Update am Newsfeed: Kostenlose Reichweite gibt es zukünftig nur noch für gute Inhalte

Update am Newsfeed: Kostenlose Reichweite gibt es zukünftig nur noch für gute Inhalte


Nach den vielen Updates in 2014 gibt es nun wieder ein neues Update von Facebook und eigentlich wieder mit der gleichen Nachricht: Nur guter Inhalt erhält weiterhin kostenlosen Reichweite. 

Soweit eben nichts Neues, das haben wir dieses Jahr schon öfters gehört. Links mit „Klickbaiting“ wurden gefiltert, gute Videos werden wichtiger, Timing wird wichtiger und das Betteln nach Likes wird auch schon lange bestraft. Dieses Mal stehen werbliche Beiträge im Mittelpunkt. Im Rahmen „einer laufenden Umfrage“ hat Facebook 100.000 Menschen befragt, was sie von den Neuigkeiten im Newsfeed denken. Dabei kam heraus, dass „Meldungen von Freunden und Seiten besonders beliebt sind, werbliche Inhalte haben eine geringere Relevanz“.

Auch das dürfte nichts Neues sein. Als Nutzer mochte ich schon immer lieber, was für mich relevant ist und keine plumpe Werbung. Die sehe ich schon in Bannern oder auch innerhalb von Facebook-Anzeigen. Werbung sehe ich aber eigentlich nicht in meinem (organischen) Newsfeed, dort gibt es Beiträge von Freunden oder interessante Beiträge von Seiten. Und genau diesen Unterschied zwischen der Wahrnehmung von organischen Inhalten und beworbenen Inhalten hat Facebook in dieser Umfrage nochmals genauer beleuchtet. Ergebnis war, dass vor allem organische Beiträge, deren Inhalte werbelastig sind, beim Nutzer nicht gut ankommen.

Warum ist diese Erkenntnis jetzt etwas Besonderes? 

Weil Facebook bei Werbeanzeigen einen Kontrollmechanismus hat. Der Mechanismus begrenzt die Werbung, die eine Person sieht, auf etwa 5 %. Man sieht allerdings als Fan seiner Seite auch maximal vier unterschiedliche Werbeanzeigen. Wenn man kein Fan ist, kann man maximal eine sehen. Ein Kontrollmechanismus, den man so bisher noch nicht bei organischen Inhalten hat. Mit dem Resultat, dass man selbst im Newsfeed gefühlt mehr Werbung sieht, weil die organischen Inhalte die Werberate deutlich nach oben treiben.

Die organische Reichweite für werbliche Inhalte wird deshalb ab Januar 2015 deutlich eingeschränkt 

Alles, was Facebook zukünftig als zu werbelastig einstuft, wird also noch weniger Reichweite erhalten. Von der so oder so schon geringen Reichweite bei solchen, meist langweiligen, Beiträgen bleibt dann also kaum noch etwas übrig. Laut Facebook gibt es drei Eigenschaften, die zu werbliche Beiträge ausmachen:

  1. Beiträge, die lediglich dazu auffordern, ein Produkt zu kaufen oder eine App zu installieren
  2. Beiträge, die dazu auffordern, an Promotions oder Preisausschreiben ohne authentischen Kontext teilzunehmen
  3. Beiträge, die genau dieselben Inhalte wie Werbeanzeigen wiederverwenden
Hier zwei Beispiele, die Facebook dazu veröffentlicht hat:
Beispiel2 Beispiel1

Was kann man als Seite tun? 

Wenn man ehrlich ist, eigentlich gar nichts. Wenn man „Werbung“ auf Facebook posten möchte, dann muss man diese Änderung so hinnehmen. Der logische Rückschluss ist, dass wenn man solche Beiträge bewusst einplant, man auch bewusst Werbebudget dafür einplanen muss. Reichweite für Werbung kostet Geld, egal ob nun auf Facebook oder sonst irgendwo im Web. Die wenigsten Gatekeeper, wie Facebook oder Medienseiten, verschenken ihre Reichweite. Da solche Beiträge in der Vergangenheit aber so oder so schon wenig Reichweite erhalten haben, ist der Effekt meiner Einschätzung nach nicht so groß, wie manche behaupten. Große Reichweite hat auch in den vergangenen Monaten schon Geld gekostet.

Die andere Seite ist allerdings, dass diese Ankündigung von Facebook eigentlich keine Auswirkungen auf eure „Inhalte“ haben dürfte. Gut produzierte und logische Inhalte erhalten weiterhin organische Reichweite auf Facebook. Nur, weil ein paar andere Beiträge ausgeblendet werden, sollte man sich aber keine großen Sprünge in der Reichweite erwarten. Ein paar gute Tipps, wie gute Inhalte aussehen, gibt Facebook selbst in diesem Guide.  

Die gute Nachricht: Facebook gibt ein bisschen Hoffnung für die Facebook-Seite an sich 

Wenn ich die Statistiken der von mir betreuten Seiten anschaue, dann ist es oft auch ein bisschen deprimierend. Die Reichweite der Beiträge im Newsfeed (Impressions im Newsfeed) übersteigt die Reichweite der Seite (Seitenaufrufe) meist um das etwa 100 – 200-Fache, wenn nicht noch etwas mehr. Bedeutet: Von 100 erreichten Menschen im Newsfeed ruft gerade mal einer meine schön gepflegte Seite auf. Wenn man gerade mal etwas für 1 % der Besucher macht, kommt man in die Versuchung, das einfach gar nicht mehr zu tun. Gute Beiträge im Newsfeed sind einfach wichtiger.

Zusammen mit der aktuellen Umfrage hat Facebook nochmals genau analysiert, wie viele Personen Seiten aufrufen: 1 Mrd. Nutzer haben im Oktober Facebook-Seiten besucht. 75 % davon mit einem mobilen Endgerät. Dies scheint Facebook so überrascht zu haben, dass sie direkt erste Rückschlüsse daraus gezogen haben:

„Aufgrund des beträchtlichen Zugriffs auf Seiten suchen wir nach Möglichkeiten, hier neue Funktionen zu integrieren. Vieles davon basiert auf unseren Erkenntnissen, wie Menschen mit Seiten von Unternehmen interagieren. Manche dieser Interaktionen umfassen das Senden von Nachrichten, um direkt mit einem Unternehmen zu kommunizieren, oder das Durchsuchen von Videos und Fotos. Außerdem suchen wir nach Wegen, Seiten von Unternehmen, basierend auf ihrer Branche, besser anzupassen – ähnlich, wie wir es bereits für die Menübereiche für Restaurant-Seiten durchgeführt haben.“

= Yaaaaay. Wir dürfen uns in Zukunft auch wieder vermehrt über neue Features auf Seiten freuen. Facebook widmet den Seiten wieder ein bisschen mehr Liebe. Ich bin gespannt!

Fazit 

In diesem Fall ist der Unterschied zwischen „Werbung“ und „Inhalt“ relativ leicht zu erkennen. Für Ersteres wird die Reichweite weiter eingeschränkt, für Zweiteres bleibt die Reichweite auf dem aktuellen Niveau. Meiner Einschätzung nach bleibt damit fast alles beim Alten. Werbung kostet (mehr) Geld. Reichweite kostet Geld. Eine Content-Strategie (ja ist ein Buzzword, sorry!) und gute Inhalte sparen Geld auf Facebook. Große Panik oder Aktionismus sind beim Newsfeed nicht angebracht … also außer ihr postet nur „Werbung“.

Bild: Shutterstock.com – Kostenko Maxim

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Es gibt 13 Kommentare

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  1. 1
    Christos Papadopoulos

    Ich freue mich auf die kommenden Features für Seiten. Ich bin wirklich gespannt was da auf uns zu kommt!

    Das die Reichweite für Unternehmen weiter runtergeschraubt wird ist Schade, aber das Content der King ist ist ja auch keine neue Geschichte, es zwingt eher alte Werbehasen endlich umzudenken und daher vielleicht garnicht mal so schlecht. :)

  2. 3
    Thomas

    Also haben Facebook Seiten wie Braucht kein Mensch, Sinnlos aber will ich trotzdem oder die Geschenkideen Seiten wie https://www.facebook.com/einzigartige.geschenkideen die Arschkarte gezogen? Schade eigentlich. Sieht so aus als, würde Facebook immer mehr Geld von ihren „Kunden“ abzocken. Ohne Investitionen kann man ja wirklich nicht viel von der Reichweite erwarten. Bin gespannt wie es weitergeht. Wie seht ihr das? Betreibt ihr selber Seiten? Findet ihr es in Ordnung? Ich bin auf eure Meinung gepannt.

    • 4
      Philipp Roth

      Hi Thomas,

      das war aber schon immer so. Es gab Zeiten da hat Facebook solche allgemeine Seiten einfach in Community Pages umgewandelt. Meiner Einschätzung nach völlig zurecht, weil Nutzer Seiten die „Urlaub“, „München“, „Ich liebe Sonne“ usw. liken aber so allgemeine Begriffe eigentlich niemand wirklich gehören. Das wir immer nur genutzt um schnell und einfach Likes zu gerieren und dann die Nutzer zu bespielen. Es mag natürlich ausnahmen geben, aber die meisten Seiten haben schon einen Charakter die Stark in die Richtung von Spam geht.

      Vlg
      Philipp

    • 6
      Philipp Roth

      Das würden wir so nicht Unterschreiben. Es geht ja nur um Inhalte die lt. Facebook Definition „werblich“ sind. Es ist nicht so das wenn du gute Inhalte bewirbst da auf einmal organisch gar nichts passiert. Punkt 3 beschreibt hier nur, dass wenn du eine „werbliche“ Anzeige erstellst und den gleichen „werblichen“ Inhalt dann noch einmal oder öfters organisch Postest die Posts dann entsprechend wenig Reichweite erhalten.

    • 7
      Dirk

      Wenn man es in Abhängigkeit zu Punkt 1+2 betrachtet ja, isoliert interpretiert aber nicht. Ich würde es Facebook ohne weiteres zutrauen. Dennoch widerspricht es irgendwie dem Drängen Facebooks, jeden Post am besten noch zusätzlich zu bewerben. Vielleicht warte ich künftig erst die „normale“ organische Reichweite ab und bewerbe Beiträge erst 3 Tage später… ;)

  3. 9
    jean noir

    Final wird das ganze auf die „kleinen“ Page Admin abgewälzt. Warum? Facebook Werbung wird für große Brands noch teurer, da noch mehr organische Reichweite wegfallen wird. Die User wollen die Werbung dennoch nicht sehen, blenden es aus oder reagieren nicht drauf. Effekt daraus: Große Brands werden, aufgrund von „warum so viel Geld ausgeben für reine Reichweite aber ohne wirkliche Effekt“, Werbebudgets einstampfen. Facebook, wie allen bekannt, ist ne AG und muss final seine Shareholder mit guten Ergebnissen versorgen. Wo also das Geld herholen?? Von den Pages, für die sich Leute interessieren, weil.. haben Sie ja geliked und möchten Sie also auch Beiträge im Newsfeed angezeigt bekommen. FB wird also hier den Druckfaktor des Sinkens der organischen Reichweite auf solche Pages noch mehr umswitchen und so noch mehr „Druck“ ausüben. Facebook ist ja mittlerweile eh keine Social Media Plattform mehr, sondern hat sich fast komplett zur Paid Media Plattform gedreht. Das dieses Vorgehen früher schon mal schief gegangen ist, hat myspace ja gezeigt. FB frustriert extrem Viele, vorallem die, die für Ihre Page die Jahre da vor schon viel Geld ausgegeben haben um sich eine Fanbasis aufzubauen und für genau DIESE soll man jetzt ein zweites Mal zahlen bzw.. drittes, viertes, fünftes Mal.. final für jeden Beitrag. Wenn sich Mr. Zuckerberg hier nicht einen guten Schachzug einfallen lässt, wandern im die User ab (passiert ja jetzt schon). Und von den Millionen 13-15 jährigen Usern.. wird FB sicher nicht leben können. In diesem Sinne – Gute Nacht

  4. 10
    Christian Buggisch

    Ich habe die neuerliche Edgerank-Änderung ein bisschen anders bewertet, zumal sie ja in einer ganzen Reihe von Änderungen steht, die immer mehr darauf rauslaufen, dass Unternehmen für Content und Reichweite bezahlen müssen (was völlig legitim ist). Meine These lautet daher: Die Zeit der elaborierten Content Optimierung auf Facebook ist vorbei, viel wichtiger ist es, die Anzeigen-Logik zu beherrschen. Facebook ist damit nicht mehr Spielwiese für Content-Menschen, sondern für Marketers, die sich z.B. auch um Google Adwords kümmern. Zugegeben etwas zugespitzt und provokant ;) https://buggisch.wordpress.com/2014/11/20/unternehmen-auf-facebook-zeit-fuer-den-paradigmenwechsel/

    • 11
      Philipp Roth

      Ich stimm dir da eigentlich zu. Im besten Fall wird Redaktion und Marketing kombiniert um den größten Effekt zu erzielen. Die Performance von guten Inhalten ist auf Facebook dann eben doch deutlich besser als die von guter „Werbung“. Da haben dann die Content-Menschen doch ein besseres Gefühl was funktioniert. Gute Facebook Ads sind eben (noch) keine Klick-Mich-Du-Sau-Banner ;)

      (Kleiner Disclaimer: Hatte noch keine Zeit deinen Artikel zu lesen.)

  5. 13
    Nik

    Interessanter Artikel! Kann mir jemand erklären wie genau Facebook „Inhalt“ und „Werbung“ unterscheidet? Was zeichnet einen „Inhalts-Post“ im Vergleich mit einem „Werbe-Post“ aus?
    Wo hört „Inhalt“ auf und wo fängt „Werbung“ an?

    Wenn ich einen kurzen Text über den Auftritt meiner Band schreibe, dazu einen Link zu unserer Soundcloud-Page und ggf ein Bild oder Video dazu packe erreiche ich ja praktisch niemanden mehr. Woran genau liegt das und welche Möglichkeiten gibt es das zu ändern?

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