schlecht dokumentierter Quellcode

Direkt zum Quell code:
http://code.google.com/p/in-legend-facebook-music-streaming-app/source/checkout

Mehr infos:
http://www.rene-pickhardt.de/facebook-streaming-app-viral-maketing-word-of-mouth-for-music-bands/

 Alle Teile dieser Serie:

  1. Facebook-Marketing für Musiker: “Auf dem Weg vom (passiven) Verkünder zum (inter)aktiven Entertainer“
  2. 12 Tipps für Musiker auf Facebook
  3. 8 Facebook Apps, die ein Musiker auf keinen Fall verpassen sollte
  4. Was ist der beste Musikplayer für Facebook?

Über den Autor:

René ist verantwortlich für das Online Marketing der Band In Legend und bloggt über dieses und andere Themen. 2008 hat er die Metal CommunityMetalcon gegründet, die zur Zeit als Open Source Projekt im Rahmen seiner Promotion an der Uni Koblenz über soziale Netzwerke neu entwickelt wird. 2010 war er in Shanghai für den chinesischen Retailer 母婴之家 als SEO angestellt. Einen vollständigen Lebenslauf kann man hier finden.

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