Was wäre wenn … ein Facebook ohne „EdgeRank“

Was wäre wenn … ein Facebook ohne „EdgeRank“


Bastografie / photocase.com

Bastografie / photocase.com

Eins vorab: Ich weiß, dass es keinen „EdgeRank“ gibt. Wenn ich das Wort im Folgenden nutze, meine ich damit immer den Newsfeed Algorithmus, der bestimmt, was wir auf Facebook sehen.

In den letzten Tagen hatte ich ein paar Diskussionen unter anderem dazu, was der Facebook EdgeRank aus Facebook gemacht hat und wie Werte wie Interaktionsrate und PTAT Wert das Community Management in die völlig falsche Richtung treiben. Gleichzeitig muss Facebook uns durch Algorithmen vor dem größten (und nach Facebooks Ansicht unrelevanten) Mist schützen. Denn bei 130 Freunden und 20 – 30 Pages, sowie unzähligen Gruppen und Veranstaltungen kommen schnell mehrere Hundert Newsfeed Beiträge am Tag zusammen.

Welchen Effekt hätte aber dieser -rein hypothetische- ungefilterte Newsfeed für den Nutzer und auch für die Marken? Ich glaube, es wäre ein heilender Effekt.

Der Nutzer steht plötzlich vor der Wahl: komplette Überforderung und daraufhin Aufgabe des Newsfeeds oder aber Auseinandersetzung mit den Mechanismen und Einstellungsmöglichkeiten der Plattform. Denn jeder Nutzer weiß am Ende doch besser, was und vor allem wer ihn auf Facebook interessiert, als es ein EdgeRank an Hand geheimer Formeln ermitteln kann. Quasi die Emanzipation des derzeit bevormundeten Facebook-Nutzers.

Natürlich werden mir jetzt Kritiker entgegnen, dass man das doch längst einstellen kann. Für jeden einzelnen Nutzer kann ich – wenn auch erst nach zwei Klicks – sagen, ob ich von ihm „alles“, „das Meiste“ oder „das Wichtigste“ sehen möchte. Das stimmt natürlich. Nur diese drei Kategorien sind verdammt intransparent. Es sollte doch möglich sein, alle Interaktionen auf Facebook in 6 – 7 Kategorien einzuordnen. So wie ich bei Facebook sagen kann, welche Profilinformationen mein Gegenüber von mir sehen darf, könnte ich doch auch im Gegenteil definieren, welche Informationen ich über einen Nutzer erfahren möchte. Hier kann man zwar bei Facebook auch sagen, dass ich von meinem Freund Max keine Posts über Spiele mehr sehen will, aber auch dies ist nicht die Lösung.

Bei Facebook-Seiten wurde das Ganze noch einfacher. Entweder ich möchte als Nutzer Updates der Seite sehen oder nicht. Punkt. Wenn wir für Facebook noch ein Geschäftsmodell mit unterbringen wollen, gibt es als Drittes die Option, dass ich mir nur die Statusupdates anzeigen lasse, für die ein Unternehmen Geld an Facebook gezahlt hat. Also Sponsored Posts.

abc

Ein sehr schlechtes Beispiel, wie weit Unternehmen für ein paar Likes gehen – die sehr eigenwillige Interaktionsaufforderung resultiert 1:1 aus dem EdgeRank

Für Unternehmen würde das eine viel größere Sicherheit mit sich bringen. Ich bin nicht mehr davon abhängig, wie der EdgeRank meine Inhalte bewertet, sondern sehe vorab klipp und klar, wie viele meiner Fans überhaupt meine Nachrichten sehen wollen, wie viele bereit wären, sie anzusehen, wenn sie hervorgehoben wäre und wie viele überhaupt kein Interesse an meinen Nachrichten haben.

Dies hätte letzten Endes, und das ist für mich das wichtigste Argument, einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität der Beiträge, die ein Unternehmen auf Facebook postet. Während im Moment im Sinne des EdgeRanks und der damit verbundenen Reichweite alles auf Interaktion getrimmt wird, stände bei einem ungefilterten Newsfeed die Relevanz für den Fan und Nutzer im Vordergrund. Einhergehend damit wäre auch wieder die einfache Konsequenz, dass Unternehmen weniger Inhalte produzieren und posten. Denn mal ganz ehrlich, es gibt verdammt wenige Unternehmen von denen ich als Kunde 10 – 20 Mal in der Woche etwas im Newsfeed sehen möchte. Unternehmen, die mir 20 Mal in der Woche einen Newsletter schicken, sind auch nicht gerade meine besten Freunde. Wir sind uns sicher, ohne den EdgeRank würden die Fans auf einmal deutlich mehr ausblenden. Die Chance, jemals wieder im Newsfeed des Nutzers aufzutauchen, wäre damit vertan.

Heute Abend will Facebook bei einer Pressekonferenz über den Newsfeed und den Algorithmus dahinter sprechen. Dass der Newsfeed Algorithmus verschwindet, ist wohl eher unwahrscheinlich, genauso unwahrscheinlich ist es, dass Facebook alle Nutzer komplett mündig macht. Schade.

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Veröffentlichung 6. August 2013

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