Kein Datenschutz-GAU: Facebook stellt neuen Anzeigenserver “Atlas” vor

Kein Datenschutz-GAU: Facebook stellt neuen Anzeigenserver “Atlas” vor


Am Montag hat Facebook den Relaunch von “Atlas” vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Dienst zur Verwaltung, Auslieferung und Nachverfolgung von Anzeigen im Web und in Apps auf mobilen Endgeräten. Atlas hatte im März 2013 den Besitzer gewechselt. Zuvor handelte es sich um ein Produkt des Facebook-Partners Microsoft.

Aber was ist die Aufgabe eines Dienstes wie Atlas? Vereinfacht gesagt können damit all die lustig blinkenden Anzeigen, die ihr überall im Web seht, gesteuert werden. Möchte ein großes Unternehmen also ein Produkt mit Werbebannern anpreisen, könnte es dazu zum Beispiel auf Atlas zurückgreifen.

atlas-screenshotMit dem Relaunch hat Facebook nicht nur die Optik des Services angepasst, sondern auch das ganze System von Grund auf neu programmiert. Dabei stand ein Ziel im Fokus: Ein Mensch soll über Browser und Endgeräte hinweg für Werbung ansprechbar sein. Um das zu verstehen, muss man erst einmal einen Schritt zurückgehen. Bisher funktionieren Anzeigenserver auf der Basis von Cookies. Besucht ein Nutzer an seinem Rechner in Browser A eine Webseite mit einer Anzeige, erhält er ein Cookie, mit dem er später bei Nutzung des gleichen Browsers und Rechners wiedererkannt werden kann. So erfährt ein Werbetreibender zum Beispiel, ob der Nutzer direkt oder auch innerhalb einer festgelegten Zeitspanne den Weg zu seiner Webseite oder seinem Onlineshop gefunden hat.

Da Cookies an einen Browser gebunden sind, gibt es viele Möglichkeiten, den Nutzer “zu verlieren”. Sieht er also eine Anzeige in seinem Browser A an seinem Rechner, klickt aber später eine andere Anzeige desselben Werbetreibenden an seinem Smartphone und damit in Browser B an, so kann die Verbindung zwischen den Aktionen nicht hergestellt werden, da am Smartphone das erste Cookie ja nicht vorliegt.

Genau hier setzt Atlas an und führt Informationen über Endgeräte und Browser zusammen. Denn sind für unseren Beispielnutzer beide Endgeräte, also der Desktop-Rechner und das Smartphone bei Facebook bekannt, so kann die Verknüpfung hergestellt werden und der Werbende weiß, dass zwei Einblendungen seiner Anzeige nötig waren, um einen Klick zu erreichen. Zudem stellt Facebook aggregierte und anonymisierte Daten zu den erreichten Nutzern zur Verfügung. Im Moment sind das zum Beispiel Alter und Geschlecht. Damit verbessert Atlas derzeit in erster Linie die Anzeigenauswertung.

Aber auch bei der Anzeigenauslieferung kann das neue System helfen, da zum Beispiel der Besucher einer Webseite anschließend mit Anzeigen nicht nur in dem Browser erreicht wird, mit dem er die Webseite besucht hat, sondern auch auf anderen von ihm genutzten Browsern und Endgeräten.

Ganz wichtig ist an dieser Stelle: Die Werbetreibenden erhalten niemals die Facebook-ID des Nutzers. Auch andere Merkmale, die den Nutzer eindeutig identifizierbar machen, werden nicht an die Werbetreibenden übermittelt.

In der ersten Stufe ist das Netzwerk auch in Sachen “Targeting” noch relativ “dumm” bzw. “einfach”. Mit Targeting bezeichnet man eine Funktion, bei welcher der Werbetreibende vorab seine Zielgruppe definieren kann. Die Facebook-Anzeigen zum Beispiel sind ziemlich intelligent, da der Werbetreibende hier nicht nur anhand von Alter und Geschlecht seine Zielgruppe einschränken kann, sondern zum Beispiel auch über Interessen oder den Wohnort des Nutzers. All das kann Atlas im Moment noch nicht.

Angst vor Atlas muss im Moment also eher Google als der Nutzer haben. Denn Google hat ein so genaues System derzeit nicht für Werbende im Angebot.

Image Credits: Eugenio Marongiu @ Shuttertsock.com

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Veröffentlichung 1. Oktober 2014

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