Das hat noch gefehlt: Schufa will Facebook Daten nutzen?!

Das hat noch gefehlt: Schufa will Facebook Daten nutzen?!


kallejipp / photocase.com

Die neusten Schlagzeilen laufen gerade durchs Web:

Die Schufa hat laut eigenen Aussagen bereits Daten von über 66 Millionen Verbrauchern in Deutschland und will nun auch andere Datenquellen im Internet anzapfen. Ein großer Punkt auf der Liste: Facebook. Durch Crawling-Technologien sollen Daten gewonnen werden welche dann mit vorhandenen Schufa-Daten verknüpft werden. Die neue Anreicherung der Daten soll dann unter anderem dazu genutzt um sie “aus Business-Sicht zu bewerten”. An dieser Idee arbeitet die Schufa in einem “SCHUFALab@HPI” beim Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI). Aber mal einen Schritt zurück…

Ein bisschen Facebook Aufklärung von uns:

  • Bekommt die Schufa einfach so Facebook Daten? Nein. Zuerst einmal könnte die Schufa nur auf öffentliche Daten zugreifen. Welche Daten im eigenen Account öffentlich sind bestimmt jeder Nutzer selbst, zumeist ist dies nur der eigene Name und einige wenige Profilinformationen. Ohne zusätzliche Genehmigung vom Nutzer selbst (nicht von Facebook) kommt die Schufa an keine weitere Daten. (Ergänzung: Selbst die öffentlichen Daten darf die Schufa nicht nutzen da “crawling” nicht erlaubt ist, s.u.)
  • Wie kommt die Schufa an solch eine Genehmigung? Nur über eine eigene Anwendung die der Nutzer immer selbst freigeben muss. Dann würde die Schufa, je nach Datenabfrage, Zugriff auf die unterschiedlichsten Facebook Daten erhalten. Einziger Haken: Wo genau bleibt der Mehrwert für den Nutzer? Denn ohne diesen Mehrwert stimmen wohl die wenigsten dieser Datenabfrage zu. Aus der Erfahrung heraus sind (leider) viele Nutzer schon bei der Chance auf ein iPad ziemlich offen bei diesen Abfragen.
  • Ist Facebook selbst da irgendwo beteiligt? Nein. Alles die tolle Idee der Schufa.
  • (Nachtrag 07.06.12 – 14.45) Darf die Schufa Facebook Daten crawlen? Nein. Punkt 3.2 der Facebook Terms verbietet dies eindeutig: “Du wirst mittels automatisierter Mechanismen (wie Bots, Roboter, Spider oder Scraper) keine Inhalte oder Informationen von Nutzern erfassen oder auf andere Art auf Facebook zugreifen”

Was genau hat die Schufa vor?

Die Ideen aus dem HPI Lab hat NDR im Detail veröffentlicht:  

Welche Ziele hat die Zusammenarbeit mit dem IT-Institut?
“In dem Schufa-Lab soll die Innovationskraft und Kreativität sowie die technische Expertise des HPI mit der Business-Expertise und den fachlich kreativen Anforderungen von Schufa partnerschaftlich verbunden werden. Aus dem Web generierte Informationen werden durch Schufa mit anderen Informationen verknüpft und aus Business-Sicht bewertet. Auf diesem Weg soll ein Pool von aus dem Internet generierten und regelmäßig aktualisierten Informationen entstehen, der von Schufa für existierende und künftige Produkte und Services eingesetzt werden soll.”

 

Wonach wollen Schufa und Hasso-Plattner-Institut bei Facebook suchen?
Explizite Datensammlung in Sozialen Netzwerken
Bildung von Facebook/Xing/Twitter-Profilen
Aufforderung zum “joinen” mit danach impliziter Auslesung von Adressen und insbesondere Adressänderungen
Suche und Bewertung von Personen- bzw. Kontaktverknüpfungen (z.B. Xing, Facebook …)
Experimente am HPI nur beschränkt möglich; evtl. unter anderem account-Namen
Es werden Chancen und Bedrohungen der Schufa identifiziert und gemeinsam mit der Schufa bewertet
Weitere “Projektideen” von Schufa und Hasso-Plattner-Institut

 

Welche Informationen können aus “nicht-öffentlichen Quellen” (dark web) gezogen werden?
Generierung von elektronischen Identifizierungsdaten (e-mail-Adressen, e-Postbriefadresse, facebook-ID …)
Relationship Extraction, um Beziehungen zwischen Entitäten zu gewinnen (Person/Person; Person/Unternehmen; Unternehmen/Unternehmen). Mögliche Quellen: Nachrichten, Blogs, Wikipedia, soziale Netzwerke …
VIP-Identifikation: Automatisierte Identifikation von Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützern und Journalisten
Ad-hoc-Sentiment Analyse für Personen: Spezialisierte Personensuche, die neben strukturierten Informationen auch zuvor gesammelten Textdaten sowie ad-hoc-angefragte Textdaten nutz, um ein aktuelles Meinungsbild zu der Person zu ermitteln. Mögliche Quellen: Blogs, Twitter, Nachrichtenseiten, Unternehmenshomepage, Aktienkurs …
Jeweils Korrelationen zur Bonität untersuchen

Das liest sich dann doch ganz “lustig”. Das man, wie wir oben bereits erwähnt haben, ohne Autorisierung (hier “joinen” ) kaum an Daten kommt ist diesem Projekt durchaus klar. Damit man diese bekommt muss man “evtl. unter anderem account-Namen” aktiv werden. Nicht verwunderlich, dass sich der selbsterklärte Facebook-Gegner Thilo Weichert beim NDR kritisch äußert: “Hinter einem solchen Forschungsprojekt steckt immer eine Absicht. Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension.”

Für weitere Details können wir euch den Artikel beim NDR empfehlen.  

Bild: kallejipp / photocase.com 

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Es gibt 5 Kommentare

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    Social Media und PR-Rückblick

    […] Diese Woche sorgte Schufa für den größten Skandal im Web – der Dienst mit den Daten von 66 Millionen Verbrauchern in Deutschland möchte nun auch Facebook anpeilen, um noch mehr über uns zu wissen. Wer sich ein wenig mit Facebook auskennt, wird als erstes denken – wie soll das denn bitte ohne Zustimmung von Facebook und dem Nutzer gehen? Und dieser Gedanke geht schon in die richtige Richtung. Die Dreistigkeit des Vorhabens ist natürlich nicht wegzureden und die ganze Aufregung ist mehr als verständlich. Wer ein besseres Bild vom Ganzen machen möchte, liest die Aufklärung von allfacebook.de. […]

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    […] Damit sind Informationen aus dem Internet immer dann als öffentlich zugänglich zu qualifizieren, wenn diese zulässigerweise als für jedermann zugängliche Daten im World-Wide-Web verfügbar gemacht worden sind. Informationen, die nur unter gewissen Einschränkungen verfügbar sind, z.B. weil diese nur von angemeldeten Nutzern eines Sozialen Netzwerkes eingesehen werden können, sind hingegen wohl nicht als öffentlich zugänglich zu werten (siehe ergänzend dazu auch “Das hat gerade noch gefehlt – SCHUFA will Facebook Daten nutzen !?” ). […]

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