Facebook Gesichtserkennung – Gerechtfertigter Skandal oder viel Wind um nichts?

Facebook Gesichtserkennung – Gerechtfertigter Skandal oder viel Wind um nichts?


Facebook Gesichtserkennung

Facebook Gesichtserkennung

Die Gesichtserkennung auf Facebook hat in den letzten Tagen für einiges an Aufmerksamkeit gesorgt. Bisher sind wir auf das Thema hier im Blog aber nicht eingegangen, da wir uns ja dem Facebook Marketing verschrieben haben und es im Moment nur wenige Überschneidungen hiermit gibt. Nachdem wir nun aber doch einige Mails und Nachfragen zu diesem Thema erhalten haben, möchten wir die Gesichtserkennung nun doch hier im Blog behandeln.

Vorab: Selbst wir sind bei dem Thema zwiegespalten. Einerseits sind wir Facebook doch erkennbar positiver gegenüber eingestellt als die meisten klassischen Deutschen Medien. Anderseits wissen auch wir, dass nicht alles was technisch möglich ist auch unbedingt umgesetzt werden muss. Dabei finden wir weniger das aktuelle Gesichtserkennungsfeature wirklich schlimm, sondern viel mehr die Tatsache, dass hier natürlich Stück für Stück die Grenzen der Nutzertoleranz ausgetestet werden. Ein Prozess der nun bereits seit einigen Jahren so läuft.

Das Feature an sich tut derzeit nicht viel mehr als beim Upload neuer Fotos die Gesichter der Freunde zu erkennen. Das Feature ist auf den Freundeskreis eingeschränkt, heißt also dass keine Unbekannten erkannt werden die außerhalb des Freundeskreis sind. All dies im Moment  auch nur beim Upload von neuen Fotos, bei alten Fotos passiert vorerst nichts. Wer im eigenen Freundkreis auf Facebook ist bestimmt jeder Nutzer für sich selbst. Aber natürlich schleicht sich das Feature wie von Facebook gewohnt relativ heimlich ein und auch nur per Opt-Out. Das bedeutet jeder Nutzer nimmt erst einmal daran teil, bis er diese Funktion bewusst abschaltet. Dieses nicht ganz optimale Vorgehen hat Facebook inzwischen auch selbst als Fehler erkennt. Kritisch ist zudem, dass selbst nach dem Deaktivieren der Funktion die bereits gesammelten Daten nicht automatisch gelöscht werden.

Aber: Externe Anbieter wie „Face.com“ integrieren ein Tool mit dem automatisch Gesichter auf Facebook erkannt werden schon seit 2009 (!), und in einem viel umfassender Ausmaß. So können dort die Fotos wieder gefunden werden, auf denen Freunde sich nicht getaggt haben. Es gibt einen automatischen Prozess, der über neue Fotos berichtet und es werden nicht nur die eigenen Fotos sondern auch die Fotoalben der Freunde durchsucht. Eigentlich ist die aktuelle Integration von Facebook dagegen Kindergarten, aber die Face.com Integration ist eben nicht automatisch für alle da. Aber auch hier gilt, einen wirklichen Opt-Out gibt es nicht. Wenn ein Freund die App nutzt ist man selbst quasi mit an Bord. Dennoch, nur weil es auch andere anbieten, heißt dies nicht das es auch wirklich gerechtfertigt ist…

In Deutschland dominiert die kritische Berichterstattung, weil natürlich bei den Keywords „Gesichtserkennung“ + „Facebook“ auch bei uns die Alarmglocken läuten. Nachdem nun auch die EU das Feature und den automatischen Opt-In kritisch prüft fragt sich das bekannte Wirtschaftsblatt Forbes aus den USA bereits ob man sich den Skandal nicht für wirkliche Privatsphäre Verstöße vorbehalten will.

Argumentiert wird bei den Berichten, die dem Feature nicht negativ gegenüber eingestellt sind, dass die Funktion eigentlich nicht viel mehr macht als das Fototagging zu erleichtern. Genauso kommuniziert übrigens auch Facebook die Einführung. Die Technology Liberation Front geht sogar soweit und sagt das es in Wirklichkeit „Pro-Privatsphäre“ ist. Verargumentiert wird dies mit der Tatsache, dass die Nutzer dann wenigsten darüber informiert werden wenn ein Bild von ihnen hochgeladen wird. So bleibt wenigstens die Chance Freunde und Bekannte darauf aufmerksam zu machen, dass man ein Foto von sich nicht gerne im Internet sehen will.

Berichtet haben u.a. diese Medien:

Wir persönlich finden das Feature, so wie es aktuell eingesetzt wird wie oben erwähnt weniger dramatisch. Viel wichtiger als den kurzzeitigen Aufschrei finden wir es langfristig darauf zu achten, dass hier nicht Stück für Stück der Schutz der eigenen Daten gegenüber Facebook untergraben wird. Deaktivieren könnt ihr die Gesichtserkennung übrigens unter Privacy > Benutzerdefiniert > Freunden Fotos von mir vorschlagen.

Wie steht ihr zum neuen Feature? Evil und Creepy, oder doch eher neutral und nützlich?

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Es gibt 15 Kommentare

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  1. 2
    Michael Oeser

    Wie so oft ist es weniger die Funktion, als die Art und Weise. Ich will schon selbst entscheiden, was ich zulasse und was nicht und darüber setzt sich FB durch seine „Auto-Opt-In Politik“ leider immer wieder hinweg.

  2. 4
    Sven

    Ehrlich gesagt, so schlimm finde ich das Feature jetzt auch nicht und denke ähnlich: eine schleichende Unterwanderung der privaten Daten sollte argwöhnisch im Auge behalten werden.

    Was mich dagegen stört ist, dass solche Änderungen klammheimlich eingeführt werden. Das gibt zu denken, was sonst noch so im Hintergrund passiert, wenn ich in meinem Profil eingeloggt bin…

  3. 7
    Jan-Philipp

    Aufregen sollte nicht die Technik – denn da hätte man sich besser bereits vor vielen Jahren empört. Die heimliche Einführung und das automatische Opt-In sind die wahren Knackpunkte!

    Zuerst aber ist es wichtig, dass wir hier korrekt von Gesichtsidentifizierung (!!!) sprechen, und nicht bloßer -Erkennung; schließlich schlägt einem Facebook auch korrekte Namen vor, erkennt also nicht bloß, dass es ein Gesicht gibt, sondern identifiziert es. Für Laien mag beides gleich dramatisch klingen, ist es aber eben nicht.

    Wie bereits erwähnt, verwerflich ist es jeden Nutzer automatisch Einzubeziehen, und das heimlich – es muss also der Nutzer aktiv werden, erst einmal das Feature entdecken, um es dann manuell zu deaktivieren. Sowas ist sicherlich nicht im Sinne des Erfinders; vor solch einer Verarbeitung muss ich als Nutzer dem Zustimmen. Ausdrücklich. Punkt.

    @Corporate Cloud: Ich möchte hier nicht Distopien anfeuern, aber wieso sollte eine Regierung davon „träumen“, sich der biometrischen Daten zu bedienen? Gesichtsidentifizierung gibt es, entsprechende Datenbestände ebenfalls – und zur Not kann bereits jetzt legal auf die öffentlichen Profildaten zugegriffen werden (beispielsweise Profilbild und -name; mehr braucht man oft zur eindeutigen Identifizierung nicht). Ausgeträumt, jetzt ist Realität angesagt.

    Weil sich das jetzt schrecklich negativ anhören mag: Auch ich bin auf Facebook, habe Profilfoto und ähnliches. Die automatische Gesichtsidentifizierung habe ich allerdings deaktiviert – zumindest auf Facebook. Gutgläubig wie ich bin vertraue ich nun darauf, dass sie ausgeschaltet ist…

  4. 8
    TIM

    Bereits gesammelte Daten automatisch löschen?

    In der Hilfe gibt’s wohl doch die Möglichkeit die bisher gespeicherten Informationen zur automatischen Gesichtserkennung rückwirkend löschen zu lassen:

    http://www.facebook.com/help/?page=1194

    Frage: Wie kann ich die Zusammenfassung der über mich für Markierungsvorschläge gespeicherten Informationen löschen?

    Dann wird per Klick auf „uns kontaktieren“ direkt eine Nachricht an Facebook versandt, mit dem Betreff: „Antrag auf Löschung von Informationen zu Fotoabgleichungen“ und dem Inhalt: „Bitte entferne alle zusammengefassten Informationen zu Fotos, die mit meinem Konto verknüpft sind und für Fotovorschläge verwenden werden können.“.
    Der Prozess wird per E-Mail umgehend von Facebook bestätigt.

  5. 9
    pManuel

    Ich finde es überhaupt nicht gut, da ich zum Beispiel mehrere Bilder nicht mit mir verlinkt haben. Diese Funktion ist zwar abstellbar aber geht mir das in gewisser Weise zu weit.

  6. 11
    Alexander

    An sich ist die Gesichtserkennung für den einen oder anderen sehr nützlich.

    Mein Problem ist, dass Facebook seine Features gerne heimlich und ohne die Einwilligung des Users einführt.

    Der User wird obendrauf dazu verdonnert, sich von diesem Feature über lästiges Ändern der Einstellungen selbst zu befreien.

    Das Verhalten von Facebook ist nicht gerade sehr nutzerfreundlich!

  7. 12
    manja

    Wie schon in den meisten anderen Kommentaren zu lesen, ist es die „Axt-im-Walde-Strategie“ von Facebook, die wie immer für Ärger sorgt. Selbst wenn die irgendwann mal was Sinnvolles einführen (wofür ich die automatische Gesichtserkennung nicht halte), werden die User erst mal verhalten sein, weil sie schon so vieles von Facebook „vorgesetzt“ bekommen haben.
    Mit gutem Marketing hat das nichts zu tun.

  8. 13
    Stefan K

    Neben der Kritik am Opt-Out Verfahren bleibt es für mich bedenklich, dass facebook sich so eine riesige Datenbank für die Gesichterkennung aufbaut. Denn auch wenn ich nur Vorschläge für meine Freunde bekomme, fb selbst kann irgendwann jedes seiner Mitglieder per Gesicht identifizieren. Das wird Begehrlichkeiten wecken und wenn es nur facebook selber ist, das in den Genuss dieser Datenbank kommt. Schon heute prangt auf vielen Webseiten mein Konterfei mit der Aufforderung ich möge doch den „Gefällt mir“-Button drücken. Schon bald betrete ich den Supermarkt und dessen Videokamera schickt einen Geotag an facebook oder was? Ich finde es naiv, nur die Frage zu stellen, was kann dieses einzelne Feature denn schon groß bewerkstelligen, sondern sich eher zu überlegen, was kann in Kombination mit anderen Dingen in Zukunft damit alles angestellt werden. Just my 2 cent.

  9. 15
    Dora

    @Seba
    Und das hätte welchen Unterschied gemacht? Letztendlich mal wieder keinen, genauso wie Opt Out oder nicht – an die oft prophezeite Nutzerwanderung nach einem Skandel / Sturm im Wasserglas glaub doch keiner mehr…

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