Das Ende der Farm Meldungen.


– Gastbeitrag von Boris Pfeiffer –

Neue Regeln für Facebook Games

Ich werde Sie vermissen – die täglichen Statusmeldungen, dass Weizen vertrocknet ist, mein Freund Hilfe beim Aufbau eines neuen Schuppens benötigt und das dringend eine süße, kleine Katze vor dem Ertrinken gerettet werden muss. Facebook hat die Regeln für Spiele Entwickler geändert, so dass die Statusmeldungen der Spieler nur noch dann erscheinen, wenn ich das selbe Spiel auch spiele.

Auch Statusmeldungen über den Fakt, dass einer meiner Freunde ein neues Spiel spielt, werden nur dann auf meiner Pinnwand erscheinen, wenn mehr als ein Freund sich für das Spiel entschieden hat.

Was für viele Facebook Nutzer ein Seegen ist, bedeutet für viele Spiele Firmen wohl, dass Sie sich entweder neue, kreative Methoden einfallen lassen müssen, um Ihre Spiele noch weiter zu vermarkten oder sich aus dem Geschäft der Facebook Spiele verabschieden werden.

Ohne die pausenlosen Statusmeldungen, wird es schwer werden, neue Spieler über virale Kanäle in die Spiele zu locken. Die genaue Auswirkung dieser Facebook Änderung ist noch nicht abzusehen, aber es wird für die Spiele wohl nur noch 3 Möglichkeiten geben, neue Spieler zu finden:

  1. Werbung auf Facebook
    Dies ist mit Sicherheit die von Facebook favorisierte Option und der wahre Hintergrund für die aktuellen Änderungen. Facebook verliert viel Geld dadurch, dass Spiele Ihre Spieler auch ohne die Schaltung von Facebook Anzeigen finden. Da die Werbepreise auf Facebook ständig steigen, können nur Spiele, die entsprechend hohe Monetarisierungsraten haben auf diese Option zurückgreifen. Firmen, die auch schon vor Facebook erfolgreich Spiele vermarktet haben und hohe Budgets in die Entwicklung stecken, werden in Zukunft bevorteilt sein. Kleine Fun Spiele oder die 1.000 Aquarium Kopie können in Zukunft kaum noch auf Erfolg hoffen.
  2. Freunde Einladen
    Ein aktives Einladen von Freunde zu einem Spiel dürfte von den neuen Regeln nicht betroffen sein. Von daher erwarte ich, dass viele Spiele die „Freunde einladen“ Funktion massiv ausbauen und Funktionen im Spiel erst dann freischalten, wenn eine gewissen Anzahl von Freunden gefunden ist. Sollte diese Methode der Spielergewinnung Überhand gewinnen, wird Facebook auch hier sicherlich einen Riegel vorschalten. Derzeit erlaubt Facebook bereits nur eine gewissen Anzahl von Einladungen bzw. „ich habe ein Geschenk für Dich“ E-Mails pro Spieler pro Tag. Wie viele Einladungen pro Spieler ein Spiel zur Verfügung hat, hängt davon ab, wie hoch die Klickrate auf diese Einladungen ist. Sprich, ein Spiel mit einer guten Erfolgsquote für seine Einladungs E-Mails erhält ein höheres Kontingent an E-Mails pro Spieler, als ein weniger erfolgreiches Spiel.
  3. Cross Promotion
    Spiele Entwickler wie Zynga werden von den aktuellen Änderungen nur recht wenig betroffen sein. Da Facebook sehr eng mit Zynga arbeitet (Zynga hat z.B. exklusiv auf FB Credits als Zahlungsmethode umgestelt), wäre es auch nicht verwunderlich, wenn das Zynga Team großen Einfluss auf diese Regeln genommen hat. Zynga besitzt einen solch hohen Verbreitungsgrad, dass es mit jeder neuen Spiele Entwicklung einfach und kostenlos weit über 100,000,000 Spieler erreichen kann. Auf diese Art kann Zynga auch weniger gute Spiele schnell groß und bekannt machen. Da die neuen Facebook Regeln Spiele nur dann auf der Pinnwand durch eine Meldung wie „Spieler X, Y und Z spielen jetzt dieses Spiel“ bewirbt, wenn mehr als ein Freund sich für das Spiel entschieden hat, haben auch hier die großen Spielefirmen wieder einen entscheidenden Vorteil. Durch eine Cross Promotion auf einem bereits erfolgreichen Spiel, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass mehr als nur einer meiner Freunde das neue Spiel spielen wird und von daher auch eine Nachricht auf meiner Pinnwand erscheinen wird.

Die neuen Regeln werden den Spielemarkt auf Facebook stark konsolidieren und auf lange Sicht dafür sorgen, dass sich nur noch qualitativ hochwertige Spiele auf Dauer halten können. Für den Spieler bedeutet diese Änderung aber auch, dass in Zukunft immer weniger Spiele vollkommen kostenlos spielbar sein werden. Wenn die Spiele insgesamt weniger Spiele für gewinnen können, dann muss der Durchschnittsertrag pro Spieler gesteigert werden – dies wird nur gelingen, wenn man von Anfang an Spiele nur für zahlenden Spieler spielbar macht.

Über den Autor:
Boris Pfeiffer (Xing)
arbeitet für Ooga Labs Inc- – ein Incubator aus San Francisco. Privat bloggt er auf www.essenbildet.dewww.buntesbuch.de und http://www.fan-page.org.

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Es gibt 6 Kommentare

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  1. 2
    Christopher

    Die Frage ist: Wie definiert Facebook „Spiele“? Was ist, wenn z.B. Marken virale Applikation mit Spielcharakter (z.B. „derjenige, mit den meisten Likes gewinnt“) nutzen, um Awareness zu erzeugen und Nutzer für gewisse Status Badges bekommen sollen? Ist das dann noch wie üblich möglich?

  2. 4
    Hendrik Martens

    Hallo Christopher,

    laut Artikel von Allfacebook betrifft das alles APPS. Ich denke nicht, dass Facebokk hier unterscheiden kann bzw. wird.

    Es ist ein kluger Schachzug, auch die Apps zur Markenkommunikation per Facebook-Ads zu aktivieren und leider nicht mehr durch WOM oder andere Viralmechanismen.

    Das wird und Werbern nicht gefallen…Facebook als potentielle günstige Marketingplatform wird bald nicht mehr existieren.

  3. 6
    Manuel

    Kann mir jemand sagen wo genau man die Nutzungsbedingungen für Facebook Entwickler findet in denen drinsteht, dass diese Funktionen eingeschrängt wurden (link bitte bitte), wäre echt nett.

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