Instagram ohne Likes? Erst der Anfang und ein richtiger Schritt!

Seit ein paar Wochen testet Instagram. Klar, das machen sie dauernd, aber normalerweise führt ein Test dazu, dass es anschließend etwas „mehr“ gibt als vorher.

Der aktuelle Test geht genau in die andere Richtung. Instagram testet etwas wegzunehmen. Ganz konkret sollen die Likes unter Posts nicht mehr als Zahl ausgewiesen werden. Stattdessen sieht ein Nutzer nur noch, welche gemeinsamen Nutzer den Beitrag auch geliked haben. Auch die Anzahl der Videoviews würde als öffentliche Metrik entfallen.

Der Ersteller des Posts wird die Zahlen jedoch weiter sehen. Nur halt nicht die Öffentlichkeit.

Derzeit läuft der Test schon in den folgenden sieben Ländern:

  • Australien
  • Brasilien
  • Kanada
  • Irland
  • Italien
  • Japan
  • Neuseeland

Instagram beschreibt die Beweggründe dazu ein wenig schwammig auf Twitter:

We want your friends to focus on the photos and videos you share, not how many likes they get. You can still see your own likes by tapping on the list of people who’ve liked it, but your friends will not be able to see how many likes your post has received.

Drüben bei Futurebiz beschreibt Jan aus seiner Sicht ganz gut, warum das ein guter Schritt ist. Mehr Fokus auf Content, weniger auf Metriken.

Instagram ohne Likes hätte viele Vorteile

Ich sehe da aber noch ein paar andere Entwicklungen, die mindestens genau so wichtig sind.

  1. Instagram testet. Ein Test ist dann für Instagram erfolgreich, wenn er den aktuellen Stand an Verweildauer und Interaktionstiefe mit der Plattform zumindest nicht verschlechtert.
  2. Ein Feed ohne Likes würde jedem Bot-Anbieter und Like-Verkäufer das Handwerk legen. Diese Entwicklung alleine würde dem Netzwerk so viel mehr „Ehrlichkeit“ geben, dass es sich langfristig nur auszahlen kann.
  3. Wenn Nutzer nicht mehr an Likes gemessen würden, könnte das mehr Nutzer dazu motivieren selbst zu posten. Die Scham vor niedrigen Like-Zahlen würde wegfallen.
  4. Aus dem „Influencer“, der an Like Zahlen gemessen wird, würde ein „Creator“ werden, der an der Qualität und Originalität seiner Inhalte gemessen würde.
  5. Optimierungen zur perfekten Posting-Zeit oder #Hashtagzahl könnten wir uns alle ersparen.

Bei einer Ausweitung dieser Test, vielleicht sogar auf die öffentlich einsehbaren Followerzahlen der Profile, würde sich die Plattform radikal wandeln. Allerdings zum guten.

Und dann bitte weitermachen bei Facebook

Es ist schon ein Trauerspiel, während die Facebook Mitarbeiter von Konferenz zu Konferenz tingeln und den Unternehmen klar machen, dass es in Zukunft darauf ankommt, Werte im eigenen Unternehmen zu erzeugen (Verkäufe, Leads, etc.), schreit die Plattform selbst an jeder Ecke „Schalte Anzeigen für mehr Likes“.

Jetzt will ich nicht gleich so weit gehen und das Ende der Post-Likes fordern, aber vielleicht könnten wir einfach die Page-Likes von der Seite streichen und so eine völlig sinnlose Metrik aus den Köpfen der Marketingverantwortlichen streichen?

Die etwas älteren werden sich erinnern: Facebook hatte auch mal eine „People Talking about“ Metrik, die mehr oder weniger die Interaktionen einer Seite abgebildet hat. Neben den Likes, war das die zweite „heilige Kuh“ im Facebook Page Universum.

Facebook hat sich getraut und diese abgeschafft. Erst in der öffentlichen Darstellung und einige Monate später auch in der Facebook API. Geschadet hat es keinem.

Ein Facebook ohne Likeszahlen würde auch hier vielen Bot-Anbietern die Daseinsberechtigung entziehen. Denn ein Bot kauft (noch nicht) bei Unternehmen ein. Und darauf kommt es doch an.

Fazit

Während Facebook auf der einen Seite mit dem neuen Kampf um mehr Privatsphäre beschäftigt ist, könnte das Netzwerk auf der anderen Seite die Grundlagen schaffen, damit Unternehmen in Zukunft auf die richtigen Zahlen schauen und so den Wert, den Facebook für sie hat, erkennen und ausnutzen können.

Jens Wiesehttp://www.jens-wiese.net
Jens hat Digitale Medien (M.Sc.) an der Hochschule Furtwangen studiert. Jens berät als Freelancer internationale Unternehmen in Social Media Fragen, entwickelt neue Applikationen, organisiert Workshops und entwirft individuell passende Strategien. Zudem hat er das Bio-Verzeichnis Biodukte.de und den gleichnamigen Bio Blog gegründet.

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1 Kommentar

  1. Super Entwicklung!
    Allerdings ist die Frage ob ihnen da nicht selber Werbeeinnahmen verloren gehen von Seiten die Werbung schalten um Likes zu generieren?
    Lg

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