Wird es in der Zukunft noch möglich sein Facebook als Social Network abzulösen?

Wird es in der Zukunft noch möglich sein Facebook als Social Network abzulösen?


– Gastbeitrag von Sebastian Lange –

Das Geschäftsprinzip von Facebook ist groß angelegt. Sehr groß sogar. Möglicherweise wollten Marc Zuckerberg und CO nicht von Anfang an alle Menschen mit Internetzugang in ihr Social Network bekommen, denn ursprünglich war Facebook ein Studentennetzwerk, doch mit dem raschen Wachstum des Konzernriesen ist Facebook zu einem Sozialen Netzwerk geworden, dass fast jegliche Bedürfnisse abgedeckt und stark zukunftsorientiert denkt.

Doch auch schon bei der Namensgebung, ehemals The Facebook, gelang den Gründern eine allgemeingültige Marke zu kreieren, denn anders als bei StudiVZ oder SchülerVZ impliziert der Name der Marke schon die Zielgruppe. Die VZ-Gründer probierten zwar mit MeinVZ ein allgemeines Netzwerks für Jedermann zu schaffen, doch seit dem Fußfassen von Facebook in Deutschland ist der Traffic der VZ-Netzwerke rückläufig. Ich vermute auch die Anzahl der Neuanmeldungen sinkt, da sich die User mehr auf den Konkurrenten Facebook fokusieren.

Ausschnitt: Position 1 - 5 aus den IVW Online Top 20 Angeboten nach Visits im Juli

Zudem ist Facebook ein Unternehmen, das keine schnellen Profite wollte und auf Werbung für lange Zeit verzichtet hat. Durch die Finanzierungsrunden, bei denen Facebook Anteile an Investoren verkauft habt, konnte man sich weiterhin auf die Erhöhung der Benutzerfreundlichkeit und dem Wachstums des Netzwerkes konzentrieren.
Dadurch entstand ein Social Network, welches für den User so komfortabel ist, dass es alle anderen Social Networks abgelöst hat und in der westlichen Weltalleine an der Spitze reitet.

Facebook hat sich immer noch nicht komplett refinanziert und wird es in naher Zukunft auch nicht müssen, denn es gibt genug Sponsorenangebote, die nur darum ringen Anteile am Social Network Riesen zu kaufen und der Unternehmenswert steigt stetig. Hat einer der ersten Investoren Peter Thiel für 500 000$ noch 7% erhalten, bekam Microsoft für 240 Millionen Dollar nur noch 1,9% der Unternehmensanteile.

Momentan hat Facebook es sogar gar nicht nötig wieder neue Investoren zu finden, da sie jetzt schwarze Zahlen schreiben, auch wenn noch nicht das optimale Werbemodell gefunden wurde. Manche Experten meinen, dass der Wert von 15 Milliarden Dollar für Facebook überschätzt wird, unter anderem, da es möglicherweise einen Rückgang an Useranmeldungen geben wird und Facebook an seine Grenzen stößt.

Doch selbst wenn Facebook mit seinen 500 Mio Nutzern, die locker noch um 200 Mio Nutzer ohne großen Aufwand erweitert werden können, aufhört zu wachsen, bleibt es das größte Social Network. Man darf nicht vergessen, dass Social Networks eine neue Erfindung sind und erst in den letzten 5 Jahren an Popularität gewonnen haben.
Dabei wird es nicht bleiben, denn wenn die Menschheit nicht durch einen Asteroid ausgelöscht wird, dann wird es auch die kommenden 50 Jahre Nutzer für Social Networks geben und darauf ist Facebook zweifellos ausgelegt. Die Datenmenge die dabei entstehen wird ist enorm. Stellt euch vor, dass Online Social Life von 500 Mio Nutzern über 50 Jahre dokumentiert. Facebook würde zur wichtigsten Datenbank der Welt mutieren.
Doch ist das ein realistisches Szenario? Oder wird in 1-2 Jahren ein neues Social Network auftauchen und Facebook ablösen?

Ich wage die These aufzustellen, dass es fast unmöglich ist Facebook als Social Network in der Zukunft noch abzulösen.

Zur Zeit ist Facebooks größter Wiedersacher nicht eines der einschlägigen Sozialen Netzwerke , sondern der Datenschutz. Immer wieder passieren Facebook Datenschutzpannen, weshalb Datenschützer einschlägig vor der Nutzung von Facebook warnen.  Bleibt der Konzern bei seiner aktuellen Unternehmensstrategie und probiert auf Politiker und Datenschützer einzugehen und zu kooperieren, gelingt es ihm wahrscheinlich viele Nutzer, die sich aufgrund mangelnden Datenschutzes bisher zurückgehalten haben, von einer Anmeldung zu überzeugen.
Somit kann der Anstieg der Nutzerzahlen weiter vorangetrieben werden. Fast wichtiger als die Neuanmeldung von Usern ist zudem die Erhaltung der Aktivität. Durch die Zahlreichen Anwendungen und Pages schafft es Facebook seine User täglich aktiv an das Social Network zu binden. Selbst wenn man sich mal bei Facebook ausgeloggt hat, weil man z.B. meint, dass man sein Suchtpensum für Heute schon erfüllt hat J, dann stolpert man auf der nächstgrößeren Nachrichtenseite über einen Like-Button für einen Online-Artikel. Davon profitieren dann die Nachrichtenseiten, Facebook und die User indem sie ihre Zustimmung für beispielsweise ein politisches Thema in einem Artikel ausdrücken können.

Somit hat Marc Zuckerberg, das geschafft, was die MeinVZ Netzwerke und viele andere Social Networks verpasst haben. Facebook hat den Grundstein zum Selbstläufer geschaffen.

Dieser Grundstein deckt nahezu alle Bedürfnisse der Internetuser ab. Zwar bleiben einige wenige Sparten, offen auf welche sich Businessnetzwerke wie z.B. XING oder LinkedIN konzentrieren, doch liegen diese Sparten meiner Meinung nach unter 10%. Wenn Facebook es schafft diesen Marktanteil zu erweitern und zu halten spricht vieles gegen das Aufkommen eines neuen Sozialen Netzwerkes, was Facebook ablösen könnte.

Viele Datenschützer stellen sich die Frage, ob ein Datenmonster, zu welchem Facebook in den nächsten Jahrzenten mutieren wird, für die Gesellschaft gesund ist. Stellt euch vor die Facebookuser ab dem Alter von 14, die sich jetzt bei Facebook registrieren, haben in 60 Jahren ihr komplettes Leben bei Facebook dokumentiert. Ein beängstigendes Szenario, wenn man mich fragt. Die selben Sorgen haben Datenschützer bei Riesenkonzernen wie Google schon seit geraumer Zeit, doch Facebook hat das Potenzial sogar Google abzulösen. Nicht umsonst fürchtet Google vor einer verbesserten Contentwerbung seitens Facebook, um seine Monopolstellung in der Adwords Werbung.

Was denkt ihr dazu? Wird es durch den freien Markt ein Konkurrent in der Zukunft schaffen Facebook zu verdrängen oder können wir uns darauf einstellen, dass wir unsere Facebookprofile noch für die nächsten 50 Jahre behalten werden, da die Seite ewig für uns attraktiv bleibt?

Über den Gastautor:
Sebastian Lange ist Inhaber der Online Marketing Agentur XAVA Media GmbH aus Berlin. Die Kernkompetenzen der Agentur liegen im Bereich SEO und Social Media Marketing. In der Branche tätig ist er bereits seit sechs Jahren.

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Es gibt 19 Kommentare

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  1. 1
    Mario

    Ich denke schon, dass man Facebook vom Thron stossen kann. Das kann mit der richtigen Taktik auch sehr schnell von statten gehen. Dazu bedarf es nur einer Idee und einer Funktionalität, die revolutionär ist oder einfach etwas, was die Leute fesselt.

    Facebook ist einfach modern und alle sind dort, aber genau so schnell kann auch ein anderer gross werden und wenn es attraktiv scheint, werden sich die User auch einfach bei einem weiteren Netzwerk anmelden. Der Konkurrent kann ja neben Facebook wachsen – man muss sich ja nicht für einen Entscheiden. OpenProfile und ähnliche Protokolle und Abkommen machen es auch einfach, sich in mehreren Netzwerken aufzuhalten.

    Facebook ist auch ein Hype und der ist meist nicht von Dauer.

  2. 2
    Daniel

    Hallo,

    Die Frage ist ob es möglich ist Facebook in Sachen Funktionalität zu schlagen. Gerade Facebook Places zeigt ja, dass Facebook immer mehr die Features von anderen Seiten aufgreift und integriert. Ich frage mich welche Niesche für einen Neueinsteiger bleiben mag.
    Gerade in Sachen Programmierung hat FB mitlerweile ja fast unbegrenzten Etat! Ich glaube der Hype von Facebook kann nur sterben durch eine Übersättigung des Users, aber wo wird er dann hinwechseln ?

  3. 3
    Christoph

    Wie lange war es undenkbar, dass jemand Google vom Thron stoßen konnte? Zahlreiche Suchmaschinen später scheint der Herausforderer gerade aus einer Richtung zu kommen, die keiner vermutet hätte: Nicht eine „bessere“ Suchmaschine, sondern als ein neumodischer, erst unterschätzter Trend des Social Network kann bzw. ist Google schon in die Flanken gefallen und beginnt, den Riesen zu überrunden.

    Die Frage ist also nicht: Wird Facebook von einem besseren, schöneren, innovativeren Social Network abgelöst, sondern: Wo liegen die Innovationsschwächen – analog zu Google die „weak spots“ – an denen FB vielleicht ebenfalls unvermutet aufs Gleis gestellt werden kann ;)

  4. 4
    Tim

    Facebook Ziel war und ist es vor allem zu wachsen. Doch um so größer Unternehmen werden, um so weniger innovativ sind sie. Auf jeden fall in der „analogen“ Welt. Und ich denke Google macht das auch gut vor.

    Irgendwann kommt sicher irgendwer daher und löst Facebook ab. Nur wann und wer? Und mit welchen Produkt? Wüßte ich es – ich säße nicht hier :-)

  5. 5
    Oyo

    Eigentlich kaum vorstellbar, dass wir in 50 Jahren noch über Facebook sprechen. Wenn man einfach nur die letzten Jahre Revue passieren lässt, wird doch schnell klar, dass man nur schwerlich in Zeitkategorien von 50 Jahre denken kann. Dass das Bedürfnis nach Kommunikation beim Menschen bestehen bleibt, ist aus meiner Sicht sicher. Wie sich das in kommenden Jahrzehnten sowohl technisch als auch aus der Sicht der Nutzer entwickeln wird ist nicht mal ansatzweise zu erahnen. Klar, Facebook hat momentan die Nase echt vorn und sogar das Potenzial, den Vorsprung noch weiter auszubauen, aber da wird auch weiterhin Platz für andere Anbieter mit anderen (Geschäfts-) Ideen sein. In jedem Fall bleibt es spannend (-:

    So war das übrigens vor 50 Jahren: http://de.wikipedia.org/wiki/1960

  6. 8
    Sven

    Ich gebe Facebook keine 10 Jahre. Ein Beispiel wurde bereits genannt: Google schien auch mal unantastbar. Auch MySpace wurde als „Next Big Thing“ gehandelt und wenn man sich ein paar von Facebooks Features wegdenkt, bleibt (vom Dienst des Providers mal abgesehen) das übrig, was vor 15 Jahren AOL war – und auch da schien es mal undenkbar, dass es verschwinden würde. User sind immer auf der Suche nach Neuem und vor allen Dingen jüngere User suchen Bereiche, wo sie sich von den Älteren abgrenzen können. Sprich: Facebook wird irgendwann „old-fashioned“ sein und schon alleine deswegen an Bedeutung verlieren. Facebook ist nur ein Hype (ein momentan sehr, sehr erfolgreicher, zugegeben) – und Hypes sollte man gerade im Internet nicht überbewerten.

  7. 9
    Stefan M.

    Extrem genialer Artikel und sehr interessant. Das Facebook der unbekannte Konkurrent von Google werden könnte ist schon irgendwie seltsam, aber realistisch.
    Die grösste Stolperfalle für Facebook ist in meinen Augen die Datenschutzpolitik. Auch der nette Like Button wo jeden User auch auf fremden Seiten auswertet, ist fragwürdig als Beispiel.

    Wir werden es sehen, gegebenenfalls haben wir ja eine Idee um Facebook zu stürzen ;)

  8. 11
    Daniel

    Der Artikel dreht sich ja darum ob Facebook im Social Network Bereich abzulösen ist und ich denke, dass in der herkömmlichen Social Network Art wenig Chancen bestehen. Ich finde das Beispiel Google gilt nicht, denn Facebook macht ja als Social Network Google Konkurrenz, was aber nicht bedeuted, dass diejenigen falsch lagen, die meinten Google sei unumstoßbar. Denn auf dem Suchmaschinenmarkt sind sie ja weiterhin die große Nummer Eins!
    Ich denke Facebook kann nur verdrängt werden, wenn es eine ganz andere Art von Social Networks gäbe oder Social Networks einfach nicht mehr modern wären, dann ginge der Hype vorbei.
    Und wie schon vor mir gesagt wurde der Hype von z.B. MySpace ging vorbei, weil es einfach keine Neuerungen mehr gab und darauf gibt Facebook ja acht!

  9. 12
    Marco

    Danke für den sehr interessanter Artikel.

    Es fällt mir schwer vorzustellen das irgendeine Freizeitaktivität (letztlich ist FB ja nichts anderes) die heute ein Trend ist, in 50 Jahren noch genauso beliebt ist.
    Wer kann schon vorher sagen wie bis dahin das Nutzerverhalten der User ist und wie das Internet dann überhaupt aussieht. Für mich ist die Frage daher auch nicht, ob jemand Facebook ablösen kann, sondern von welcher Innovation soziale Netzwerke abgelöst werden.

  10. 13
    Hendrik

    Facebook muss so beweglich bleiben, wie es jetzt ist. Je größer und älter ein Unternehmen wird, desto mehr lässt die Innovationskraft aber häufig auch nach. Ob wirklich nachfolgende Generationen zu Facebook gehen ist ebenfalls eine schwierige Aufgabe. Wenn ich als Kind mitbekommen hätte, das meine Eltern immer auf Facebook sind, hätte ich mir womöglich andere Netzwerke gewählt.

    Ich glaube aber, dass Facebook für eine viel längere Zeit relevant (vor allem für Werbetreibende) bleiben wird, als andere Portale / Unternehmen. Einfach deshalb, weil sie sich sofort innovative Fuktionen einverleiben, die Communities mit einem speziellen Interesse überhaupt für Nutzer relevant machen. (YouTube=Videos, Flickr=Fotos. Qype=Location, MySpace=Music, Xbox Live=Games etc.) – Der zweite Punkt ist, dass Facebook tatsächlich schon rentabel arbeiten und etwaige spätere Konkurrenten durch Werbedruck oder Übernahmen in Schach halten kann.

  11. 14
    Victor

    Facebook ist meiner Meinung nach ein lang anhaltender Trend. Genauso jedoch, wie andere Netzwerke User an Facebook verlieren, wird auch Facebook User an einem Anderen verlieren. In diesem Bereich wird es immer Konkurrenz geben. Es ist auch manchmal, wie bei einem zu Hause. Irgendwann passt einem die Möbel und die Wandfarbe nicht mehr. Zeit für ein Wechsel. Zeit für ein neuen Trend.
    In einem solchen Fall, kann Facebook evtl. zur gegebener Zeit, ein neues Netzwerk unter einem anderen Namen aufbauen, das zeitgemäßer ist. Daten sind ja genug vorhanden.

  12. 15
    Elke Burmester

    „Für mich ist die Frage daher auch nicht, ob jemand Facebook ablösen kann, sondern von welcher Innovation soziale Netzwerke abgelöst werden.“

    @Marco:
    Eigentlich gibt es diese Inovation bereits und heißt m.E. RSS-Feeds. Allerdings fehlen noch einige Plugins / Module für WordPress, Joomla & Co, die eine (private) Vernetzung möglich machen.

    Die Vorteile liegen auf der Hand:
    Jeder entscheidet wem er welche Daten wann zur Verfügung stellt.
    Nicht einer (z.B. Zuckerberg) hat alle Daten, sondern viele haben wenige Daten und auch nur die, die sie wirklich haben wollen.

    Verrückt? Unmöglich?
    Nein. Es braucht nur etwas Zeit. D.h. die Programmierung sollte nach einigen Monaten Arbeit fürs Erste abgeschlossen sein. ;-)
    Freiwillige vor…
    … ich helfe auch gerne, soweit es meine Zeit erlaubt, mit.

  13. 17
    ND

    Interessant Diskussion… aber müsste man nicht viel mehr auf die Inhalte achten, was rein redaktionell bei der Größe, die Facebook hat, nicht machbar ist, wenn man tatsächlich etwas besseres anbieten will?

    Das Netzwerk, das eines Tages nach Facebook kommt, müsste was Qualität und Nutzen soviel zu bieten haben, das es schon fast an Zensur grenzt. Anders kann ich mir derzeit einen Nachfolger nicht vorstellen.

  14. 18
    HG

    Glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast…

    Die VZ-Netzwerke haben hauptsächlich Schüler und Studenten als Mitglieder. Da spielen die Sommerferien eine große Rolle. Im Juli waren in vielen Bundesländern Sommerferien, im Juni noch nicht. Wenn ich also Juli mit Juni vergleiche, muss ich mit einem Minus bei VZ-Besuchen rechnen. Natürlich trifft dies Facebook nicht so stark, da hier die Mitglieder älter sind. Aber die Juni-Statistik, wo die VZ-Netzwerke oben standen, hätte wohl nicht so gut zum Artikel gepasst.

    Ob Facebook abgelöst werden kann? Natürlich. Netscape wurde vom Internet Explorer abgelöst, Yahoo von Google, Second Life war doch nur ein Hype, … nichts ist im Internet in Stein gemeißelt.

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