Frictionless Sharing für die eigene Seite: So gehts! (Gastbeitrag)

Frictionless Sharing für die eigene Seite: So gehts! (Gastbeitrag)


Der Social Graph ist der Kern von Facebook. So beschreibt es Facebook selbst auf seiner Entwicklerseite; Facebook möchte von seinen Usern immer wissen, was sie hören, mögen, kochen und vor allem, welche Internetseiten sie lesen.
Während große, internationale Medien wie das Wall Street Journal oder die Huffington Post bereits ausgiebig die „Social Reading“-Funktion nutzen, übt sich der deutsche Markt in schüchterner Zurückhaltung. Zu Unrecht, denn für jeden Anbieter von Inhalten kann die Integration des Social Readers klare Mehrwerte bieten.
Dabei ist die Integration des Social Readers auf einem Webangebot kein Hexenwerk. Selbst kleine Angebote haben bereits den Reader auf ihrer Website integriert; dieser Artikel basiert auf den Erfahrungen bei der Integration in das Gaming-Magazin „Krautgaming“.

Mehrwert des Social Readers
Seitens des Inhaltsanbieters sind die Vorteile des Social Readers immens, gerade gegenüber dem klassischen „Gefällt mir“. Im Idealfall erscheint die vom User ausgelöste „read action“ (Terminologie von der Meldung der Seite an Facebook, dass dieser User gerade diesen Artikel liest) im Livestream der Sidebar, im News-Feed, auf dem Profil des Lesers und in den kürzlich getesteten Aktuellen Artikel.
Dabei passiert die Übertragung der Informationen an Facebook passiv, d.h. das Drücken des „Gefällt mir“-Buttons entfällt. Dagegen steht jedoch die (gerade im deutschen Markt) nicht zu unterschätzende Hürde der erstmaligen Authentifizierung mit der Facebook-App, die den Social Reader steuert.

Integration des Social Reader
Die Integration des Social Readers beginnt meist mit dem Anlegen einer eigenen App auf Facebook und dem Hinzufügen der vorgegebenen Open Graph Aktion „read“. Dabei wird dann automatisch das Objekt „Article“ angelegt. Im Anschluss daran sollte man drauf achten, dass die eigenen Artikel dem Open Graph Type „article“ entsprechen, dies kann man bequem mit dem Facebook Debugger überprüfen.
Bevor die Aktion jedoch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, muss sie, wie bei allen anderen Actions auch, von Facebook überprüft und freigeschaltet werden.


Das Publishen der read action
Einfach bei einem Nutzer eine „read action“ zu publishen wäre nach der Verbindung mit der Facebook App zwar möglich, ist jedoch mit Sicherheit nicht im Sinne des Erfinders. So behält sich Facebook vor, gewisse Richtlinien zu erheben, welche bei der Integration des Social Readers in die eigene Seite beachtet werden müssen.

Die drei wichtigsten Richtlinien sind folgende:

  • Der Nutzer muss zu jeder Zeit und global auf der Seite den Social Reader deaktivieren und aktivieren können.
  • Der Nutzer muss auf der Seite bereits gepublishte „read actions“ einsehen und löschen können.
  • Vor dem Publishen der „read action“ muss klar sein, dass der Nutzer den Artikel auch wirklich liest, der einfache Klick auf den Artikel reicht nicht aus.

Hier verbergen sich wohl die meisten Fallstricke auf dem Weg zum eigenen Social Reader, auch bei Krautgaming musste insgesamt drei mal nachgebessert und neu eingereicht werden, bevor die Bestätigung seitens Facebook ausgesprochen sein muss.

Social Reading aktivieren/deaktivieren


Für den Nutzer ist dies wohl die wichtigste Schaltfläche. Bei diesem Interface sollte sofort klar sein, dass Social Reading aktiv bzw. deaktiviert ist.
Bei Krautgaming befindet sich im Hintergrund dieser Schaltfläche eine Datenbank, welche zu der (durch die Verbindung mit der Facebook-App) bekannten Facebook ID des Nutzers einen boolschen Wert über den Aktivierungszustand des Social Readers speichert. Eine Speicherung der Daten sollte erfolgen, damit sich der Social Reader den Aktivierungszustand über die Browsersession des Nutzer hinaus merken kann.

Ehemalige „read actions“ einsehen
Aus Sicht von Facebook dürfte dies die wichtigste Voraussetzung für das Bestehen auf dem deutschen Markt sein. Der Nutzer muss immer das Gefühl von Kontrolle über die Veröffentlichung seiner Handlungen behalten, weshalb die Katalogisierung und Verwaltung ehemaliger „read actions“ immens wichtig ist.
Von Vorteil ist jedoch, dass man die „read actions“ nicht im Social Reader speichern muss, Facebook bietet über die API eine entsprechende Abfrage, um die vergangenen „read actions“ für diese Apps und den derzeitigen Nutzer abzufragen. Der Befehl lautet „GET https://graph.facebook.com/me/news.reads“, zurück kommt ein JSON Array mit allen „read actions“ und den zugehörigen IDs.
Was bleibt ist die einfache Aufbereitung dieser Daten, auf Krautgaming wurde diese Aufbereitung dynamisch über das JS SDK umgesetzt, die Darstellung der kürzlich gelesenen Artikel erfolgt in einer eigenen Lightbox.
Wichtig hierbei ist die Option, diese „read actions“ auch wieder löschen zu können. Facebook liefert die benötigte ID in o.g. Abfrage mit, der Löschbefehl zum Löschen der „read action“ lautet „DELETE https://graph.facebook.com/[read action instance id]“.

Liest der User auch wirklich?
Dass ein versehentlicher Klick auf einen Artikel nicht zu einer „read action“ führen darf, ist aus Sicht von Facebook durchaus verständlich. Facebook verlangt hier also einen Indikator dafür, dass der Artikel tatsächlich gelesen wird. Wie dieser Indikator jedoch aussehen soll, das lässt Facebook offen.
Im Falle von Krautgaming hat man sich für eine zeitgesteuerte Auslösung entschieden. Über ein einfaches „setTimeout“ wurde das Auslösen so weit verzögert, dass tatsächlich vom Lesen des Artikels ausgegangen werden kann. Als Richtwert bei Krautgaming haben wir 75% der durchschnittlichen Verweildauer auf einem Artikel genommen. Verlässt der User vorher den Artikel, so wird auch die „read action“ nicht veröffentlicht.

Zum Review absenden
Bevor man die „read action“ zum Review absendet, sollte man die eigene App ausführlich testen. Facebook stellt dies sicher, indem man das Review verweigert, wenn die App noch keine Actions abgesetzt hat. Man sollte also vor dem Review eine ausführliche Testphase durchführen, die auf Facebook veröffentlichten Nachrichten sind nur für Admins, Entwickler und Tester der Facebook App zu sehen.
Nach dem Funktionstest kann man sich dann tatsächlich dem Review-Prozess widmen. Während dieses Prozesses muss man die notwendigen Schritte beschreiben, die von Reviewer befolgt werden müssen, um die „read action“ auszulösen. Aus Erfahrung muss man hier sagen, dass man diese Beschreibungen (auf Englisch) so detailliert wie möglich verfassen sollte.
Im Falle von Krautgaming umfasste diese Review-Anleitung beim dritten und erfolgreichen Schritt knapp 120 Wörter, jede URL, jede Schaltfläche und jeder Schritt wurde detailliert beschrieben. Gerade wenn nicht auf der Liveplattform, sondern in einer Entwicklungsumgebung getestet wird, muss dies klar gemacht werden.
Nach dem Absenden des Reviews ist man nun einer Wartezeit unterworfen, die sich jedoch derzeit auf 36-48 Stunden beschränkt. Doch selbst wenn man beim ersten Versuch abgelehnt wird (und das ist wahrscheinlich), so stehen seitens Facebook immer detaillierte Beschreibungen zur Verfügung, warum die Ablehnung erfolgte.

Herzlichen Glückwunsch
Wenn diese Schritte befolgt wurden, sollte mit ein wenig Programmierungstalent dem eigenen Social Reader nichts mehr im Wege stehen. Die wohl größte Herausforderung folgt jedoch erst jetzt, denn man muss trotz der hervorragend funktionierenden Applikation immer noch den Nutzer vom Mehrwert und der Vertrauenswürdigkeit des Social Readers überzeugen. Gerade bei der deutschen Facebook-Skepsis ist dies keine einfache Hürde, leider gibt es für dieses Problem kein Patentrezept. Wir wünschen viel Erfolg bei der Umsetzung!

Über den Autor:

Hendrik Luehrsen ist Geschäftsführer der Münchener Agentur Luehrsen // Heinrich. Neben der eigentlichen Agenturarbeit betreibt er das Games-Magazin „Krautgaming“, auf dem er neue Web-Technologien ausprobiert und auch seine Artikel über Videospiele veröffentlicht.

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