So hört Facebook, Instagram und WhatsApp dich ab!

Gar nicht.

Stop!!! Bevor du jetzt genervt zu Facebook zurück gehst, lass mich das kurz erklären.

Die Vermutung vieler Nutzer, dass Facebook, Google oder gar Amazon sie während der Nutzung ihres Handys oder Computers abhören und die aufgezeichneten Gespräche und Wortfetzen dann zur Schaltung passender Online-Werbung verwendet, ist nicht neu. Tatsächlich lassen sich die ersten „Verdachtsfälle“ bis 2015 oder 2016 zurück verfolgen.

Damals sorgten Samsung Smart-TV Geräte für aufsehen, die große Teile von Gesprächen an eigene Server übermittelten und auswerteten. Anders als heute bei Alexa, Siri und Co. üblich, hörten diese Geräte nicht nur auf ein Aktivierungswort wie etwa „Hey Siri“ oder „Okay Google“.

Der Verdacht

Immer wieder wird seitdem von merkwürdigen Zufällen berichtet, bei denen Facebook (oder Instagram) scheinbar passende Werbung anzeigte, nachdem kurz zuvor in einem privaten Gespräch genau über dieses Thema gesprochen wurde.

  • Person beklagt sich bei Freunden über schlechte Luft in Räumen, ein Freund bekommt kurz darauf Werbung für einen Luftreiniger gezeigt.
  • Personen diskutieren im Scherz über Treppenlifte, es wird eine Anzeige für eben solche ausgespielt.
  • Mann erzählt Frau, dass die Katze aus dem Wasserglas getrunken hat. Wenig später sieht er eine Anzeige mit eben einem solchen Bild.
  • Freunde besprechen, dass sie für den Urlaub noch Sonnenbrillen kaufen wollen. Kurz darauf sehen sie Werbung für genau solche.

Die Liste an Beispielen ließe sich fast ewig lang fortsetzen.

Facebook widerspricht

Diesem Verdacht widerspricht Facebook in verschiedenen Stellungnahmen und auf der eigenen Webseite:

Facebook doesn’t have access to the microphone unless you grant permission such as when you record a video to post on your feed.

Bleiben wir aber skeptisch, Facebook hatte bereits in der Vergangenheit Probleme mit Datenschutzthemen. Ihr erinnert euch vielleicht an Cambridge Analytica.

Es sprechen in diesem Fall aber mehrere Faktoren dafür, dass Facebook die Wahrheit sagt:

  1. Würde Facebook aufgenommene Daten an einen eigenen Server zur Analyse senden, wäre das über Netzwerk-Tools nachzuverfolgen. Nicht nur das: Bei 3 Milliarden Facebook Nutzern wäre der konstante Upload von Sprachdaten so groß, dass es bei den Auswertungen der Internetanbieter kaum zu übersehen wäre. Zugleich wären sämtliche Datenpakete der Mobilfunkverträge sehr schnell aufgebraucht.
  2. Würde Facebook die Sprachanalyse nun auf dem Handy durchführen, müssten auch die Ergebnisse wieder an Facebook zur weiteren Verwendung gesendet werden. Auch das wäre Traffic, der – selbst wenn er verschlüsselt wäre – auffallen würde und nachverfolgt werden könnte.
  3. Sowohl iOS als auch Android haben bereits 2018 Funktionen in ihr Betriebssystem eingebaut, die verhindern, dass Apps das Mikrofon (oder die Kamera) im Hintergrund verwenden oder die eine solche Nutzung klar signalisieren. Unter iOS erscheint dann zum Beispiel permanent und nicht zu übersehen ein rotes Mikrofonsymbol oben links in der Ecke.

Neben dem klaren Dementi durch Facebook lässt sich also auch technisch gut nachweisen, dass keine Auszeichnung und Auswertung von Gesprächen durch Facebook, Instagram oder WhatsApp stattfindet.

Die Lösung(en)

Wie kann es trotzdem zu all diesen Fällen kommen, in denen wir einen scheinbaren Zusammenhang aus Gesprächen und Facebook sowie Instagram Ads sehen?

Dafür gibt es (mindestens) zwei sehr gute Erklärungen.

  1. Selektive Wahrnehmung
  2. Algorithmen

Selektive Wahrnehmung – Dein Gehirn ist Schuld

Um der Vielzahl an Reizen, die dein Gehirn ständig aus den verschiedenen Sinnesorganen verarbeiten muss, Herr zu werden, hat es eine geniale Strategie entwickelt. Bei der selektiven Wahrnehmung werden nur die Eindrücke weiterverarbeitet, die in der aktuellen Situation von Relevanz sein könnten.

Während viele Werbeanzeigen also an dir vorbei gehen, weil dein Gehirn ohne dich zu Fragen diese als jetzt nicht relevant einstuft, werden andere hängen bleiben. Hast du dich gerade mit deinen Freunden über Treppenlifte unterhalten, wird eine Anzeige für eben diese plötzlich hängenbleiben, obwohl dein Hirn sie am Vortag noch ignoriert hätte.

Die selektive Wahrnehmung ist für sehr viele dieser „Zufälle“ verantwortlich. Aber natürlich nicht für alle. Denn es gibt ja auch noch die Facebook Algorithmen, welche die Ausspielung der Anzeigen im Sinne des Werbetreibenden optimieren.

Facebook Algorithmen – Warum Werbung funktioniert

Facebooks Algorithmen „spielen“ mit der selektiven Wahrnehmung, indem über vorhandene Daten die Anzeige von Anzeigen so optimiert wird, dass das Gehirn auf diese reagiert und eine Relevanz erkennt.

Dazu braucht es keine Sprachanalyse, sondern nur die bereits in großem Umfang vorhandenen Datenpunkte, die wir alle hinterlassen.

Du bist mit deinen Kumpels, mit denen du in Urlaub fliegst, auf Facebook befreundet? Vielleicht habt ihr in der Reisevorbereitung sogar häufig gechattet? Dann kann bereits das Wort „Malle“ die Anzeigenausspielung für Sonnenbrillen und Badehosen anstoßen.

Tatsächlich könnte Facebook sogar wenn auch nur ein Nutzer aus deinem engeren Facebook Freundeskreis nach Sonnenbrillen sucht, allen anderen auch eine Anzeige für Brillen zeigen. Einfach, weil die „Erfahrungen“ des Algorithmus zeigen, dass selbst diese (sehr) schwachen Signale bereits reichen, um einen möglichen Kaufanreiz zu setzen.

Und nicht zuletzt kann Facebook mit 3 Milliarden Nutzern so viele Gemeinsamkeiten errechnen, dass auch ohne bekannte Verbindung unter den Nutzern das Netzwerk in der Lage ist, eine passende Anzeige auf Grund der Lebenssituation zu zeigen. Zum Beispiel, weil Menschen Mitte 30 im Frühsommer halt häufig nach Sonnenbrillen suchen, wenn diese eine Flugreise antreten.

Fazit

Dass Facebook, Instagram und WhatsApp private Gespräche mitschneiden und zur Anzeigenaussteuerung auswerten, ist nicht nur unwahrscheinlich, es ist sogar technisch ausgeschlossen.

Statt dessen sind es Millionen von Datenpunkten die Nutzer im Netzwerk hinterlassen, die kombiniert mit deiner selektiven Wahrnehmung dazu führen, dass Anzeigen passen oder zumindest auffallend im Newsfeed der Netzwerke erscheinen.

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Jens Wiesehttp://www.jens-wiese.net
Jens berät als Freelancer internationale Unternehmen in Social Media Fragen, entwickelt neue Applikationen, organisiert Workshops und entwirft individuell passende Strategien. Zudem betreibt er unter https://papierloswerden.de eine Plattform für Menschen, die den Schritt in eine rein digitale Zukunft gehen möchten.

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15 Kommentare

  1. Diese Frage habe ich mir oft auch so gestellt, und tatsächlich habe ich aus Spaß auch mal mir einen Treppenlift im Gespräch gewünscht, obwohl ich erst 50 bin. Am nächsten Tag kamen Anzeigen von Treppenliften. Bei diesem Bericht stört mich aber die reißerische Headline, die suggeriert, DASS Facebook & Co. einen „abhören“. Das erinnert mich dann doch ein bisschen an Clickbait-Headline , und das habt ihr doch nicht nötig (oder doch?).

    • Hallo Andi, vielen Dank für die Kritik an der Headline. Diese ist durchaus begründet und war eine Ausnahme.
      Wir wollen mit dieser Headline aber auch gerade jene Nutzer erreichen, die auf Clickbait anspringen und den Fake-News des abhörenden Konzerns gerne glauben schenken.

    • Ich bin auch erst knapp über 50 und habe noch nie über Treppenlifte nachgedacht oder gesprochen, bekomme aber immer wieder Werbung dafür.
      Selektive Wahrnehmung. Finde ich eine logische Erklärung.

  2. Danke für den Artikel. Analysiert FB den Messaging-Content auf Keywords? Das wäre doch gar nicht zulässig und bei WA aufgrund von E2E gar nicht möglich. Liege ich falsch oder verstehe ich diesen Absatz falsch? „Du bist mit deinen Kumpels, mit denen du in Urlaub fliegst, auf Facebook befreundet? Vielleicht habt ihr in der Reisevorbereitung sogar häufig gechattet? Dann kann bereits das Wort „Malle“ die Anzeigenausspielung für Sonnenbrillen und Badehosen anstoßen.“

    • 2018 hat Zuckerberg bestätigt, dass Chat Inhalte analysiert werden.
      Ob diese jetzt 2 Jahre später auch zur Werbeaussteuerung genutzt werden weiß ich nicht. Aber mir geht es darum zu verdeutlichen, dass die Datenspuren so vielfältig sind, dass es keine resourcenintensive Sprachanalyse braucht.

  3. Ich habe informationstechnologie studiert und weiß das es schwierig ist…

    Mir sind sind einem Jahr mind 20 sehr lustige zufälle passiert…
    heut der hamma, ich mache uncle bens reis (der noch irgendwo im keller war) und die mitbewohnerin sagt in dem moment: ach guckmal uncle bens und zeigt auf die rückseite…
    2 stunden später wird mir werbung dafür angezeigt….

    also mir nicht unklar, wie irgendein algorithmus mittels big data oder sonst was da drauf zukommen… die hören 100% ab- instagram wie ich denke, und die sind verknüpft mit faebook

  4. Hatte vor einiger Zeit auch Fälle bei Bekannten. Sie hatten sich geeinigt sich über ein Thema zu unterhalten das für sie völlig untypisch war, d.h. völlig willkürlich gewählt, nie Thema, nie gegoogelt. „Harley Davidson“, kurz darauf dann Harley-Werbung auf dem Rechner (!), nicht dem Handy. Im Verdacht WhatsApp bei dem man in bestimmten Versionen eine Werbeeinstellung nicht deaktivieren konnte.

  5. Bitte den Artikel lölschen oder korrigieren. Denn er stimmt nicht.

    Wir haben explizit Tests dazu auf einem Handy von einem Kumpel gemacht. Wir haben eine halbe Minute lang Schlagwörter, die mit Schokolade zu tun hatten, in das Mikrofon gesprochen. Also so was wie „Schokolade“, „Pralinen“, „Schoki“, und auch bekannte Markennamen. Resultat: Nachdem er wenige Momente später auf Instagram ging, kam nur Schokoladen-Werbung. Dasselbe haben wir dann mit Fast Food gemacht und Schlagworte wie Burger, Fast-Food-Ketten, etc reingesprochen. Resultat: Auf Instagram kam Werbung mit allen möglichen Fast-Food-Restaurants.

    Vorher hatte er keine Werbung dieser Art. Das ist keine selektive Wahrnehmung, sondern einfach nur der Beweis, daß Gespräche mitgehört werden und entsprechende Werbung angezeigt wird.

  6. Hallo Betreiber der Seite,
    ich weiß, du wirst diese Nachricht nicht posten, aber du wirst sie lesen. Du solltest nur wissen, daß du kein Mensch bist, der andere Meinungen zuläßt und nur allzugern von anderen Seiten gesteuert wird. Witzigerweise verbietest du Kommentare genau unter so einem Post, wo es darum geht, ob man von Konzernen ausgenutzt wird :D
    Viel Glück in deiner naiven Welt und gestehe dir einfach jeden Morgen ein, daß du keine eigene Meinung hast und auch andere Meinungen nicht akzeptierst. Charakterstärke und Rückgrat braucht man als korrekter Mensch.

    • Lieber Hans, warum sollten wir deine Meinung nicht posten? Du hast diese Erfahrungen gemacht, wir können sie aber in eigenen Tests nicht nachvollziehen.
      Kein Grund irgendetwas nicht zu veröffentlichen.

  7. Viel zu naiver Artikel. Das Kernargument der hohen Datenmengen ist ein Witz. Die Infernetanbirter kämpfen gegen gigantische Datenmengen von Instagram-Videos, tiktok-Videos, Netflix und co. Dagegen sind Sprachaufnahmen ein Witz.

    2 Situationen (chronologisch umgekehrt):

    Die erste von heute: Sie: Was sollen wir heute essen? Er: Bolognese. Dann Sie beim Essen: Brauchst du Maggi?

    Instagram-Werbung bei meiner Frau: Brauchst du Maggi für deine Bolognese?

    Mit der zweiten Situation kommt aber der Hammer: im letzten Sommerurlaub in Kroatien erzählt mir der Onkel meiner Frau, dass sein Enkel die Kampfsportschule xy in unserer Heimatstadt (in NRW) besucht.

    Instagram-Werbung bei meiner Frau: eben von dieser Kampfsportschule (wohlgemerkt während unseres Sommerurlaubs in Kroatien)

    Ok sagen wir es ist wirklich rein selektive Wahrnehmung im ersten Fall.

    Aber im zweiten Fall? Wenn Instagram nicht mithört, welcher Algorithmus sollte meiner Frau während des Kroatienurlaubs unsere Heimatkampfsportschule anzeigen? Und nein – meine Frau hat bis heute nicht einmal auch nur dieses Wort in ihr Smartphone getippt.

    Apropos als kleines i-Tüpfelchen: der Bolognesefall ist wirklich extrem sonderbar, da wir seit dem zweiten Fall die Mikrofon-Berechtigung deaktiviert haben. Meine Frau spricht aber häufiger Sprachnachrichten über whatsapp und dementsprechend ist die Berecbtigung dafür da. Also lautet unsere Vermutung: Instagram selbst darf nicht mehr und nutzt nun einfach die Ausspähungen vom Schwesterunternehmen Whatsapp.

    Ekelhaftes Verhalten.

  8. Die Erklärung mit der selektiven Wahrnehmung ist recht naiv. Sich auf die Aussagen der Unternehmen zu verlassen umso mehr. Die traurige Wahrheit ist, dass wir permanent ausgespäht werden.

    Wer es nicht glaubt, soll es einfach selbst testen und kann dann gerne mitreden.

    Eine andere Sache, ich habe aus unserem Netzwerk heraus, auf meinem Laptop eine Bestellung direkt beim Onlineshop „Autodoc“ aufgegeben. Meine Freundin erhält nun auf Ihrem Smartphone Werbung von „Autodoc“. Sie wusste von der Bestellung nichts, kennt den Shop nicht einmal und fragt, ob ich an Ihrem Gerät dran war. Natürlich nicht…ich bestelle Autoteile garantiert nicht über ein Handy, noch sind unsere Browser iwie gekoppelt.
    Ist das auch nur Zufall? Selektive Wahrnehmung? Bildet euch eure Meinung.

    • Wenn dein Laptop und Smartphone im selben WLAN unterwegs sind (oder waren) ist die Verbindung ja recht einfach. Durch den Router erscheint ihr Facebook als eine IP (ein Haushalt) und das Retargeting schlägt zu.

  9. Gestern habe ich mit einer Person, die ich bis dahin nie gesehen oder gar gekannt habe, über seine Art Pizza zu bereiten gesprochen. Ohne Produktnennung hat er mir erklärt, einen kleinen gasbetriebenen Pizzaofen zu verwenden wegen der
    Temperaturhöhe.
    Heute Morgen bietet mir Facebook genau diesen Ofen, der eine ziemliche auffällige Alleinstellung am Markt hat und den ich niemals zuvor gesehen habe, als sehr auffälliges add an. Es ist genau der Ofen den die mir fremde Person nutzt und mit der ich nicht datentechnisch oder medial vernetzt bin.

    • Lösungsvorschlag: Ihr hattet ja beide euer Handy dabei. Facebook hat erkannt, dass ihr am gleichen Ort wart und daraus abgeleitet, dass ihr euch beide kennt. Hat die andere Person bereits nach diesem Pizzaofen gesucht, kann dies auch ein Signal für den Werbealgorithmus sein, dir diesen Ofen ebenfalls vorzuschlagen.

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