Unternehmensprofile in WhatsApp und im Facebook Messenger?

Unternehmensprofile in WhatsApp und im Facebook Messenger?


Es ist noch kein ganzes Jahr her, dass Facebook WhatsApp für unfassbar viel Geld gekauft hat. Ganze 19 Milliarden Dollar hat die Übernahme gekostet und von Anfang an gab es die Frage, wie Facebook diesen Kaufpreis jemals wieder refinanzieren will.

Warum wir keine Anzeigen verkaufen - WhatsApp Blog 2015-01-26 21-55-16Der Besuch von David Marcus (Messaging Products @ Facebook) auf dem DLD-Kongress regte diese Diskussion wieder an. Schnell hieß es in vielen Medien, dass für WhatsApp Werbung eine mögliche Option sei. Das Veto von Facebook kam ziemlich schnell – auf WhatsApp gibt es keine Anzeigen. Weder heute noch in Zukunft.

Dass man nicht über Anzeigen nachdenkt, bedeutet allerdings nicht, dass man WhatsApp nicht monetarisieren will. Eine Stoßrichtung gibt dabei David Marcus selbst her, er kam von PayPal zu Facebook. Also einem der führenden Dienstleister für Bezahlung im Web. Dass Bezahlfunktionen auch ihren Weg in Nachrichten-Apps finden, wäre dabei nichts Neues. Die asiatische Konkurrenz bietet Ähnliches schon länger. Im Interview mit dem Manager-Magazin dementiert Marcus diese Option aber noch.

Unternehmen in WhatsApp? 

Überlegungen in diese Richtung gibt man zumindest zu. Und die Option klingt durchaus interessant, viele unserer Leser haben schon viele Erfahrungen mit Facebook-Seiten gesammelt, etwas Ähnliches in WhatsApp wäre durchaus interessant.

Über ein Unternehmensprofil in WhatsApp könnte man seine Kunden direkt erreichen. Und nicht wie auf Facebook One-to-Many, sondern One-to-One. Ohne öffentliche Seite, jeder Nutzer könnte in der Theorie seinen eigenen Post erhalten. Das kann ein Hebel für den Kundendialog sein, aber natürlich auch fürs Marketing. Gekoppelt an ein CRM hat man den direkten Draht zum Kunden, kennt seine Bedürfnisse und könnte ihm personalisierte Werbung ausspielen. Nicht nur, aber auch direkt am Point-of-Sale. Da freut sich das Marketing-Herz und im Kundendialog darf man sich auf mehr Aufwand gefasst machen. One-to-One bedeutet eben auch One-to-One-Betreuung ohne Community, die helfen kann.

WeChat zeigt in Asien schon jetzt Ansätze für Unternehmen

Line oder WeChat in Asien zeigen schon jetzt einige Ansätze in ihrem eigenen Messenger. Bei WeChat gibt es für Unternehmen zwei unterschiedliche Arten des Accounts:

WeChat Unternehmensprofil

  • Service Accounts – Für Unternehmen, die den „Service“ im Focus haben. Nutzer können an das Unternehmen direkt schreiben und das Unternehmen kann in einem Zeitfenster von 48h den Dialog aufrechterhalten. Danach ist Schluss und der Kontakt zum Kunden wieder weg. Zusätzlich gibt es zum Teil Bezahloptionen obendrauf für Unternehmen, die 4 Mal im Monat eine Nachricht auch unaufgefordert an die Follower schickten. Diese bekommen die Nachrichten sogar als Push-Nachricht.
  • Subscription Accounts – Sind dann Facebook & Co schon sehr ähnlich. Der Nutzer folgt dem eigenen Unternehmensaccount und erhält fortan die Nachrichten aufs Handy. WeChat erlaubt eine Nachricht pro Tag, stellt diese dann allerdings explizit nicht als Push-Nachricht zu. Der Nutzer muss das Unternehmen aktiv aus den letzten Unterhaltungen aufrufen und sieht dort dann die Nachricht.

Schöne (mobile) Microsites gibt es in beiden Fällen. Interessant ist auch, dass es automatisierte Antworten gibt. Je nach Nutzerantwort kann man sich so z. B. bei Burberry über weitere Details und Hintergrund auf der Fashion-Week informieren.

Die Vor- und Nachteile liegen auf der Hand. Auch wenige Push-Nachrichten fühlen sich wie Werbung an und wie oft Nutzer freiwillig einen Unternehmensauftritt aufrufen, kennen wir ja von Facebook.

Was ist eigentlich „Werbung“?

Das dürfte am Ende die interessante Frage sein. Denn egal, welche Optionen sich WhatsApp ausdenkt, laut eigener Aussage darf es sich nicht wie Werbung anfühlen. Jetzt fühlen sich (viele oder die meisten) der organischen Beiträge von Facebook-Seiten eigentlich auch nicht so richtig wie Werbung an, man hat es ja freiwillig abonniert und interessiert sich damit schon für das Unternehmen. Sollte es Unternehmensprofile in WhatsApp geben, ist es ein Leichtes, die Reichweite und den Kontakt zum Nutzer zumindest teilweise kostenpflichtig zu machen. Je eher ein Unternehmen für Reichweite zahlt, desto eher ist es dann aber doch wieder Werbung und damit für den Nutzer störend. Als Push-Nachricht noch mehr als im Facebook Newsfeed. Eine Zwickmühle, die man bei WhatsApp und Facebook bestimmt sehr genau analysieren wird.

Was genau in den nächsten Jahren kommen wird, lässt sich von außen nur schwer beurteilen. Sicher ist allerdings, dass Facebook und WhatsApp wie immer erst testen werden, bevor man ein Feature für alle verfügbar macht.

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Es gibt 3 Kommentare

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  1. 1
    Henner

    Wir dürfen gespannt sein, in welche Richtung sich das entwickelt. Bereits jetzt wird WhatsApp von Unternehmen genutzt. So ist vor wenigen Tagen das Projekt „Soziale Berufe kann nicht jeder“ mit einer Berufsberatung via WhatsApp-Chat gestartet. Auch die Techniker Krankenkasse in Hamburg nutzt WhatsApp, um die Vernetzung der republikweit verstreuten Azubis zu fördern. Mehr dazu hier http://personalmarketing2null.de/2015/01/27/der-whatsapp-chat-in-der-berufsberatung/

    Generell denke ich sollte klar sein, dass wer Dialogbereitschaft signalisiert, diese auch leisten sollte. Viele Facebook (Karriere)-seiten zeugen da vom Gegenteil :-)

  2. 2
    Dirk

    Die Möglichkeit für Unternehmen mit WhatsApp Kundenkommunikation zu betreiben gibt es ja jetzt schon mithilfe der Broadcast-Listen. Einige Firmen und Institutioben haben hier schon sehr positive Erfahrungen gesammelt. Eine Vereinfachung der Habshabung wäre hier sicher angebracht. Folgende Frage stelkt sich hierbei allerdings: geht eine solche Nutzung am ursprünglichen Konzept und Sinn von WhatsApp vorbei und akzeptieren die Nutzer die durch Werbung durchaus missbräuchliche Verwendung dieses doch sehr intimen Kanals – ähnliche Reaktionen und Entwicklungen dürften wir ja bereits bei Facebook gesehen haben.

  3. 3
    Nelson

    Interessanter Aspekt im CRM.
    Nur muss ich in die gleiche Kerbe wie Henner schlagen: Wenn man nicht bereit ist, wie in machen FB Präsenzen einen Praktikanten ganztags zur Interaktion abzustellen, dann sollte man es nicht anbieten.
    Klar sind Akquise- oder Kommunikationsversuche über soziale Kanäle interessant (auch ich habe bereits über Tinder Personalakquise betrieben ^^) – jedoch wirkt es sich nachteilig aus, wenn man sich nicht jeden Tag in jeder freien Minuten um mehr oder weniger sinnvolle Nachrichten kümmern möchte.

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