Facebook will die Nutzungsbedingungen ändern und keinen interessiert es – außer die Deutschen…

Facebook will seine Nutzungsbedingungen aktualisieren und eigentlich interessiert es niemanden. Also wirklich fast niemanden. Aber Moment es regt sich Widerstand! Es sieht tatsächlich so aus als ob wir hier in Deutschland die Einzigen sind die damit ein wirklich großes Problem haben. Das ist nicht nur ein persönlichen Gefühl sondern spiegelt sich auch in Zahlen wieder.
Jeder Nutzer ist dazu aufgerufen, auf der relativ unbekannten Facebook Seite “Facebook Site Governance” (2 Mio Fans), sein Feedback einzureichen. Dafür hat Facebook die neuen Regeln in 10 Spachen übersetzt, einzeln eingestellt und alle 2 Millionen Fans auch via E-Mail informiert. Ich hab das rein quantitative Feedback zusammen gefasst und ausgewertet. Die Überraschung: 97% der Interaktionen (Comments + Likes + Shares) kommen auf die deutschsprachige Fassung.
Anders ausgedrückt: Eine Sprachregion die etwa 3,5% der Facebook Nutzer stellt (auf Basis DACH) sorgt für über 36.000 Kommentare während auf die Version in Englisch nur etwas über 500 Kommentare entstanden sind.
Die Regeln sind allerdings für alle gleich und für unsere Region ändert sich im speziellen nicht. Der Zusatz speziell für Deutschland wurde leider im neuen Dokument nicht verlinkt (wie alle Erweiterungen nicht verlinkt wurden), wird aber auch nicht geändert und ist zudem bereits über ein Jahr alt.
Die Kritikpunkte der (zumeist deutschen) Datenschützer und (zumeist deutschen) Medien ist:
- Herr Zuckerberg stellt Regeln in seinem Land auf wie es ihm gefällt
- Die Mitbestimmung an den Richtlinien wird dem Nutzer nur vorgespielt
- Facebook sichert sich das Recht zukünftige Änderungen in den Terms vornehmen zu können, ohne den Nutzer explizit darüber zu informieren
- Anwendungen eines Nutzer können auf die Daten der Freunde zugreifen
Die Kritikpunkte sind mitunter natürlich gerechtfertigt. Die ganze Aktion zeigt aber auch wie groß “das Deutsche Problem” mit Facebook ist und wie viel Aufregung erzeugt wird. Ein kurzer Blick in die deutschsprachigen Medien zeigt wie unglaublich Groß die Änderungen an den AGBs sein sollen, schaut man aber in die Details so wird mit den Änderungen nur etwas verdeutlich was eigentlich schon Standard ist (was es natürlich nicht besser macht).
(…) Auf den ersten Blick, ohne Kenntnisse der Funktionen und Funktionsweisen einzelner Komponenten in Facebook, scheint dies zu stimmen, allerdings handelt es sich meiner Meinung nach bei den Änderungen um Verdeutlichungen bereits existierender Gegebenheiten. Interessanterweise stören sich die darin zitierten Datenschützer mehr an der Vorgehensweise wie Facebook neue Nutzungsbedingungen einführt und wie darüber diskutiert werden kann, als an den eigentlichen Änderungen. Allerdings war es in der Vergangenheit bei Facebook (und bei anderen grossen Plattformen und Anbietern wie z.B. Google) auch so, dass der Benutzer informiert wurde, dass Nutzungsbedingungen ändern. Anschliessend machte ein Hinweistext auf die geänderten Nutzungsbedingungen aufmerksam, die Änderungen mussten daraufhin akzeptiert werden. (…)
Dank der regen Beteiligung aus Deutschland wird Facebook nun mehrere Vorschläge zu den kommenden Änderungen machen müssen. Die letztendliche Wahl liegt aber bei Facebook. Dass Facebook klamm und heimlich Änderungen an den AGB durchführen wird, ist bei der öffentlichen Aufmerksamkeit auch in Zukunft unwahrscheinlich. Wie auch in der Vergangenheit werden in Zukunft bei Änderungen alle Nutzer darüber Informiert.
Was bleibt ist die über Monate hinweg aufgebaute Angst und Verunsicherung im Bezug auf Facebook. Vielleicht ist in Zukunft ja auch dieser Abschnitt eine Lösung für “das Deutsche Problem”:
“Einige bzw. alle Dienste und Funktionen von Facebook stehen Nutzern in bestimmten geografischen Regionen eventuell nicht zur Verfügung. Wir behalten uns das Recht vor, die Bereitstellung von Diensten bzw. Funktionen nach unserem alleinigen Ermessen auszuschließen bzw. einzuschränken.”

Über den Autor:
Philipp Roth: Philipp ist Gründer von allfacebook.de und beschäftigt sich seit langem auch beruflich mit Facebook, organisiert Workshops, hält Vorträge und gibt konzeptionellen Input. Er realisiert viele der heute sehr erfolgreichen Auftritte und Applikationen auf Facebook und setzt seinen Fokus auf die Strategie von Unternehmen im Social Web. - Philipproth.com - Über AllFacebook.de
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