Anatomie eines LinkedIn-Posts: Wie das Bundesverwaltungsamt Humor und Aktualität meisterhaft verbindet

Gastbeitrag von Thomas Schmitt

Das Bundesverwaltungsamt (BVA) beweist auf LinkedIn, dass Behördenkommunikation weder trocken noch langweilig sein muss. Mit einem kreativen Post am 16. November 2023, inmitten eines Bahnstreiks, hat das BVA gezeigt, wie man ein aktuelles Thema charmant für die eigene Markenbotschaft nutzt.

Das musst du zum Post wissen

  • Absender: Bundesverwaltungsamt (BVA)
  • Plattform: LinkedIn
  • Gepostet: 16.11.23, ca. 8:00 Uhr
  • Format: Textpost mit 1 Bild
  • Aktuelles Tagesgeschehen: Warnstreik der Bahn am kompletten 16.11.23

Der Warnstreik der Bahn: Einfach nur relatable!

Der Post sorgt mit einem plakativen und nachvollziehbaren Bild für größte Aufmerksamkeit. Das durchgestrichene „Tschu Tschu“, lautmalerisch für die Bahn, auf rotem Hintergrund signalisiert sofort: Die Bahn fällt aus.

Am 16.11. waren viele Bahnkund:innen und Pendler:innen wohl wenig begeistert von dem Streik. Ein Post mit so einem Bild kommt da gerade richtig!

Ganz nach der Formel: First you read this (Bild), then this (Hook), then this (restlicher Text) werden Aufmerksamkeit und Lesefluss in die richtige Richtung gelenkt.

LinkedIn Post Bundesverwaltungsamt
Quelle: LinkedIn Bundesverwaltungsamt

Der Text selbst zahlt genau so auf das Thema des Tages ein:

Der Post beginnt mit einer direkten Ansprache: „📣 Liebe Pendlerinnen und Pendler“.

Diese Hook (inzwischen essenziell bei LinkedIn) zieht die Zielgruppe – genervte Pendler:innen – sofort in den Bann. Ab jetzt können Leser:innen nur noch auf “mehr anzeigen” klicken. Der Beitrag – noch dazu von einem Amt der Bundesregierung mit Bundesadler – wird doch bestimmt Informationen zum aktuellen Streik bieten.

Aber falsch gedacht! Der Hinweis auf den Bahnstreik im zweiten Satz leitet geschickt über zum eigentlichen Thema: Karrieremöglichkeiten beim Bundesverwaltungsamt, verpackt in einer sprachlich ansprechenden Form, die viele Begriffe des Zugfahrens aufgreift und in den beruflichen Kontext dreht.

Der LinkedIn Post wäre natürlich nicht vollständig ohne abschließenden Call to Action.

Das BVA fragt hier sehr simpel, ob man selbst vom Streik betroffen ist oder im Homeoffice arbeiten kann. Die Frage ist so einfach, dass ich als Leser nicht lange brauche, um eine Antwort zu formulieren. Und schon ist der Kommentar als wichtiges Engagement-Element für LinkedIn gewonnen.

LinkedIn Post Bundesverwaltungsamt
Quelle: LinkedIn Bundesverwaltungsamt

Was macht diesen Post so besonders?

Der Post ist plakativ, greift ein aktuelles Thema auf und nutzt es charmant für die Markenkommunikation. Das BVA präsentiert sich sympathisch und zugänglich, indem es Vorteile der Arbeit beim Amt augenzwinkernd verpackt. Es ist eine frische, unerwartete Form der Kommunikation von einer Behörde.

Der Lesefluß ist sehr gut umgesetzt und die Frage am Ende so einfach, dass das Kommentieren sehr leicht fällt. Hier muss niemand lange überlegen.

Und was sagen die Follower:innen dazu?

Es ist interessant zu beobachten, wie sich der Kommentarbereich entwickelt. Erst reagieren die Follower:innen der Seite und feiern den Beitrag zurecht. Wenige Stunden später nimmt der Post Fahrt auf. Durch Reaktionen und Kommentare bekommt der Beitrag Reichweite. Die Stimmen sind durchweg positiv.

Und dann startet im Kleinen das von TikTok bekannte Phänomen: Andere Unternehmen kommentieren und bewerben die Benefits innerhalb ihrer eigenen freien Stellen.

Ein schönes Beispiel, dass das Kommentieren unter fremden LinkedIn Posts unter Umständen auch Sichtbarkeit bringen kann.

Wird sich jetzt sofort jemand beim Bundesverwaltungsamt bewerben?

I doubt it! Nur wegen eines Posts wird niemand sofort alles hinschmeißen und den Job wechseln. Die Vorstellung ist utopisch. Das Bundesverwaltungsamt schafft es aber, sich sehr sympathisch als möglicher Arbeitgeber für Interessent:innen zu positionieren.

Es lohnt sich, der Unternehmensseite zu folgen. Wer auch immer die Seite betreut, weiß, was sie oder er da tut. Wir entdecken das vermeintliche trockene Arbeiten beim Amt aus einer sehr nahbaren und sympathischen Perspektive. Und dass Humor funktioniert, das wissen wir nicht erst seit der BVG (Weil wir dich lieben) und DB Cargo.

Auf LinkedIn ist soviel Mut noch neu, tut aber richtig gut – vor allem bei Ämtern.

Neben der Unternehmensseite des Bundesverwaltungsamts empfehle ich dir noch das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA).

Thomas Schmitt bei der AllSocial Marketing Conference in München 2023 als Moderator.
Quelle: Thomas Schmitt bei der AllSocial Marketing Conference in München 2023

* Hinweis: Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag. Es besteht keine bezahlte Kooperation.

Thomas 'pixelschmitt' Schmitt
Thomas 'pixelschmitt' Schmitthttp://www.thomas-pixelschmitt.de
Trotz Allerweltsname ist Thomas Schmitt online sehr sichtbar. Als pixelschmitt nutzt er so ziemlich alle verfügbaren Kanäle, um seine Expertise aus 23 Jahren Onlinemarketing zu teilen. Nach Stationen auf Agenturseite und Unternehmen seit 2020 selbständig als Abteilung für digitales Marketing, die du bisher noch nicht hast – extern und auf Zeit. Mit den Schwerpunkten: Konzeption/Strategie, Social Media, Online Marketing, Bloggen und LinkedIn.

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