Mehr Privatsphäre auf Facebook? Oder geht es hier um etwas ganz anderes?

Mehr Privatsphäre auf Facebook? Oder geht es hier um etwas ganz anderes?


Facebook geht es in Zukunft um die Privatsphäre des Nutzers. Das zumindest ist die Kernbotschaft, die uns das neue Maskottchen des Netzwerks, “Privatsphäre-Dino”, vermitteln soll. Dazu wird Facebook im ersten Schritt die Privatsphäre für veröffentlichte Beiträge aller neuen Mitglieder auf “nur Freunde” setzen. Möchte man etwas öffentlicher agieren, kann man diese Einstellung überschreiben. Im zweiten Schritt wird Facebook alle 1,2 Milliarden Nutzer einem Privatsphäre-Check unterziehen und regelmäßig “öffentlich” schreibenden Mitgliedern noch einmal die Vorteile einer weniger öffentlichen Kommunikation erklären:

Facebook Warnung bei öffentlichen Postings

Doch vielleicht ist mehr Privatsphäre auch nur der nette und gut zu kommunizierende Nebeneffekt einer neuen Facebook-Strategie. Denn denken wir einmal einen Schritt weiter und lassen den Schutz der eigenen Daten außen vor. So fordert Facebook jetzt also die Nutzer auf, die Sichtbarkeit eines Beitrages zu beschränken. In der Konsequenz wird dadurch vielleicht etwas Platz im Newsfeed frei. Konkret fällt die direkte Verteilung an Follower und nicht bestätigte Freunde weg. Viel wichtiger sind aber die Interaktionsmeldungen bei Likes und Kommentaren an die Freunde der Freunde sowie Freunde der Follower. Sollte Facebook es hinbekommen, die Listenfunktion und ihre Verwaltung einmal sauber und für jeden Nutzer verständlich aufzusetzen, wird die Sichtbarkeit der Inhalte wohl noch weiter zurückgehen. Aktuell arbeiten die Nutzer und Facebook aber vermehrt mit dem sehr aktiven Gruppenfeature.

Bevölkert wird der Newsfeed im Moment von Nutzerposts, Pageposts und Anzeigen. Über die Verteilung der Meldungen entscheidet der Newsfeed-Algorithmus. Wenn die Nutzer nun die Sichtbarkeit ihrer Posts freiwillig zurückfahren und die Anzahl der Posts im Newsfeed entlasten, wird damit die Möglichkeit gegeben, die Sichtbarkeit von Pageposts und Anzeigen zu steigern. Beides ist im Sinne der Unternehmen: Pageposts erhalten vielleicht wieder mehr organische Sichtbarkeit und Anzeigen werden günstiger. Beide Punkte werden Facebook in der Gunst der Marken und Unternehmen noch einmal ein Stück nach oben heben. Gerade nach den Reichweitediskussionen der letzten Wochen wäre das dringend nötig. Allerdings müsste Facebook noch deutlich mehr “leichte” Interaktionen zurückschrauben, um den Newsfeed merklich zu entlasten. Für den Nutzer sind schließlich vor allem relevante Inhalte im Newsfeed wichtig, je genauer ein Nutzer die Zielgruppe einstellt, desto eher dürfte diese Relevanz zutreffen.

Interessant ist, dass genau dieselbe Strategie auch an einer anderen Stelle greift. Mit der Graph API 2.0 werden für Entwickler nahezu alle Möglichkeiten entfallen, Nutzer in eine App einzuladen. Das komplette Farmville “Lade deine Freunde ein, um weiterzukommen”-Ökosystem steht damit (zum Glück?) vor dem Aus. Offizieller Grund auch hier: Der Schutz des einzelnen Nutzers und seiner Daten. Aber Facebook ist ja nett, natürlich kann man auch weiterhin als App-Entwickler Nutzer auf die eigenen Apps aufmerksam machen, man muss halt nur bei Facebook Anzeigen für die App schalten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Denn am Ende des Tages die Verteilung von Nachrichten der Freunde, Seiten und Werbung zu verändern ist durchaus riskant, weil mehr Werbung immer auch weniger Relevanz bedeutet. Auch, wenn diese Werbung noch so gut auf die eigene Zielgruppe passt.

Wir sind gespannt, wie die Entwicklung hier weitergeht. Nur eine Sache sollte Facebook im Blick behalten: Ein soziales Netzwerk ohne Nutzerposts und Interaktionen ist kein soziales Netzwerk mehr.

Bild auf Basis von: Abstract telecommunication world map with circles / Shutterstock.com

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Es gibt 2 Kommentare

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  1. 1
    Daniel

    Das dieser Quatsch mit den Einladungen zu Spieleapps abgeschafft wird kann ich nur begrüßen! In letzter Zeit hat es sich damit zwar in Grenzen gehalten, das lag aber wohl daran das ich in der Vergangenheit fast jedes Spiel von Facebook geblockt habe.

  2. 2
    Hugo

    “Für den Nutzer sind schließlich vor allem relevante Inhalte im Newsfeed wichtig.”

    Ich hatte immer gedacht, relevante Inhalte im Social Media sind die, die meine Freunde generieren, und nicht Werbung und Pages.

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