Personalisiertes Facebook Video: Steck deine Freunde in den Sack

Personalisiertes Facebook Video: Steck deine Freunde in den Sack


Bereits vor ein gut ein bis zwei Wochen wurde eine neue Kampagne von Notruf Deutschland veröffentlich die speziell auf Facebook Nutzer zielgerichtet wird. Dabei wird die bereits bekannte Technik eines personalisierten Videos genutzt für die es inzwischen viele Beispiele im Web gibt. Wir erinnern uns hier z.B. an Think Blue von VW im März 2010.

Die Kampagne ist über die Seite http://www.notruf-deutschland.com/ erreichbar. Gut gemacht ist allerdings auch hier der Personalisierung des Videos in kombination mit der Story. Erst durch gute konzeptionelle Arbeit wird ein solches Video im Web erfolgreich. Die Story ist dabei relativ einfach: Drei junge Mädels vergöttern ihren Schwarm der in diesem Fall durch den eigenen Facebook Account repräsentiert wird. Die Mädels zeigen sich passende Fotos oder auch neue Tattoos bis die Story dann schließlich eine düstere Wendung nimmt.

Technisch lässt sich an der Kampagne nichts aussetzen da zumindest wir auf keine Probleme gestoßen sind. Natürlich kommt die Anwendung nicht ohne eine Datengenehmigung aus. Schön finden wir allerdings auch, dass es sich hier nicht um eine 100%ige Facebook Lösung handelt und andere Nutzung die Anwendung auch nutzen können nach dem sie die entsprechenden Daten von Hand eingegeben haben. Insgesamt also eine gute Kampagne die wohl auch mit einem überschaubaren Budget ausgekommen ist.

Um euch noch ein paar Insights mehr zu bieten haben wir mit Jiannis Sotiropoulos von doodem gesprochen der für die Produktion zuständig ist. So war z.B. Dreh und Konzept deutlich weniger aufwendig als die spätere Umsetzung des kompletten Konzepts. Er hat uns sogar einen Blick in die Facebook Insights gewährt, was bei vielen anderen Apps sonst schwierig ist.

1. Hi Jiannis, danke für die Zeit. Kannst du dich und deine Rolle im Projekt kurz vorstellen?

Hi Philipp, ich habe zu danken. Ich bin einer der drei Gründer der Berliner Produktionsfirma doodem. Bei doodem produzieren wir interaktive und transmediale Inhalte. Ich bin im Projekt für die technische Entwicklung und die strategische Planung verantwortlich.

 2. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Der Trailer treibt das Motto der Reality Show ‚Notruf Deutschland‘ auf die Spitze: Hilft, wo andere nicht mehr helfen können. Uns war wichtig, die Kampagne zielgruppenspezifisch zu gestalten. Unsere Zielgruppe, die MyVideo-Community, ist in Facebook sehr aktiv und hauptsächlich männlich, zwischen 20 und 35 Jahre alt (fast 50%).

Unser Ziel war es, in wenigen Minuten eine Geschichte zu erzählen, die Spannung aufbaut und den Zuschauer am Ende überrascht. Die Spannung sollte auch durch die Integration von Facebook verstärkt werden. Nutzerdaten werden langsam und subtil in der Geschichte eingebettet. Erst am Ende des Films merkt man, wie tief die Integration der eigenen Profildaten ist.

Im Trailer findet man viele Referenzen auf Film und Internetkultur. Asiatische Horrorfilme wie „Audition“ und „Tale of two sisters“ haben die Geschichte stark beeinflusst. Auf der anderen Seite haben Hollywoodfilme wie „Mean Girls“ die Ästhetik geprägt, während Internet memes wie „boxxy“ und „pedobear“ uns auf das Format gebracht haben.

 3. Wie genau lief denn die Umsetzung bei euch?

Wir hatten das große Glück, dass unsere Partner uns komplett vertraut haben. Sofort nach Abgabe des ersten Konzepts für den Trailer und der ersten Vorlage des Drehbuchs waren wir frei, die Kampagne nach unserer Vorstellung umzusetzen.

Zugegebenermaßen waren wir skeptisch, ob die letzte Szene zu blutig ist und wie sie bei den Partner ankommt. Dafür haben wir drei Versionen gedreht, sogar eine ohne Blut – stattdessen Milch! Auch das war aber am Ende kein Problem und wir durften uns mit dem Blut voll austoben. Der Dreh hat dann zwei Tage gedauert – die Preproduction allerdings einen guten Monat. Wir haben mehr Zeit und Ressourcen in die Preproduction investiert, weil die konzeptuelle Umsetzung eine große Herausforderung war.

Nach dem Dreh haben wir dann noch mal fast zwei Monate mit der Postproduction verbracht. Hier ging’s um technische Entwicklung, Farbkorrektur, Tonbearbeitung, Musikkomposition, usw.

 4. Wie lief die technische Umsetzung ab, was steckt denn hinter dieser Anwendung?

Die technische Umsetzung war unsere zweite große Herausforderung. Es war uns vom Anfang an klar, dass wir die Kampagne mit Flash entwickeln, weil HTML5 noch nicht reif war für solche komplexen Anwendungen. Das hieß aber gleichzeitig, dass die Anwendung sehr ’schlank‘ sein sollte, weil Flash immer noch extrem dafür kritisiert wird, dass die Performance nicht rund läuft. Wir haben über zehn Versionen der Engine entwickelt, um das ‚memory footprint‘ so niedrig wie möglich zu halten.

Für die Integration der Bilder haben wir die ‚Rotoscoping‘-Technik genutzt: Schon beim Dreh haben wir Green-Screens genutzt (nämlich immer da, wo die Nutzerbilder auftauchen). Die grünen Flächen werden dann per Frame in After Effects getrackt. Die Position jeder Fläche (die X- und Y-Koordinaten jeder Ecke) werden in cue points im Film gespeichert. Die Daten kann Flash auslesen und die Bilder entsprechend verzerren und bewegen. Danach werden die Bilder dann weiter vom Flash bearbeitet. Ein Histogramm jedes Bildes wird erstellt, um die Farbskala des Bildes an die des Filmes anzupassen.

Serverseitig werden verschiedene php-Skripte genutzt, um für jeden Nutzer eine verschlüsselte Datei, also sein eigenes Video, zu erstellen.

 5. Ganz problemlos war es dann aber doch nicht, ich hab gehört, ihr musstet kurz nach dem Start etwas an der Technik verändern?

Das stimmt. Die Infrastruktur der Applikation hatte täglich ein Verzeichnis erstellt in welchem alle verschlüsselten Nutzerdateien des Tages gespeichert wurden. Wir hatten mit insgesamt nicht mehr als tausend nutzererstellten Videos pro Tag gerechnet, was langfristig kein Problem für den Server wäre. (Kurz zur Erklärung: Wenn ein Verzeichnis viele Dateien beinhaltet, auch wenn man nur eine auslesen möchte, wird der Zugriff auf das Verzeichnis sehr langsam.)

Ein paar Tage nach dem Launch aber hatten wir schon mehrere Tausend nutzererstellte Videos pro Verzeichnis/Tag. Dies wäre langfristig problematisch.

Wir haben die Infrastruktur also übers Wochenende (wo Traffic immer langsam ist) geändert; jetzt werden die Verzeichnisse stündlich erstellt.

6. Welche Erfolge konntet ihr verbuchen, kannst du uns vlt. ein paar Insights der App auf Facebook geben?

Es gab so viel positives Feedback, dass es unsere kühnsten Erwartungen übertroffen hat. Schon zwei Wochen nach Launch des Trailers hat ‚Notruf Deutschland‘ den ’site of the day‘-Award von FWA gewonnen, sowie einen Platz bei facebook-studio ’spotlight‘ und den ’site of the month‘-Award von dopeAwards. Diese Erfolge spiegeln sich auch in der Teilnahme der Nutzer wieder. Schon jetzt, nach nur zwei Wochen, wurden mit unserer App über 12.000 Videos erstellt. Über 70% davon sind über Facebook Connect erstellt worden.

Wir sind auch froh zu sehen, dass wir in diesen ersten Wochen auch wirklich die gewünschte Zielgruppe angesprochen haben – 51% unserer Nutzer sind männlich und zwischen 20 und 35 Jahre alt. Wir sind wirklich gespannt auf die nächsten Schritte der Kampagne. Bald geht es los mit noch mehr Content – ich würde allen raten, dranzubleiben!

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