0% Provision: Facebook Creator Payments

Wusstest Du, dass Du die berühmt-berüchtigten Plattformgebühren, wie sie bei Apple Usus sind, neuerdings umgehen kannst? …zumindest, wenn Du als Creator Deine Inhalte über Facebook in Form eines Abonnements vermarktest!

Dieser jüngste Schachzug wurde vor Kurzem von Meta (ehemals Facebook) bekanntgegeben. Schon länger liefern sich Apple und Meta einen harten Kampf um die (Payment-)Dominanz auf den Smartphones.

In einem Facebook-Post Anfang November erklärte Mark Zuckerberg, dass man bestimmten Facebook-Urhebern neue, benutzerdefinierte Links zur Verfügung stellen werde, die es ermöglichen, Zahlungen ohne Apples umstrittenen 30%-Cut akzeptieren zu können.

„Während wir das Metaverse aufbauen, konzentrieren wir uns darauf, Creators Möglichkeiten zu eröffnen, mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen“, so Zuckerberg. „Die 30 Prozent Gebühren, die Apple auf Transaktionen erhebt, erschweren dies. Deshalb aktualisieren wir nun unser Abonnement-Produkt. Creators können jetzt mehr verdienen.”

Im Posting kündigt Zuckerberg ebenfalls ein neues Bonusprogramm an, welches bis Ende 2021 jeweils zwischen 5 und 20 US-Dollar pro neuem Abonennten für die Creator bereithält. Dieser Bonus ist Teil eines 1 Milliarde US-Dollar schweren Creator-Programms, das Meta zuvor angekündigt hatte.

Vorraussetzungen

Um teilnehmen zu können, muss ein Seitenbesitzer 10.000 Follower oder mehr als 250 wiederkehrende Nutzer aufweisen und entweder 50.000 Post-Engagements oder eine Verweildauer von insgesamt 180.000 Minuten aufweisen. Nicht für jeden machbar, aber auch für deutschprachige Newsmedien und Künstler durchaus leistbar.

Sobald Ihr als Creator für das neue Abo-Modell in Frage kommt, könnt Ihr Promo-Links an Eure Fans versenden und so auf das Zahlungsportal verweisen, das über das Meta-eigene Zahlungssystem Facebook Pay läuft.

Kostenlos bis Ende 2023

Das Unternehmen hatte zuerst mit einem Einbehalten von 30% der Abogebühren geplant, ist aber vorerst von diesen Plänen wieder abgedrückt.

Der Clou (und das dürfte vielen Creatorn den Einstieg erleichtern): Facebook hat sich dazu bereiterklärt, bis Ende 2023 keinerlei Gebühren aus den Zahlungen zu erheben.

Angesichts seines aggressiven Vorgehens in diesem Bereich hat das Unternehmen jedoch sichtlich Pläne, noch stärker von der boomenden Creator-Generation zu profitieren, nachdem es den Nutzern das System nun für ein paar Jahre gebührenfrei zur Verfügung stellt.

Wie Apple kleine Developer ködern will

Apple wartet mit einer Standargebühr von 30% auf, wenn es um die bezahlten Apps und In-App-Zahlungen geht. Diese Gebühr sorgt für erhebliche Einnahmen auf Seiten Apples. Allein 2020 waren es 643 Milliarden US-Dollar, die über das App Store-Ökosystem umgesetzt worden waren.

Ende 2020 kam Apple kleineren App-Entwicklern ein Stück weit entgegen und hat die Provision für Developer unter 1 Mio US-Dollar Jahresumsatz auf 15 Prozent gesenkt.

Plattform-Gebühren verärgern Partner

Vielen großen Software-Entwicklern sind Apples App-Store-Gebühren ein Dorn im Auge. So startet Epic Games, Hersteller des Erfolgs-Games Fortnite, im Jahr 2020 eine große Kampagne gegen Apple. Darin inszenierte sich der Developer als der kleine Mann, der sich für alle Entwickler einsetzt.

Auch Meta positioniert sich – quasi als fingierte Grassroot-Bewegung – ähnlich und entfacht quasi einen Streit mit Apple um die Vergütung von Entwicklern.

Kampf um Zugang zum Portemonnaie

Was banal klingt, ist der Weg zum Portemonnaie der User: Es geht quasi um das Kassenwart-Hausrecht. Im Falle von Epic Games, das gegen Apple klagte, entschied ein Richter, dass Apple den Entwicklern nicht verbieten darf, Nutzer auf externe Zahlungsweise hinzuweisen. Ein Weg zum zum Umgehen der verpflichteten “Apple only”-Bezahlweise und damit die Erhöhung der anteiligen Einnahmen für Game Developer.

Diese Entscheidung hat offenbar auch Facebook ermutigt, jetzt verstärkt an Apples Payment-Domäne kratzen zu wollen. Apple hat gegen das Urteil Beruf eingelegt und beantragt, diese richterliche Verfügung auszusetzen.

Auch schon zuvor gab es Konflikte zwischen Apple und Facebook und wieder hat Facebook versucht, sich auf die Seite des Verbrauchers zu stellen. Damals hat Facebook eine große Kampagne – sogar in Offline-Zeitungen – geschaltet, um gegen die Anti-Tracking-Funkionen in Apples Betriebssystem iOS 14 aufzubegehren. Auch hier stellte sich Facebook symbolisch auf die Seite kleiner Unternehmen – vermutlich um diese langfristig an sich zu binden.

Für wen lohnt sich das?

Künstlerinnen und Künstler sowie Medienhäuser sollten sich durchaus anschauen, ob die vergünstigten Abo-Optionen für sie sinnvoll sind. Dass man bis Ende 2023 keine Gebühren verlangen wolle, gibt zumindest zwei Jahre Planungssicherheit. Dennoch sollten Unternehmen, für die diese Art der Content-Auswertung eine Rolle spielt, überlegen, wie sie langfristig eigene Content Hubs erstellen und zum Beispiel auch Plattform-unabhängige Dienste wie Patreon nutzen.

Für die unmittelbare Monetarisierung eigener Inhalte ist der Verzicht auf Gebühren aber ein richtiger Clou, wie Facebook sich eine nächste Creator-Generation heranzüchtet bzw. loyal werden lässt. Denn einmal im System gewachsen, bleibt man als Creator gern treu.

Wer Mark Zuckerbergs Original-Posting lesen will, wird hier fündig: https://www.facebook.com/zuck/posts/10114044739955341

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Thomas Richterhttp://www.wirmoderieren.com
Thomas Richter ist Teil und Co-Initiator des Moderationsnetzwerks wirmoderieren.com und hat unter anderem fürs Bundesarbeitsministerium, Konferenzen wie StartupCon, digitalBAU und das Mediencampus Areal der Medientage München moderiert. Zudem ist er vermehrt in Online-Videoformaten zu sehen. Für Tech- und Gesellschafts-Konferenzen wie die DLD Conference, den Deutschen Nachhaltigkeitspreis, die AllFacebook Marketing Conference sowie das OMR Festival ist er als Live Social Media-Person im Einsatz. In seiner Selbständigkeit berät Thomas Firmen in Fragen der Kommunikation, PR und Content-Erstellung. Alumnus der Hamburg Media School (MBA in Media Management).

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