Automatisierung von Reports im Meta-Universum

Im Gastbeitrag von Carmelo Russo haben wir an dieser Stelle bereits jede Menge Wissenswertes über Social Media Reportings gelernt. Heute wollen wir uns daran anschließend mit den technischen Details beschäftigen, wie man solche Reports aus dem Meta-Universum (möglichst voll-)automatisiert erstellen kann.

Die schlechte Nachricht zuerst: mit den zur Verfügung stehenden Bordmitteln von Facebook geht das leider nicht wirklich zufriedenstellend. Wir werden daher die Unterstützung externer Tools brauchen. Davon gibt es natürlich Unzählige – wir konzentrieren uns aber aus Zeitgründen auf einige der am stärksten Verbreiteten.

Facebook bietet externen Anwendungen über seine verschiedenen Programmierschnittstellen (API = Application Programming Interface) Zugriff auf eine ganze Reihe von Daten. Diese Facebook API sind zwar grundsätzlich kostenlos, die absaugenden Anwendungen haben aber unterschiedliche Gebührenstrukturen. Als zweite Datenquelle brauchen wir meist noch das im Einsatz befindliche Shopsystem/Warenwirtschaft und last but not least eine Anbindung an Google Analytics.

Der Fahrplan

·       Welche Empfänger wollen welche Fragen und zwar wie oft beantwortet haben?

·       Push per eMail oder Pull mittels Einstieg in ein Dashboard?

·       Ermöglicht die bisherige Kampagnenstruktur überhaupt eine sinnvolle Beantwortung?

·       Sind wir uns über die Definitionen der KPI einig? (Klicks, Conversionrate, Attribution, etc)

Die Anforderungen, das verfügbare Budget und die subjektiven Vorlieben entscheiden dann über das einzusetzende Tool. Als Faustregel für gelieferte Antworten gilt: So wenig wie möglich – so viel wie notwendig!

Strategische Fehler, die bereits in dieser frühen Phase gemacht werden, können manchmal selbst später nicht mehr korrigiert werden. Wenn zum Beispiel die Frage „Lohnt sich die Investition in eigene Creatives für Insta Reels?“ lautet und wir diese eine Platzierung nicht gleich in einem getrennten AdSet abbilden, wird die spätere Beantwortung schwer bis unmöglich – bekanntlich unterbindet Facebook seit dem iOS14-Update die Aufschlüsselung der erzielten Conversions-Umsätze nach Platzierung. Auch eine Einigung über die verwendeten Kennzahlen schützt vor nachträglichen Diskussionen: Facebook kennt zum Beispiel acht komplett unterschiedliche Definitionen eines Klicks und damit naturgemäß auch aller davon abgeleiteten Kennzahlen wir CTR oder CPC. Ohne quantifizierbare Ziele wird eine Beurteilung des Erfolgs in der Regel mühsam.

Google Data Studio

Google bietet seit Jahren ein wirklich feines Visualisierungstool namens Data Studio an. Die dortigen interaktiven Dashboards sind bis ins kleinste Detail individualisierbar und die Benutzerführung für jeden selbsterklärend, der schon mal mit Google Analytics zu tun hatte.

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Data Studio bietet für alle Google Produkte (von Analytics bis Adwords) fix und fertige, kostenlose Schnittstellen zum Datenimport an. Sobald eine Verbindung zur Datenquelle hergestellt wurde, kann daraus sehr rasch ein Report kreiert werden – im Netz finden sich dazu etliche Templates, die wohl die meisten Anforderungen abdecken werden.

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Für alle anderen Datenquellen bietet Data Studio über 470 sogenannte Connectoren an, die die Daten von allen möglichen und unmöglichen Plattformen in unser Dashboard importieren können. Viele dieser externen Connectoren sind kostenpflichtig – für Facebook Daten brauchen wir zum Beispiel Supermetrics for Datastudio.

Die Zugriffssteuerung läuft wie gewohnt über OAuth. Wir bekommen also wenig überraschend nur so viele Daten, wie die Berechtigungen unseres Facebook Account hergeben. Die Geschwindigkeit dieses Connectors ist durchaus zufriedenstellend – selbst Facebook Werbekonten mit einigen tausend AdSets werden im Handumdrehen geladen. Natürlich gibt es auch hier eine ganze Reihe von fertigen Templates, mit denen wir sofort loslegen können.Wenn alle Stricke reißen, können wir zu guter Letzt immer noch die Webhooks von Zapier einsetzen, mit denen wir jegliche Daten auch ohne vorgefertigte Schnittstelle übertragen können. So eine Technologie brauchen wir jedes Mal, wenn das von uns verwendete Shopsystem über keine fertige Schnittstelle ins Data Studio verfügt. Wir saugen in diesem Fall die Daten nicht ab, sondern schieben sie rüber.

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Achtung: Data Studio ist zwar sehr mächtig, unterliegt aber bezüglich der Datenbasis sämtlichen Einschränkungen, die wir auch vom Facebook Ads Manager kennen. Also ist zum Beispiel die Aufschlüsselung der erzielten Conversions-Umsätze nach Gerätetyp nicht sinnvoll möglich.

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Der fertige Report kann dann den gewünschten Empfängern entweder automatisch per E-Mail zu einem definierten Zeitpunkt geschickt werden, oder sie steigen mittels übermitteltem Link direkt ins Dashboard ein.

Sehr praktisch: Einmal korrekt eingerichtet, müssen wir nie mehr „Aktualisieren“ oder so etwas drücken – der Report wird immer mit den aktuellen Daten befüllt.

Auch sehr hilfreich: Durch die Berechtigung „darf ansehen“ können die Empfänger nichts kaputt machen *gg*

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Report Garden

Ganz ähnlich wie Data Studio kann auch Report Garden eine ganze Reihe von Datenquellen anzapfen, unter anderem auch Facebook.

Verschiedene Werbekonten sind in einem Report auch mit Attributions-Anpassung, benutzerdefinierte Metriken auch quellenübergreifend möglich. Wir können uns also eine Kennzahl „(Facebook ausgehende Klicks – Google Analytics Besuche) / Facebook ausgehende Klicks“ bauen und so die prozentuelle Abweichung der gemessenen aus- und eingehenden Klicks anzeigen.

Der Support ist ausgezeichnet und kostenfrei (allerdings nur in Englisch) verfügbar.

Spannend für Agenturen: wir können für unsere Werbekunden ein Whitelabel Portal anbieten, wo sie sich ihre Reports runterladen können. Der automatische Versand per E-Mail ist natürlich ebenfalls möglich.

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Microsoft Excel

Wem die bisher vorgestellten Varianten zu wenig nerdy sind, sollte jetzt besonders aufpassen. Auch die vielen, vielen Anwender, die in der Vergangenheit ihre Reports mittels Export aus dem Facebook Ads Manager und Import in Excel gemacht haben. Supermetrics for Excel bietet uns die Möglichkeit, in Excel direkt auf die Daten aus Facebook-Werbekonten zugreifen zu können. Die automatische Aktualisierung der Daten kann auf Wunsch bei Öffnen der Excel-Datei oder durch einen extra Button ausgelöst werden.

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Aus diesen Rohdaten kann dann mittels Formeln in anderen Tabellenblättern jede vorstellbare Aggregation und Darstellung realisiert werden. Auch rollierende Reports sind durch variable Zeiträume bei der Datenübernahme einfach realisierbar. Mit simplen VBA-Scripts (Visual Basic for Applications) kann man eigentlich alles nach Wunsch automatisieren. Achtung: Bei größeren Werbekonten dauert das Aktualisieren der Daten etwas länger als bei den vorher genannten Tools.

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Was kostet der ganze Spaß pro Monat?

Je nach Anforderungen und Volumen kann das Thema Automatisierung von Reports durchaus ins Geld gehen.

Sämtliche Hersteller bieten individuelle Lösungen, Rabatte und Sonderaktionen für Agenturen und größere Kunden an – in der Regel lohnt sich also Nachverhandeln.

·       Reportgarden: Von 130€ (bis zu 30 Werbekonten) bis 560€ (bis zu 170 Werbekonten + Shoppingsysteme)

https://reportgarden.com/pricing

·       Supermetrics for Excel: Von 99€ (bis zu 7 Datenquellen) bis 499€ (bis zu 36 Datenquellen +Shopping)

https://supermetrics.com/pricing/supermetrics-for-excel

·       Supermetrics for Data Studio: Von 99€ (bis zu 2 Datenquellen) bis 499€ (bis zu 10 Datenübernahmen)

https://supermetrics.com/pricing/supermetrics-for-data-studio

·       Zapier: Von 17€ (750 Datenübernahmen) bis 516€ (100.000 Datenübernahmen)

https://zapier.com/pricing

Noch mehr Wissens-Input

Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag auf der Allfacebook Marketing Conference im Oktober 2021.

Habt Ihr schon ein Ticket für die nächste #AFBMC-Konferenz am 16. & 17. März in München? Freut Euch auf weitere solcher Insights von Expertinnen und Experten rund ums Social Media-Marketing für Unternehmen!

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Tom Thalerhttps://www.inspirit.at/
Thomas Thaler ist ausgebildeter Informatiker, Unternehmensberater und Bilanzexperte – irgendwann (hoffentlich) auch mal Rechtsanwalt. Der Touristiker aus Leidenschaft und Überzeugung arbeitet seit 1993 selbstständig und beschäftigt sich mit seiner Werbeagentur primär mit Facebook Performance Kampagnen.

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