Auf Facebook gibt es keine Teenager mehr. Keine? – Oder doch um 44 – 68 % mehr?

Auf Facebook gibt es keine Teenager mehr. Keine? – Oder doch um 44 – 68 % mehr?


Manchmal kratzt man sich schon etwas am Kopf. Nachdem Facebook gefühlt einmal pro Woche totgesagt wird, ist es inzwischen schon wieder der Fall. Wie man weiß, ist Facebook total uncool und kein einziger Teenager auf der Welt nutzt es noch. So zumindest hört es sich gerade wieder da draußen an:

Alles ausgelöst durch eine Studie von der iStrategyLabs in den USA, die hier ganz klar aufzeigt, wie Facebook in der jungen US-Generation schrumpft:

Auszug - iStrategyLabs

Auszug – iStrategyLabs Studie

In den USA hat Facebook also an jungen Nutzern verloren und ist gealtert. Erfasst wurde die Studie über die „Facebook Social Ads Platform (Estimated Reach)“. Kurz übersetzt bedeutet dies, iStrategyLabs hat im Facebook-Anzeigentool die entsprechende Reichweite eingestellt und dann ausgelesen. Die Werte für eine grobe Tendenz zu nehmen, kann man eigentlich machen. Für mehr allerdings auch nicht. Sie als „Studie“ zu deklarieren ist schon etwas schwieriger.

AllFacebook.de gibt es nun auch schon eine Weile und wir haben früher das Gleiche gemacht. Auf die genau gleiche Weise haben wir über ein paar Jahre hinweg die Nutzerzahlen von Facebook in Deutschland erfasst. Auch für den Januar 2011. Grund genug, die genau gleiche Auswertung mal für Deutschland zu machen:

fb-demographie-de-2014-afb

Hoppla. +44 % Zuwachs bei den 13 – 17 jährigen, +68 % bei den 18 – 24 jährigen. Wenn man das mit den +249 % bei den Nutzern, die 55 Jahre oder älter sind, vergleicht, kann man der Aussage schon zustimmen, dass Facebook immer älter wird. In der jungen Zielgruppe ist so ein Wachstum allerdings auch nicht mehr drin. Über die letzten drei Jahre hinweg sah es in Deutschland also sehr positiv aus, was hier allerdings fehlt, sind die Zwischenwerte für 2012/2013. (Selbstverständlich ist Facebook in Deutschland in den letzten 3 Jahren nicht konstant gewachsen, auch hierzulande ist das Wachstum deutlich abgeflacht. Mit dieser Auswertungsmethode auch stellenweise negativ.)

Eine News sind solche Zahlen aber den deutschen Medien dann wohl doch nicht wert. Facebook totschreiben bringt einfach mehr Besucher, auch wenn man es schon zu oft gelesen hat. Mich persönlich stört an den ganzen Meldungen nur, wie leichtfertig solche Studien in Deutschland übernommen werden und die Grundaussage 1:1 auf Basis dieser Daten auf Deutschland angepasst wird. Denn das ist dann schlichtweg falsch.

Wir nutzen die Zahlen schon länger nicht mehr, weil sie einem anderen Zweck dienen. Sie sollen Zielgruppen für Unternehmen grob abschätzen und können nur eine Tendenz darstellen. (Die mag in den USA negativ sein, in Deutschland ist sie in der gleichen Auswertung sehr positiv.) Die Zahlen können aber auch täglich schwanken, die Gesamtsumme vieler einzelner Zielgruppen ergibt fast nie die eigentlich angezeigte Gesamtsumme. Es werden nicht nur Einwohner gezählt, sondern auch Reisende, usw. Man merkt eben, es sind Schätzungen. Man kann sie deuten wie man möchte, oder lässt es eben auch sein. 

Wir finden es ja nicht mal schlimm, dass Facebook altert. Das macht Facebook für Unternehmen nur noch interessanter. Das sind aber nur unsere 2 Cent.  Ich warte jetzt auf einen Bild/Spiegel/Chip/…-Artikel, der beschreibt, wie toll sich Facebook in Deutschland so entwickelt hat. „+99 %!!! Die deutschen stürmen Facebook.“ oder so…

– gelesen und geprüft von www.textorate.de

Nachträgliche Anmerkung:

1 – Die nächsten offiziellen Zahlen gibt es im Quartalsbericht in etwa 2 Wochen. 

2 – Ziel des Artikel ist es nicht valide Zahlen über das Wachstum darzustellen sondern zu zeigen wie absurd  Studien auf dieser Datenbasis sein können. Das Wachstum ist, wie im Artikel erwähnt, keineswegs konstant gewesen und bei dieser Auswertungsmethode auch stellenweise negativ wenn andere Vergleichszeiträume gewählt werden. 

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Es gibt 6 Kommentare

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  1. 4
    Markus Bench

    Sicher, dass die Zahlen stimmen?
    2014 hatten wir auf facebook 6,6 Mio. Nutzer (18-24 Jahre), aber in Deutschland leben nicht so viele Bürger in dieser Altersklasse.
    Kann mir das mal jemand erklären?

    • 5
      Philipp Roth

      Ich zitiere mal den Beitrag mit zwei Gründen:
      „Die Zahlen können aber auch täglich schwanken, die Gesamtsumme vieler einzelner Zielgruppen ergibt fast nie die eigentlich angezeigte Gesamtsumme.“
      „Es werden nicht nur Einwohner gezählt, sondern auch Reisende, usw. Man merkt eben, es sind Schätzungen.“
      Facebook Nutzer mit „Bürger“ zu vergleichen ist deshalb wie Äpfel mit Birnen ;)

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