36 mal Emotion pur: Die Vereine der ersten und zweiten Bundesliga auf Facebook

36 mal Emotion pur: Die Vereine der ersten und zweiten Bundesliga auf Facebook


– Gastbeitrag von Hendrik Harbeck – 

Die 36 Vereine der ersten und zweiten Deutschen Fußball Bundesliga liefern sich nicht nur auf dem Rasen an jedem Wochenende spannende Partien um den Titel. Längst ist Facebook ein interessanter Nebenspielplatz geworden, auf dem fast alle Proficlubs offiziell vertreten sind und sich täglich um die Gunst ihrer Fans bemühen.

Wie sehen die Vorteile und Nachteile eines Facebook Engagements für die Vereine aus?

  1. Wandel der Öffentlichkeitsarbeit
    Gäbe es die Geschichten der Presse hinter den Kulissen über Transfers, Trainerentlassungen oder Streitereien nicht, wäre die Bundesliga für viele nicht so interessant. Sportjournalisten bekommen durch die Facebook Präsenzen und die öffentlichen Meldungen der Clubs jetzt starke Konkurrenz. Den Vereinen bietet sich die Möglichkeit, ihren Fans kurz Bescheid zu geben, statt eine Pressekonferenz zu organisieren. Interpretiert ein Journalist eine Meldung falsch, lässt sich das nun schneller klarstellen. Um so wichtiger wird es für Journalisten werden, sich die Story zu holen, die gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht war, denn in diesem Bereich sind Fans und Presse weiterhin stark aufeinander angewiesen.
  2. Fans erreichen und kennen lernen
    Bisher konnten die Vereine die Zahl an Sympathisanten nur schätzen, insbesondere derer, die nie das Heimatstadion des Clubs zu einem Spiel live besucht haben. Wieviele das sind, und inwieweit sie sich von den Fans vor Ort unterscheiden, wird durch die Fanpage Insights besser sichtbar.
  3. Merchandising und eigene Spieler
    Nehmen wir an, ein kleiner Verein aus dem Süden Deutschlands erfährt durch die Demographie seiner Facebook Fans, dass überraschend viele in einer bestimmten nördlichen Stadt wohnen. Dann wäre das zumindest die Überlegung wert, in diese Stadt mehr Fanartikel zu liefern und durch den Filter für Statusmeldungen, kann man exakt diesen Fans sagen, wo in ihrer Stadt sie diese Artikel künftig finden, ohne dass die Fans aus anderen Städten von dieser Meldung gestört werden. Die Verkaufschance von Merchandise Artikeln direkt über Facebook versteht sich von selbst. Zudem haben mehrere Spieler eigene Fanpages über die man das Potential für den Druck entsprechender Trikots planen könnte.
  4. Ticketverkauf und Kooperationen
    Kleinste Details werden heutzutage in deutschen Fußball Arenen für Werbung ausgeschöpft, in denen es früher nur die Werbebanden am Spielfeldrand gab. Ausrüster, Brauereien und Sponsoren werden sich wohl erst langsam bewusst, wieviel Reichweite die Bundesligavereine auf Facebook für Markenbotschaften bisher brach liegen lassen. Allein ein direkter Facebook Ticketverkauf könnte nach abgeschlossenem Kaufprozess jedes Mal eine Verlinkung zur Fanpage eines Kooperationspartners oder sonstige weitere Angebote offerieren.

Welche Fanpages sind seit wann aktiv?

Praktisch alle Fanpages der Bundesligisten wurden ursprünglich von Fans gegründet. Später übernahmen viele Vereine bestehende Pages oder gründeten zusätzlich eine eigene offizielle Page. Der Übernahmeprozess ist eine sensible Angelegenheit. Ein bekanntes Beispiel aus diesem Jahr, war die Übernahme der Page des FC Schalke 04 mit mehreren hundertausend Fans. Auf Google+ waren einige Vereine, wie der HSV und Bayern Münchenhingegen sofort zur Stelle, um sich offiziell einzurichten. Auf Google+ war der HSV hingegen sofort zur Stelle, um sich offiziell einzurichten.

 

Die drei ältesten und jüngsten Facebook Pages von Bundesligavereinen
Datum Verein Tage aktiv Schnitt Fans/Tag
11.03.2008 Eintracht Frankfurt 1,349 109
04.05.2008 Fortuna Düsseldorf 1,295 41
04.10.2008 Eintracht Braunschweig 1,212 19
Datum Verein Tage aktiv Schnitt Fans/Tag
31.03.2011 SC Freiburg 234 171
12.05.2011 Alemannia Aachen 192 30
01.07.2011 SC Paderborn 07 142 12

Inoffizielle Fanpages

Ein Proficlub der ersten beiden deutschen Spielklassen ist noch nicht offiziell auf Facebook vertreten. Dabei handelt es sich um Dynamo Dresden. In den folgenden Übersichten wurde daher die Fanpage mit dem offiziellsten Anstrich eingesetzt, aber als inoffiziell markiert. Freundlicherweise war ein Vertreter des Vereins bereit, Auskünfte über die weiteren Planungen abzugeben.

Holger Scholze, Abteilungsleiter Medien & Kommunikation bei Dynamo Dresden, erklärte im Oktober 2011, man erarbeite gerade ein neues Internet-Konzept. Bis zur Fertigstellung der neuen Website und den damit verbundenen neuen Aktivitäten im Netz würden noch einige Monate vergehen, aber, im neuen Konzept „(werden) die Sozialen Netzwerke natürlich auch eine Rolle spielen.“

Hansa Rostock hingegen hatte seine Fanpage nicht absolut eindeutig als offiziell kenntlich gemacht. Lorenz Kubitz, Leiter Medien & Kommunikation bei Hansa Rostock, bestätigte jedoch, dass die gefundene Fanpage offiziell betrieben werde. Allerdings möchte man die Fanpage künftig gern mit einer weiteren inoffiziellen Fanpage zusammenführen, die aktuell etwa doppelt so viele Fans aufweist. „Beide Seiten wurden von Fans aufgebaut und sollen in der Zukunft als eine „offizielle“ Facebook-Seite weitergeführt werden.“

Die aktuellen Tabellen der Bundesligisten auf Facebook

So sieht die Rangliste der höchsten deutschen Spielklasse aus. Am dritten Spieltag wurden in diesem Artikel bereits die Fanzahlen gemessen, die Veränderungen entsprechen somit einem Zeitraum von fast genau drei Monaten.

1. Bundesliga mit Veränderungen der letzten drei Monate
Nr. Name Fananzahl Seit 3. Spieltag In Prozent
1 FC Bayern München 2.476.952 513.823 20,7%
2 Borussia Dortmund 654.730 130.677 20,0%
3 FC Schalke 04 367.008 51.305 14,0%
4 Werder Bremen 315.677 36.436 11,5%
5 HSV 291.409 54.168 18,6%
6 1. FC Köln 255.382 21.725 8,5%
7 VfB Stuttgart 1893 e.V. 219.745 18.684 8,5%
8 Hannover 96 124.989 20.061 16,1%
9 1. FC Nürnberg 118.487 9.043 7,6%
10 Hertha BSC 102.934 10.553 10,3%
11 Borussia Mönchengladbach 81.852 14.149 17,3%
12 1. FC Kaiserslautern 80.224 7.858 9,8%
13 Bayer 04 Leverkusen 73.201 9.480 13,0%
14 VfL Wolfsburg 51.737 5.593 10,8%
15 SC Freiburg 44.419 4.487 10,1%
16 FC Augsburg 43.206 18.264 42,3%
17 1. FSV Mainz 05 42.104 2.260 5,4%
18 TSG 1899 Hoffenheim 38.317 4.456 11,6%
Gesamt 5.382.373 933.022

So sieht die Tabelle der 2. Bundesliga auf Facebook aus:

2. Bundesliga mit Veränderungen der letzten drei Monate
Nr. Name Fananzahl Seit 3. Spieltag In Prozent
1 FC St. Pauli 244.454 14.669 6,0%
2 Eintracht Frankfurt 157.693 10.551 6,7%
3 Fortuna Düsseldorf 62.861 9.398 15,0%
4 TSV 1860 München 43.909 6.469 14,7%
5 Karlsruher SC 32.500 2.037 6,3%
6 Eintracht Braunschweig 27.762 4.418 15,9%
7 VfL Bochum 1848 19.877 2.509 12,6%
8 1. FC Union Berlin 16.355 2.228 13,6%
9 MSV Duisburg 15.190 1.581 10,4%
10 FC Ingolstadt 04 10.427 1.430 13,7%
11 FC Erzgebirge Aue 9.845 1.158 11,8%
12 FC Energie Cottbus 9.186 1.637 17,8%
13 FC Hansa Rostock 8.662 980 11,3%
14 Alemannia Aachen 7.257 1.549 21,3%
15 SpVgg Greuther Fürth 5.312 1.239 23,3%
16 FSV Frankfurt 1899 e.V. 5.205 366 7,0%
17 Dynamo Dresden (inoffiziell) 4.307 1.363 31,6%
18 SC Paderborn 07 2.681 1.015 37,9%
Gesamt 683.483 64.597

Allgemein kann man feststellen, dass Bundesligavereine auch auf Facebook wesentlich mehr Zugkraft haben, als Zweitligisten. Dennoch können Kult- und Traditionsvereine, wie St. Pauli, Eintracht Frankfurt, Fortuna Düsseldorf und 1860 München erstklassig mithalten. Bayern und der BVB spielen in einer ganz anderen Liga.

Teams, die gerade um die Top Positionen der Bundesliga spielen, scheinen zumindest ein wenig mehr in den vergangenen Monaten von ihren guten Leistungen profitiert zu haben. Das Überraschungsteam aus Gladbach hat zumindest den Sprung vor Kaiserslautern geschafft. Dem FC Augsburg schlug nach dem Aufstieg augenscheinlich auch eine große Sympathiewelle entgegen. Trotzdem sieht es so aus, als ob sich die Fanzahlen der Vereine gegenwärtig noch am meisten durch vernetzte Kommunikationsmaßnahmen entwickeln.

Abschließend werfen wir noch einen Blick auf Europa und die Champions League Teilnehmer. Dazu gab es am 16. September 2011 eine schöne Infografik, in der man sieht, dass die deutschen Vereine sich eher im Mittelfeld bewegen, was die Fanzahlen angeht.

Quelle: divia.de Champions League Infografik

An der Page von Bayer 04 Leverkusen sieht man sehr schön, dass die Champions League Teilnahme nicht generell zu einem außergewöhnlichen Fan Wachstum führt. Selbst für Bundesliga Verhältnisse steht man nicht viel besser da, sondern fast auf einer Stufe mit Mainz, Freiburg und Hoffenheim. Wahrscheinlich müssten für einen echten Champions League Bonus bis zum Ende der Saison international noch einige Top Leistungen erbracht werden.

Eine Fahrstuhlmannschaft, wie St. Pauli, zeigt wiederum klar, dass man von gutem Image und Merchandising stärker profitieren kann, als von herausragenden sportlichen Leistungen. Eher enttäuschende Leistungen, wie zuletzt beim FSV Mainz 05, könnten trotzdem Grund genug für geringe Fanzuwächse sein.

Ausblick

Die Entwicklungen seit Beginn der Saison lassen erwarten, dass die Vereine noch einiges aus ihrem Facebook Engagement heraus holen können. Gerade am Ende der Saison sollten wieder spannende Wendungen für weiteren Anschub sorgen, egal, ob durch Pokalfights oder eine kaum für möglich gehaltene Rettung in letzter Minute.

Eines könnten die Vereine in Zukunft vielleicht stärker bedenken: Sie sollten die Stärken von Facebook nutzen, um sich innerhalb des Netzwerks bekannter zu machen und nicht nur eine Verlängerung des Vereinsheftes spielen.

Stimmungsvolle Profilbilder haben die meisten, aber echte Empfehlungen für einen optisch und technisch gelungenen Facebook Auftritt findet man bei:

Viele Vereine, unter anderem Hertha BSC und Wolfsburg, müssen sich dringend Gedanken über eine Erneuerung der FBML Reiter bzw. Einführung von HTTPS machen. Die übrigens sehr gute Idee eines Live Ticker Tabs beim SC Paderborn ist davon auch betroffen.

Über den Autor:
Hendrik Harbeck arbeitet als Social Media Marketing Manager bei der Agentur Scholz & Friends in Hamburg. Dort betreut er diverse Kunden und berät Mitarbeiter in Social Media Fragen. Auf seinem Blog schreibt er über Social Media Marketing Themen mit Praxisbezug.

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Es gibt 14 Kommentare

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  1. 3
    Christoph von Külmer

    Finde den Ausblick mit den gelungenen Tools auf den verschiedenen Seiten sehr interessant. Wir haben das BVB Quiz für Borussia Dortmund und das FCA Quiz für den FC Augsburg entwickelt. Wir freuen uns sehr über diese Empfehlung und freuen uns schon auf neue Projekte.

  2. 4
    kai

    Ich kann die „Schönheit“ des Artikels nicht erkennen. Das mit Energie Cottbus und deren fantastischer Energie TV Tab soll aber nen Scherz sein, oder?
    Auch wird die ganze Zeit über Fanzahlen gefaselt. Sonst wird hier in jedem dritten Betrag von der Belanglosigkeit solcher Zahlen gesprochen…
    Gibt doch so viele gute Social Media Agenturen mit tollen Beratern. Lassen wir das „The Orchestra of Ideas“ doch weiter belanglose klassische Werbung machen…

  3. 7
    Peter

    Kleine Frage. Wie habt ihr ermittelt, wie lange eine jeweilige Page schon online ist? Kann man in der Facebook-Page irgendwo das Gründungsdatum ablesen?

  4. 8
    Max-Jacob Ost (@GNetzer)

    Hi Hendrik,

    wie gesagt, wir haben die Information direkt vom FC Bayern, Zitat: „Google+ findet erst mal ohne den FCB statt.“ Es fällt auch auf, dass die Postings dort asynchron zu Facebook stattfinden. Traue keiner Info, die du nicht selbst eingeholt hast. ;-)

  5. 9
    Hendrik Harbeck

    Hallo Peter,

    das ging leider nur mit vielen manuellen Klicks, bei 36 Vereinen war das ganz schön viel Arbeit, gebe ich zu. :)

    @kai
    Der Energie TV Tab sieht vielleicht nicht so toll aus. Aber die Idee an sich, so einen Tab mit Facebook Sharing Funktionen direkt auf der Page zu erstellen, ist nunmal nur diesem Verein gekommen.

  6. 10
    kai

    @Peter mir ging es da nicht um aussehen, sondern dass die „App“ von involver kommt. …“Deliver video directly to your social networks by incorporating your YouTube channel as a tab on your Facebook page…“
    und ich frage mich wo du da die Leistung siehst, die vom Verein bzw. beratener Agentur gekommen ist. du sprichst ja empfehlungen aus:“…echte Empfehlungen für einen optisch und technisch gelungenen Facebook Auftritt…
    vielleicht habe ich es auch falsch verstanden.
    Fakt ist, dass ich mich im Ton vergriffen habe, dafür entschuldige ich mich.

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