Facebooks Second-Screen-Problem (Updated)

Facebooks Second-Screen-Problem (Updated)


Gestern machte dieses Bild die große Runde in der Social Media Manager Filter Bubble. Es zeigt, wie unterschiedlich gut (oder auch schlecht) der gleiche Inhalt von Snickers auf Facebook und Twitter geteilt wurde. Die Aussage ist klar: Snickers erreicht bei 11 Millionen Facebook-Fans gerade einmal 4000 Likes und 1300 Shares. Auf Twitter werden bei gerade einmal 54.000 Followern 19.000 Favs und 44.000 Retweets erreicht. Fazit: Die organische Reichweite auf Facebook ist im Ar***.

Wohlgemerkt, die (organische Reichweite und) Interaktionen von Snickers. Aber das wurde allzu schnell ausgeblendet und übergangen. Hier sollte man aber nicht von einer Seite auf alle schließen.

Ich denke aber, dieses Beispiel zeigt noch etwas ganz anderes:

Facebook ist nicht das Second-Screen-Medium, welches es gerne sein möchte.

Und schuld daran ist Facebook selbst. Schauen wir uns einmal die einzelnen Aspekte an, die einer guten Second Screen Nutzung entgegen stehen:

  • Filter: Bei einem Fernsehevent möchte ich als Nutzer nicht nur das sehen, was meine Freunde und von Facebook ausgewählte Seiten zu einem Thema sagen, sondern so viel wie möglich. Durch Facebooks Algorithmus bekomme ich also nur Bruchstücke von der eigentlichen Kommunikation mit.
  • Chronologie: Bei jedem Fernsehevent, und erst Recht bei einem Sportereignis, ist die Chronologie entscheidend. Wenn Facebook mir Updates zum „2:1“, „1:0“ und „2:3“ wild durcheinander mischt, weil der Algorithmus nach Relevanz sortiert, ist das absurd.
  • Hashtags: Der Second Screen definiert sich einzig und allein über Hashtags. Zu Schade, dass Facebook in der Android App vergessen hat, eine Hashtag-Suche zu integrieren. Damit zeigt man den 33 % der deutschen Nutzer, die ein Android Gerät als primäres Medium verwenden, einfach mal den Stinkefinger.
  • Geschwindigkeit: Vielleicht ein subjektiver Punkt, aber im Vergleich Twitter und Facebook App zieht Facebook einfach den kürzeren, wenn es um die Geschwindigkeit im Newsfeed geht. Da harkt es das ein oder andere Mal sowohl beim Scrollen wie auch beim Nachladen der neuen Beiträge. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Facebook auf mediale Inhalte setzt, während wir bei Twitter in erster Linie immer noch nur Text sehen.

Trotz dieser bekannten Probleme versucht Facebook bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft das Ruder herumzureißen, um sich in den nächsten Monaten als die wichtigste Plattform rund um solche Großereignisse präsentieren zu können. Nur so können Werbebudgets (zum Beispiel beim Superbowl) weg vom TV und hin zu Facebook bewegt werden.

Doch dieser Versuch scheitert beim Second-Screen-Erlebnis an einer halbherzigen Umsetzung. Denn neben den vier oben genannten Aspekten kommen noch weitere hinzu:

  • Trending Worldcup: Facebook hat sich für die WM eine extra Seite gegönnt, auf der Statusupdates mit dem Hashtag #wm2014 und #worldcup gezeigt werden. Einziges Problem: Diese Seite findet mobil kein Mensch.
  • 99 Prozent Werbeposts: Da der Durchschnittsnutzer die Kombination aus Facebook und Hashtags noch nicht kennt (oder schon wieder vergessen hat) besteht die Trending-Worldcup-Seite zu 99 Prozent aus Werbeposts diverser Pages
  • Gähnende Leere: Läuft ein Spiel dann, gleicht die Trending-Worldcup-Seite für genau diese Begegnung eher einer Wüste, in der ab und an mal ein paar Textbausteine von Facebook vorbeiwehen.
  • Textbausteine: Während des Spiels besteht die „Berichterstattung“ von Facebook aus vorformulierten, sich ständig wiederholenden Textbausteinen. Besonders bei einseitigen Spielen sind fünf bis zehn Posts der Marke „Deutscher Angriff auf das gegnerische Tor“ mehr als langweilig.
  • Facebook Ref: Der Facebook-Schiedsrichter bleibt auf seiner Facebook Page weit hinter den Erwartungen zurück. Die immer selben vorproduzierten Videos für Tore und gelbe/rote Karten sind spätestens beim zweiten Mal nicht mehr witzig. Mit einer halben Millionen Fans bleibt die Seite weit hinter den Erwartungen zurück (trotz Facebook-Anzeigen-Kampagne)

Festhalten kann man am Ende nur, dass Facebook im Moment (mit kleinen Verbesserungen hier und dort) zwar wunderbar geeignet ist, um Kommunikation rund um ein Fernseh-Event zu kanalisieren, nicht aber, während dieser läuft. Bis zum vorherrschenden Second-Screen-Medium ist es noch ein weiter Weg.

 

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Veröffentlichung 27. Juni 2014

Es gibt 2 Kommentare

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  1. 2
    Marcel

    Twitter, Instagram, Pinterest, Google+ uvm. haben alle eine bessere organische Reichweite als Facebook. Ich bin sehr enttäuscht, wenn ich neue Artikel online stelle und absolut niemand sieht, dass ich etwas hochgeladen habe. Es ist ein richtiger Kampf auf Facebook. Bei instagram fühlt es sich an, als hätte ich nach jedem Bild 5 neue Follower^^

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