Facebook blockt Ad-Blocker

Facebook blockt Ad-Blocker


Eine kleine Facebook Pressemeldung am gestrigen Abend hat für eine große Überraschung bei uns gesorgt:

[Facebook] beginnt […] außerdem damit, Personen, die derzeit Software zur Werbeanzeigenblockierung nutzen, auf dem Desktop Werbeanzeigen zu zeigen.

Boom! Dieser Satz hat es in sich. Denn damit geht eine der größten Webseiten im Netz ganz bewusst und aggressiv gegen Ad-Blocker vor. Ein Bespiel, dem sich nun sicher weitere Webseiten, Publisher und Verlage anschließen werden.

Für den Nutzer scheint das zuerst befremdlich, hat er den Ad-Blocker doch ganz bewusst gewählt:

Als Facebook Menschen gefragt hat, warum sie Software zur Werbeanzeigenblockierung verwenden, nannten sie als Hauptgrund das Stoppen von belästigenden, unterbrechenden Werbeanzeigen.

Hier bietet Facebook nun in Zukunft neue Möglichkeiten für den Nutzer, Werbung weiter zu personalisieren und so nur sinnvolle Anzeigen anzuzeigen. Man wird nun immer öfters bei Anzeigen eine Abfrage sehen, ob diese Anzeige und das Targeting der Anzeige für einen selbst relevant ist:

Facebook

Hier kann man entsprechend eingreifen und Themen mit dem „traurigen Smiley“ aus den eigenen Interessen entfernen. Alternativ kann jeder Nutzer über den Link https://www.facebook.com/ads/preferences/ einstellen, zu welchen Themengebieten er mehr, oder weniger Anzeigen sehen möchte. Wir haben dieses Vorgehen auch schon in einem eigenen Blogbeitrag beschrieben.

Wer also als Nutzer bei seinem Ad-Blocker bleiben möchte, kann auch einfach eine Ausnahme für Facebook erstellen.

Facebook erklärt auch ziemlich deutlich, warum sie diesen Weg gehen und welche Bedeutung Werbung als Erlösmodell für den Journalismus und Online Plattformen im Allgemeinen haben.

Damit antwortet Facebook auf ein Branchenproblem, welches sich in den vergangenen Jahren auf alle Anbieter von Inhalten aufgrund eines veränderten Konsumverhaltens ausgewirkt hat. Einige Unternehmen, die Ad-Blocker anbieten, erhalten Geld dafür, dass sie bisher blockierte Werbeanzeigen zulassen. Diese Praxis senkt aber die Mittel, die zur Finanzierung von Journalismus und anderen kostenfreien Dienstleistungen benötigt werden.

Ähnliche Wege gehen derzeit bereits einige Medienhäuser in Deutschland. So liefert zum Beispiel auch Spiegel Online inzwischen Werbeanzeigen trotz aktivem Ad-Blocker aus.

Technisch ist die Formulierung von Facebook, dass sie Ad-Blocker blockieren, dabei nicht ganz richtig. Das Verfahren kann man sich eher so vorstellen: Facebook liefert eine Anzeige an den Browser aus und schaut anschließend, ob diese Anzeige auch beim Nutzer sichtbar ist. Ist sie nicht sichtbar, darf von einem Ad-Blocker ausgegangen werden. In diesem Falle wird die Anzeige einfach noch einmal ausgeliefert. Facebook übergeht also vielmehr den Ad-Blocker, statt ihn zu blockieren.

Für Werbetreibende dürfte dieser Schritt auch spannend sein. Es wäre möglich, dass so in Zukunft mehr (nicht blockierte) Anzeigenplätze zur Verfügung stehen. Das sollte entsprechend die TKP und CPC Preise in der Anzeigen Auktion etwas absenken.

Wir sind hier übrigens ganz bei Facebook und begrüßen diesen Schritt. Auch wenn Anzeigen für uns als Blog kein bedeutendes Erlösmodell darstellen, so sind sie doch für die Finanzierung von Online Inhalten unerlässlich.

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Veröffentlichung 10. August 2016

Es gibt 4 Kommentare

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  1. 1
    Dominik

    Meistens muss man dann nur ein paar eigene Filter im Adblocker anlegen, z.B. umgehe ich so auch die Adblocker-SPerre bei Bild.de ganz easy mit nur 4 eigenen Filterzeilen. Ohne Adblocker wäre das Lesen dieser Seite undenkbar penetrant! Für Facebook wird es sowas sicher auch dann geben. Oder man nutzt den Adblocker uBlock Origin, da ist sowas wie das mit Bild schon eingebaut :P
    P.S.: Was ist „Ein Besipiel“?

  2. 2
    Michael Kohlfürst

    Ich verstehe die Content Industrie auch, dass diese ihre Angebote irgendwie finanzieren muss und das ist halt Werbung. Personen die sagen, die Content Anbieter müssen neue Wege finden statt Werbung, sind unrealistisch und fern einer sinnvollen Diskussion. Was die Adblocker hoffentlich schon bewirkt haben ist ein Umdenken der Industrie, dass wir mit Werbung nicht zugekleistert werden wollen. Dass wir keine MB fressenden Video Werbespots haben möchten die automatisch anlaufen und so weiter. Sollte das wieder ignoriert werden, dann holen die Benutzer zum neuen Rundumschlag aus – und das wäre dann kein Wunder.

  3. 4
    Markus Malopo

    Der Erfolg von Bannerwerbung ist meines Erachtens im Vergleich zum Aufwand bzw. Anzahl der Einblendungen schon seit je her fraglich. Erzwungene Einblendungen wird man als User noch weit genervter wahr nehmen. Eine Werbung, die mir aggressiv aufgezwungen wird, ist verbranntes Geld. Es ist schön für facebook und Medien, die meinen, Sie könnten User so erziehen. letztlich aber verschenktes Geld für den Anzeigenkunden, der besser in intelligentere Werbeformen investieren sollte. Und für Nutzer von Ad-Blockern wird diese Form von „Zwangserziehung“ wohl kaum einen Nutzen haben, sondern das Gegenteil bewirken.

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