Interview: Was bedeuten die neuen Funktionen für Medienunternehmen?

Interview: Was bedeuten die neuen Funktionen für Medienunternehmen?


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Facebook hat am gestrigen Abend umfangreiche neue Funktionen zum Veröffentlichen und Tracken von Beiträgen vorgestellt. Wir haben uns aus diesem Anlass Heiko Hebig (Partnerships Manager Northern Europe bei Facebook) zum Interview geschnappt. Einige kennen ihn vielleicht schon von unseren Konferenzen oder sind ihm auf einer Facebook-Veranstaltung begegnet.

Hallo Heiko, vielen Dank, dass du uns so kurzfristig für ein Interview zur Verfügung stehst! Am gestrigen Abend habt ihr ja jede Menge neue Funktionen für Page-Administratoren vorgestellt, für wen sind diese besonders interessant?

Danke für deine Zeit. Mit den neuen Funktionen konzentrieren wir uns vor allem auf Media-Publisher, also Partner die Newsseiten auf Facebook betreiben. Ein Großteil der Neuerung steht allerdings allen Seitenbetreibern zur Verfügung. In erster Linie wollen wir damit erreichen, dass es für große Newsseiten und Publisher – die in der Regel viele verschiedene Themen abdecken – einfacher wird, zielgerichtet Inhalte an die richtigen Menschen auszuliefern.

Gehen wir der Reihe nach: Das erste Feature auf meiner Liste ist das “Verfallsdatum für Beiträge”. Hört sich ein wenig an, als wollte Facebook jetzt auch ein “Recht auf Vergessen” einführen?

Ganz und gar nicht! Beiträge, die mit einem Verfallsdatum ausgestattet werden, erscheinen nur nach dieser Frist nicht mehr im Facebook Newsfeed der Menschen. Auf der Facebook-Seite hingegen werden sie auch darüber hinaus angezeigt. Wir wollen Publishern im Newsfeed eine Möglichkeit geben, Beiträge, deren begrenzte Lebensdauer bereits absehbar ist, automatisch zu entfernen. Nehmen wir einen Beitrag zu einem Halbzeitergebnis im Fußball. Da interessiert es bereits 45 Minuten später nicht mehr, wie der Halbzeitstand war. Der Newsfeed hätte diesen Beitrag aber unter Umständen noch ausgeliefert. Damit kommen wir auch einer häufigen Klage unserer Nutzer entgegen, die nicht noch zwei Tage später eine bereits veraltete Nachricht im Feed sehen wollen.

Oh ja! Da lassen sich sicher viele Einsatzmöglichkeiten finden! Punkt zwei wäre “Targeting nach Interessen”. Ich höre schon Page-Administratoren schreien: “Völliger Unsinn, warum soll ich die ohnehin geringe Reichweite noch weiter einschränken?!”

Das sehe ich komplett anders. Natürlich kann jeder nach wie vor ohne Interessen-Targeting seine Beiträge auf der eigenen Seite veröffentlichen. Aber nehmen wir auch hier ein breit aufgestelltes Medienunternehmen, vielleicht einen Nachrichtensender. Wäre es für den nicht sinnvoll, die Reichweite des Newsfeeds wirklich sinnvoll zu nutzen und zum Beispiel eine Motorsportmeldung auch nur für Motorsportfans zur Verfügung zu stellen? Statt nur über Reichweite würden wir dann über relevante Reichweite reden. Und wer das bisherige Targeting zum Beispiel nach Orten und Alter schon einmal richtig eingesetzt hat, weiß, wie dies auch die Qualität der Interaktionen und schlussendlich die Reichweiten positiv beeinflussen kann.

Eure Zielgruppe wird ja auch beim “Smart Publishing”-Thema besonders hervorgehoben, welches ihr vorerst nur ausgewählten Partnern zur Verfügung stellt. Worum handelt es sich dabei genau?

Das Smart Publishing testen wir derzeit mit ausgewählten Partnern. Das sind in der Regel große Verlagshäuser, Online-Magazine und Fernsehsender. Diese bekommen die Möglichkeit eines Opt-ins für das Tool. Und auch bei einem größeren Roll-out wird diese Funktion Opt-in bleiben. Prinzipiell kann man es so erklären: Wir übernehmen für den entsprechenden Anbieter das Monitoring, welche Artikel der entsprechenden Webseite auf Facebook gerade von den Menschen besonders oft geteilt werden, ohne dass der Artikel vorher von der Seite geteilt wurde. Wenn das Medienunternehmen die Smart-Publishing-Funktion nutzt, generieren wir aus genau diesen Webseiten-Artikeln automatisch einen Facebook-Beitrag im Namen der Seite. Damit richten wir uns gerade auch an Publisher, die noch keine große Social-Media-Teams haben und somit auch nicht die Kapazitäten für Echtzeit-Monitoring.

Last but not least: neue Domain Insights! Ich liebe dieses Tool ja schon in seiner alten Form, da es Webseitenbetreibern sehr genau aufzeigt, welchen Einfluss Facebook auf den eigenen Traffic hat. Was ist hier jetzt neu?

Die Domain Insights haben wir komplett neugestaltet und stark erweitert. Dort führen wir jetzt unter anderem für jede registrierte Domain auf, welche Webseiten-Artikel auf Facebook die meisten Klicks erhielten. Zusätzlich begegnen wir einem Problem, das viele Publisher an uns herangetragen haben. So erhielten einzelne Artikel immer wieder hohe Klickzahlen aus Facebook, obwohl der Publisher diese gar nicht explizit zu diesem Zeitpunkt dort gepostet hat. Bis jetzt konnte der Publisher nicht herausfinden, wer seinen Beitrag mit so großem Erfolg geteilt hat. Konkretes Beispiel: Ihr seht für einen zwei Wochen alten Beitrag heute in euren Google Analytics eine Trafficspitze und habt nur als Quelle “Facebook”. Über die Domain Insights könntet ihr jetzt herausfinden, dass euer Kollege Thomas Hutter diesen Beitrag heute noch einmal mit seinen Fans geteilt hat.

Wow! Ich kann also quasi Influenzer-Pages ermitteln, von denen ich bisher gar nichts wusste! Das ist wirklich sehr praktisch. So, mit den neuen Funktionen sind wir dann durch, hast du noch einen Punkt, den du ansprechen möchtest?

Vielleicht eines noch: Mit den neuen Funktionen haben wir zwar ganz stark die Publisher im Blick, aber ich würde auch allen anderen Seitenbetreibern empfehlen, sich damit vertraut zu machen. Vieles kann auch im normalen Redaktionsumfeld einer Facebook-Seite angewendet werden und gerade bei den Domain Insights lohnt es sich immer, zu wissen, wo denn der Facebook-Traffic herkommt und wo er hingeht.

Vielen Dank für das Interview!

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Veröffentlichung 11. Dezember 2014

Es gibt 1 Kommentar

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  1. 1
    Christos Papadopoulos

    Wirklich intressante Features!
    Influencer nachvollziehen zu können und Beiträge mit “Verfallsdatum” kann ich mir wirklich nützlich vorstellen. Ich bin gespannt welche weiteren Verwendungsmöglichkeiten bald aus diesen Funktionen entstehen :)

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