„Seid mal kurz ruhig! Ich muss auf Facebook was suchen…“ oder: Warum „Graph Search“ für Facebook auch bald mobil erscheint

„Seid mal kurz ruhig! Ich muss auf Facebook was suchen…“ oder: Warum „Graph Search“ für Facebook auch bald mobil erscheint


Gastbeitrag von Jasper Krog und Christian Lee Rottmann
Mobile Graph Search

Facebooks neue Suche, der „Graph Search“ oder auch die „Soziale Suche“, ist zurzeit in aller Munde. Mit über 680 Millionen Mobile-Nutzern bzw. 157 Millionen „Mobile-only“-Nutzern stellt sich aber natürlich auch die Frage, wie und ob die neue Suche für Mobilgeräte umgesetzt wird.

Der Graph Search ist “Erst mal nicht (oder kaum) mobil nutzbar“ – zu diesem Schluss kommt jedenfalls Tareq Ismail in seinem Gastbeitrag auf Techcrunch. Seine Begründung: Die Suchanfragen seien zu lang und kompliziert für mobile Endgeräte! Ismail sieht die Implementierung der Suchfunktion per Sprache als einzigen effizienten Weg zur Umgehung dieses Problems. Dies sei aber mit immensen Herausforderungen verbunden, wie die Anpassung an unterschiedliche Sprachen, die Notwendigkeit der Personalisierung (1 Milliarde verschiedener Namen und noch mehr Orte) und hohen Kosten der Realisierung. Summa summarum führe dies nicht nur zu einem erheblichen Mehraufwand für Facebook sondern auch zu einer Verzögerung der Umsetzung für mobile Endgeräte. Aber kann die „Soziale Suche“ auf Facebook wirklich nur per Spracheingabe funktionieren? Wir sagen: Nein!

Auch wenn soziale Netzwerke wie Facebook sicherlich zu den beliebtesten Funktionen auf unseren Mobiltelefonen und Smartphones gehören, werden die Geräte nach wie vor und mit weitem Abstand am meisten für Kurznachrichten oder E-Mails genutzt (Studie). Und dass wir so gerne tippen, ist nicht nur ein Phänomen in dem Land von Goethe und Schiller sondern weltweiter Usus. Spracherkennung und Services wie bspw. Siri auf dem iPhone sind zweifelsohne eine nützliche Erfindung und werden immer mehr Einzug in unseren Alltag erhalten, haben aber dennoch einen begrenzten Einsatzradius. Jeder der schon mal seinem Smartphone die SMS an einen Freund in der U-Bahn, im Restaurant oder auf der Straße diktieren wollte, stößt schnell an die Grenzen dieser Services. Folgen in Zukunft nun die „Seid doch alle mal kurz ruhig! Ich will was auf Facebook suchen!“-Schreie in der Innenstadt? Wohl kaum!

Die angesprochenen Hürden für eine Sprachintegration zur Suche auf Facebook legen eine etwas andere Sicht der Dinge nahe.

1. Soziale Suche? Kürzer als jede SMS

Fotos von meinen Freunden, die in New York aufgenommen wurden“ – diese neue potentielle Suchanfrage auf Facebook enthält sage und schreibe ganze 60 Zeichen(!) und damit immer noch 100 weniger als die erlaubten Zeichen einer Standard-SMS. Da allein in Deutschland im vergangenen Jahr über 150 Millionen SMS- und MMS-Nachrichten pro Tag verschickt wurden, scheinen Handynutzer durchaus offen für die Verfassung kurzer Texte zu sein. Mit einem richtigen und einfachem Bedienkonzept sowie relevanten Ergebnissen werden die Menschen auch auf Facebook bereit sein, mehr als fünf Zeichen bei der Suche zu schreiben.

2. Suggestions & Auto-Complete

Schon jetzt bieten die Such- und Kommentarfunktion von Facebook dem User Unterstützung. Auf der Suche nach Freunden werden bei Eingabe eines Buchstaben nicht nur die vorhandenen Freunde oder Fanpages angezeigt, die diesen Buchstaben im Namen enthalten – ebenso stellt Facebook dem Nutzer im zweiten Schritt auch Menschen mit denselben Kontakten vor. Auch die @-Mention ist bei Facebook bereits etabliert und verfügt über ein Repertoire, das neben Freunden auch bereits Seiten und Locations vorschlägt.

Dies zeigt, dass Facebook bereits über Suggestions- & Auto-Complete-Funktionen verfügt, die sich auch in den „Graph Search“ integrieren lassen werden. So könnte besipielsweise die Eingabe von „like“ automatische die Möglichkeit „Friends who like…“ als potentielle Auswahl anbieten und so schrittweise und unkompliziert die Suchanfrage erleichtern. Natürlich wird Facebook noch einiges an Arbeit in diese Programmierung stecken müssen, der Grundstein ist aber schon lange gelegt.

3. Fokus der mobilen Suche: Ortsbezogenheit!

Die erweiterte Facebook-Suche auf mobilen Endgeräten wird u.E. in erster Linie für ortsbezogene Informationen Sinn machen. Bei der Nutzung des „Graph Search“ unterwegs bzw. mit meinem Mobiltelefon habe ich ganz andere Anforderungen an die Informationen als Zuhause vor dem Rechner.

Wenn ich z.B. in New York bin, interessiert mich nicht wirklich nur die Information, ob mein Freund Hans auch schon mal hier war. Ich will wissen, wo Hans den leckersten Burger gegessen, das beste Bier getrunken oder das aufregendste Konzert gesehen hat. Das große Potential liegt für Facebook darin, dass es mir standortabhängig Suchvorschläge und Tipps geben kann, die zudem Bezug zu meinem persönlichen Netzwerk und meinen Freunden haben. Wenn Facebook es richtig macht, dann schlägt mir der mobile „Graph Search“ genau diese Fragen vor!

4. Einen Schritt weiter gedacht

Orte könnten zudem nicht nur mit den Facebook-Freunden verknüpft werden, die diesen schon besucht haben, sondern auch denjenigen, die auch einen inhaltlichen Bezug zu diesen haben.

Der erste Schritt bildet dann mein Check-In im naheliegenden Buchladen, den mir meine Freunde auf Facebook empfohlen haben. Die automatische Kategorisierung und Zuordnung des Buchladens sowie der Besuch meines Freundes verknüpft mich dabei gleichzeitig mit den Bücherwürmern in meinem Freundeskreis und zeigt mir ihre aktuellen Buchfavoriten. Standorte könnten also in Zukunft nicht nur mit ihrer Adresse verknüpft werden, sondern auch mit den Angeboten, die sie anbieten und den Freunden, deren Interessen sie abdecken.

5. Es gibt bereits eine App welche ähnliche Funktionen wie Graph Search mobil abbildet

Bereits im November 2012 hatte AllFacebook über die iOS Gabi berichtet. Wer sich die App einmal angeschaut hat kommt schnell zu dem Ergebnis, dass sie der Graph Search zumindest sehr ähnlich ist. Über das einfache Interface konnten schon Monate vor der Veröffentlichung der Graph Search komplexe Suchbegriffe sehr einfach eingegeben werden. Zwar sind nicht alle Möglichkeiten der Graph Search abgebildet, aber es ist auch keine Texteingabe nötig um das passende Ergebnis zu erhalten.

Fazit

Relevante und sinnvoll mit meinem sozialen Umfeld verknüpfte Ergebnisse sowie die entsprechende Suche werden auch ihren Weg in die mobilen Applikationen von Facebook finden. Die Erleichterung der Eingabe längerer Texte durch eine Spracheingabe wird dabei nicht den relevanten Baustein bilden. Vielmehr werden Suggestions & Auto-Complete die Suche erleichtern und gleichzeitig ortsrelevante Informationen direkt in dies Suche integrieren. Ob Angebote, Applikationen, Werbung oder auch die Suche – Facebook ist und wird immer mobiler werden und dabei auch nicht vor der „Sozialen Suche“ kapitulieren. Die Grundsteine zur Implementierung der mobilen „Graph Search“ sind mit der wiedererweckten „In der Nähe“-Funktion, den Suggestions bei der Freunde-Suche und den @-Mentions bereits gelegt. Facebook wird in der Lage sein, das Konzept der Suche für mobile Endgeräte umzusetzen und in gewohnter Manier sukzessive mit mehr Leben und Funktionen füllen.

 Über die Autoren:

edelmanJasper Krog ist seit über zwei Jahren als Berater für digitale Kommunikation mit dem Schwerpunkt stratetegischer Social Media Beratung und Facebook-Marketing bei Edelman Digital tätig.
Der Fokus seiner Arbeit liegt dabei auf der strategischen Konzeption und Durchführung von nationalen und vor allem internationalen Facebook- beziehungsweise Online-Kampagnen und dem strategischen Community Management. 

Als Senior Account Executive (Digital) verantwortet Christian Lee Rottmann (Edelman Digital) die Social-Media Kanäle mehrerer Marken. Seine Schwerpunkte liegen auf der Konzeption, Betreuung und strategischen Umsetzung von Social Media Projekten für seine Kunden.
Christian ist spezialisiert auf die Entwicklung von Social-Media Strategien sowie auf die Konzeption von digitalen Projekten.

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