Update: Facebooks Privacy Politik & Datenweitergabe an Dritte


Wir hatten schon über die Datenweitergabe an Dritte in Facebook und auch den offenen Brief von Ministerin Aigner berichtet. Von der Presse wurden die Meldungen natürlich aufgefasst, aufgebauscht und teilweise sehr dramatisiert. Mit dem wachsenden Druck hat sich Facebook nun doch zu den Vorwürfen geäußert.  Sowohl in einem Blogpost als auch in einem Stern interview, hier ein paar Ausschnitte:

Stern Interview mit Richard Allan (Director of Policy):

von 50 verschiedenen Menschen hochgeladen. Das ist ein fundamentaler Wandel. Wir sind heute sowohl Fotografen als auch Fotografierte. Wir als Bürger erfassen selbst Daten.
Und Facebook ist die Supermacht in dieser neuen Welt?
Facebook ist nur ein maßgeblicher Spieler aber umfasst nicht den gesamten digitalen Kosmos. Unsere Erklärung der Rechte und Pflichten heißt so, weil die Verantwortung für die veröffentlichten Informationen beim Nutzer liegen muss. Die Plattform ist nicht die Quelle von Informationen, sondern Sie oder ich oder jeder von uns.
Ist das nicht eine Ausrede, weil durch die Marktmacht von Facebook viele Nutzer gar keine Alternativen sehen?
Ein fundamentaler Grundsatz von Facebook lautet: Die Nutzer besitzen die Daten, die sie online stellen. Es sind ihre Daten, die sie publizieren, und sie können entscheiden, diese zu entfernen. Ihre Fotos sind ihr Eigentum und gehören nicht Facebook. Die ganze Gesellschaft muss lernen, mit dieser Verantwortung zu leben: Wir sind alle Publizisten, und das verändert unser Verhältnis zu anderen Menschen. Und diese Balance zwischen dem Wunsch, Daten zu veröffentlichen und dem Schutz der Privatsphäre, dem Datenschutz, kann nicht nur im Dialog mit Facebook allein gefunden werden.

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Blogpost von Facebook als Reaktion zu Ministerin Aigners Brief:

Der vorgeschlagene neue Wortlaut in den Datenschutzrichtlinien bezieht sich nicht – wie von der Ministerin befürchtet – auf einen massenhaften Austausch von Anwender-Daten für kommerzielle Zwecke, sondern auf einen äußerst begrenzten Vorschlag, mit einigen vorab genehmigten Partner-Webseiten zusammenzuarbeiten, um dort beim Anmelden bereits personalisierte Einstellungen vorzufinden. Der vorgeschlagene, neue Wortlaut in den Richtlinien enthält zusätzliche Details, die es uns ermöglichen, einen Test mit einer kleinen Anzahl sorgfältig ausgewählter Partner durchzuführen und auf deren Webseiten eine schnelle Personalisierung anzubieten. Diese Partner werden vorab ausgewählt, überprüft und durch Verträge an Facebook gebunden – genau wie andere Partner, mit denen wir in anderem Zusammenhang zusammengearbeitet haben, um einzigartige und innovative Nutzungserfahrungen zu ermöglichen.

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Wir Versuchen hier im Blog immer eine gewisse neutrale Stellung einzunehmen, und unseren Lesern die Chance zu geben ihre eigene Meinung über die Thematik zu bilden was hoffentlich auch oft funktioniert. Allein auf den letzten Post zum offenen Brief gab es viele Kommentare auf Facebook, sowohl bei uns als auch z.b. bei Annette Schwindt. Wie auch mit Interview mit Allen wird auch dort besonders die Eigenverantwortung des Nutzers thematisiert. Im Gegensatz zu einem Facebook fixierten Blick, wie ihn Minister Aiginer bewiesen hat, halten wir das für die weitaus wichtigere Thematik halten. Zwar hat Facebook als größtes Social Network hier natürlich eine enorm große Verantwortung, der Umgang mit den eigenen Daten ist aber im ganzen Social Web sehr locker und je nach Ansicht absolut kein Problem oder auch sehr fahrlässig. Welche Eigenverantwortung die einzelnen Plattformen dem Nutzern überlassen , oder auch nicht, dürfte aber auch in Zukunft noch einiges an Diskussionsbedarf auslösen.

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Es gibt 2 Kommentare

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  1. 1
    Matthias Winkel

    Solange Facebook Daten über User speichert, die nicht bei Facebook registriert sind, und diese Daten in Beziehungen setzt und für Empfehlungen verwendet, zieht das Argument, dass die User vorsichtig und eigenverantwortlich mit ihren Daten umgehen sollen nicht. Hier werden persönliche Daten verarbeitet und gespeichert, auf die die betroffenen User keinen Einfluss haben. Anders formuliert, die User, die nicht bei Facebook registriert sind, praktizieren den bestmöglichen Datenschutz, trotzdem besitzt Facebook deren Daten, weil sie durch andere User zum Teil unbewusst in Facebook eingegeben oder hochgeladen wurden.
    Der erste Schritt liegt nicht bei den Usern sondern einzig und allein bei Facebook. Erst dann ist es angebracht, die User auf den sorgsamen Umgang mit ihren eigenen Daten einzuschwören. Aber die Hauptverantwortung liegt bei Facebook. Hier ist handlungsbedarf auf Seite von Facebook.

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