In einem offenen Brief an Mark Zuckerberg, zeigt sich Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner um den Datenschutz bei Facebook.com besorgt. Hintergrund ist die Datenweitergabe an Dritte, über die wir bereits vergangene Woche berichtet haben. Der Brief wurde zuerst bei spiegel.de veröffentlich, ist dort aber nicht mehr abrufbar. Die FTD hat ihn allerdings noch auf ihrer Seite. Was denkt ihr zu diesem Thema?

Sehr geehrter Herr Zuckerberg,
mit großer Verwunderung habe ich gesehen, dass “Facebook” ungeachtet der Bedenken von Nutzern und massiver Kritik von Verbraucherschützern den Datenschutz im Netzwerk weiter lockern möchte. Wie es in Ihrer aktuellen Datenschutzrichtlinie heißt, sollen künftig Nutzerdaten automatisch an Dritte weitergegeben werden. Dabei soll es sich um vorab überprüfte Website- und Applikationen-Betreiber handeln. Wer dies nicht möchte, muss selbst tätig werden und aktiv die Opt-Out-Funktion benutzen.
Ich nutze jeden Tag, beruflich wie privat, das Internet, und bin Mitglied in mehreren sozialen Netzwerken, darunter auch bei Facebook. Soziale Netzwerke sind eine Bereicherung und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Gerade weil Netzwerke wie Facebook Millionen von Menschen über Ländergrenzen hinweg miteinander vernetzen, muss der Schutz der Privatsphäre einen hohen Stellenwert haben.
Wie Sie wissen, setze ich mich als Bundesverbraucherministerin mit Nachdruck dafür ein, dass der Schutz personenbezogener Daten im Internet gewährleistet wird. Privates muss privat bleiben – ich denke, ich spreche hier für viele Internet-Nutzer. Leider achtet Facebook diesen Wunsch nicht, was auch durch die jüngste Studie der “Stiftung Warentest” belegt wurde. Facebook schneidet hier schlecht ab. Im Umgang mit Benutzerdaten und bei Nutzerrechten ist jeweils die Note “mangelhaft” vergeben worden. Bei der Datensicherheit hat sich Facebook nicht in die Karten blicken lassen – dafür gab es ebenfalls die Note 5.
Umso erstaunlicher ist es, dass Facebook nicht gewillt ist, die bestehenden Mängel im Datenschutz abzustellen, sondern stattdessen noch weitergehende Eingriffe vornimmt. Mit solchen Entscheidungen kann ein Unternehmen auf Dauer kein Vertrauen gewinnen.
Ich erwarte von Facebook, die Datenschutzrichtlinie umgehend zu überarbeiten.
• Facebook muss sicherstellen, dass die persönlichen Daten aller Mitglieder umfassend geschützt werden.
• Geplante Änderungen der Nutzungsbedingungen müssen allen Mitgliedern klar und deutlich bereits vor jeder Änderung mitgeteilt werden.
• Grundsätzlich dürfen persönliche Daten nicht ohne Einwilligung automatisch an Dritte zu kommerziellen Zwecken weitergeleitet werden. Eine Weiterleitung und Kommerzialisierung privater Daten darf nur mit Zustimmung der betroffenen Personen erfolgen. Gerade weil besonders jungen Nutzern meist nicht bewusst ist, dass ihre persönlichen Profile zu kommerziellen Zwecken genutzt werden sollen, kommt Unternehmen wie Facebook eine besondere Verantwortung zu.
Sollte Facebook nicht bereit sein, seine Firmenpolitik zu ändern und die eklatanten Missstände zu beheben, sehe ich mich gezwungen, meine Mitgliedschaft zu beenden.

Mit freundlichen Grüßen

Ilse Aigner


2 Kommentare

  1. Datenschutz ist ein heikles Thema, die Grenzen beim Datenschutz zu setzen umso mehr. Wo beginnt Datenschutz, wo hört er auf? Was sind schützenswerte Daten? Meiner Meinung nach bietet Facebook über die Privatsphäreeinstellungen gute Schutzmöglichkeiten. Mit der Weitergabe von Daten habe ich keine wirklichen Probleme, solange ich bestimmen kann, welche Daten weitergegeben werden. Werden z.B. Daten über das Alter und das Geschlecht an eine Drittwebsite weitergegeben und ich erhalte beim Besuch der Drittwebsite entsprechende Inhalte, die meinem Geschlecht und meinem Alter entsprechen, sehe ich den Komfort höher gewichtet als den eigentlichen Datenschutz. Betrachtet man beispielsweise die Daten von GoogleAdPlanner (Tool zur Online Marketing), sehe ich dort, wie viele Personen von welchem Geschlecht und von welcher Altersgruppe auf der analysierten Website zu finden sind – woher diese Daten genau stammen, ist nirgends beschrieben – gemäss dem Beschrieb sind dies Schätzungen. Wenn ich also sehe, was Google angeblich weiss und wahrscheinlich auf Grund von Surfgewohnheiten ermittelt, sehe ich das Ganze Thema Datensicherheit bereits wieder aus einem anderen Blickwinkel. Grundsätzlich steht es dem Benutzer frei, ob er Facebook nutzt oder eben nicht, dh. die Aufklärung muss bereits früher passieren.

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