Mark Zuckerberg in Berlin oder: Warum Facebook längst nicht mehr nur ein soziales Netzwerk ist

Mark Zuckerberg in Berlin oder: Warum Facebook längst nicht mehr nur ein soziales Netzwerk ist


– Gastbeitrag von Christiane Germann –

Seit Freitagabend, 18 Uhr, ist er um: Mark Zuckerbergs zweitägiger Berlin-Besuch. Er traf Politiker und Studenten, joggte durchs Brandenburger Tor, nahm den ersten Axel-Springer-Preis entgegen und brachte nicht nur Ehefrau Priscilla, sondern auch seine Mission mit in die Hauptstadt: Facebook hat das größte soziale Netzwerk geschaffen – jetzt möchte das Unternehmen weiter die Welt verändern.

Wie? Das erfuhren Peter Altmaier, Peter Tauber, Doro Bär und andere bekennende Social Media-affine Promis, die er durch die Ausstellung „Facebook Innovation Hub“ führte, aus allererster Hand. Das „Innovationszentrum“ war anlässlich Marks Besuch für nur wenige Tage in der Nähe des neuen Berliner Hauptstadtbüros von Facebook aufgebaut. Auch ich durfte für allfacebook.de vorbeischauen.

In welche großen Innovationsprojekte investiert Facebook?

Im Wesentlichen wurden in Berlin drei Großprojekte von Facebook vorgestellt und erlebbar gemacht:

1. Internet.org/Free Basics

Hierbei handelt es sich um eine Partnerschaft von Facebook mit anderen Unternehmen (unter anderem Samsung und Nokia), die es sich zum Ziel gesetzt hat, die immerhin zwei Drittel der Weltbevölkerung mit Internet-Zugängen zu versorgen, die bisher noch vom World Wide Web „abgeschnitten“ sind. Das ist natürlich nicht einfach, funktioniert aber unter anderem mit Drohnen sehr geringen Gewichts, deren Flügelspannweite jedoch die einer Boeing 757 überschreitet. Im „Innovation Hub“ wurden verkleinerte Modelle gezeigt.

Um ärmere Menschen am Netz partizipieren zu lassen, werden ihnen Internet-Basis-Dienste kostenlos zur Verfügung gestellt – darunter natürlich Facebook, aber auch andere nützliche Seiten von Sportergebnissen bis hin zu Wettervorhersagen, die der philippinische Landbauer bisher eben nicht empfangen konnte.

2. Künstliche Intelligenz

Unter diesem Begriff verbirgt sich automatische Bild- und Spracherkennung, die nicht nur genutzt werden kann, um den Facebook-Algorithmus besser zu machen und missbräuchliche Inhalte schneller aus den sozialen Netzwerken herauszufiltern, sondern beispielsweise auch, um blinden und tauben Menschen virtuelle Inhalte besser „übersetzen“ zu können. Im Tochterunternehmen Facebook Artificial Intelligence (AI) Research Lab unter der Leitung von Yann LeCun (der ebenfalls mit in Berlin war) wird rege geforscht – und zwar in Europa, da die hiesige Wissenschaft bei dem Thema bereits weiter ist als in den USA.

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Die Technik ist noch nicht fertig ausgereift, man konnte sich in Berlin aber bereits ganz praktisch von den bisherigen Fortschritten überzeugen: Legte man eins von rund fünfzig Hundefotos unter eine Kamera, erkannte der Rechner mühelos die genaue Rasse. Bei echten Spielzeugen und ins Mikrofon eingesprochenen Sätzen gab es dagegen noch Verwechslungen.

Um das Thema weiter voranzutreiben, unterstützt Facebook die deutsche AI-Forschung mit einem Förderprogramm. Die ersten vier von 25 Hochleistungsservern brachte Mark der TU Berlin gleich mit.

3. Virtual Reality

Wer derzeit eine offizielle Veranstaltung von Facebook besucht, hat schnell auch eine Oculus-Brille auf. Facebook hat das Unternehmen bereits 2014 übernommen. Diese Woche nun hatte ich die schöne Gelegenheit, gleich mehrere verschiedene Brillen für allfacebook.de zu testen und mich in unterschiedlichen „Welten“ zu bewegen. Diese haben eins gemeinsam: Man kann in jede Richtung schauen und die virtuelle Umgebung „zieht mit“.

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Ich flog unter anderem über eine norwegische Landschaft (Virtual Reality-Geräte werden bereits von Reiseveranstaltern genutzt) und spielte faszinierend echte Computerspiele mit der Oculus Rift. Die bisherige Königsdisziplin ist die Oculus Touch: Trägt man sie, kann man in einer künstlichen Umgebung Gegenstände aufheben und benutzen, mehrere Personen können miteinander interagieren. Schon nach wenigen Minuten fühlt sich diese virtuelle Welt so echt an, dass man Gefahr läuft, hinzufallen – etwa, weil man sich auf einen Tisch stützen will, der in Wirklichkeit natürlich gar nicht da ist. ☺ Faszinierend! Die Oculus Rift ist seit Kurzem als eine Art Virtual Reality-Playstation auf dem Markt, die Oculus Touch wird weiterentwickelt. Der Plan von Facebook ist, dass die Geräte irgendwann nicht mehr groß und sperrig sind (und aussehen, wie sie aussehen), sondern in etwa das Format normaler Brillen haben. Gepaart mit sinnvollen Anwendungen jenseits von Computerspielen wird das sicherlich großartig werden!

„Mark, wie würdest du Twitter retten?“

Und dann war da noch das „Townhall Q & A“-Meeting mit Studenten, das am letzten Tag von Zuckerbergs Berlin-Besuch stattfand. Mark hat dieses Format auch schon in anderen Städten genutzt, um direkt mit den Nutzern von Facebook ins Gespräch zu kommen. Journalisten hatten hier zwar Zutritt, wurden aber auf die hintersten Plätze verbannt – Fragen durften nur die Studenten stellen. Wer eine Art kuscheliges Kamingespräch mit wenigen Teilnehmern erwartete, lag falsch: Das Event fand mit 1.400 Gästen in der Treptower Arena Berlin statt und hatte damit das Look and Feel eines Popkonzerts. Wer nicht vor Ort war, konnte per Livestream zuschauen.

Mark Zuckerberg in Berlin

Obgleich die Fragen vorab ausgewählt wurden, waren einige interessante dabei, beispielsweise die, wie er Twitter zu neuen Höhenflügen bringen würde, wenn er deren Chef wäre. Er wich verständlicherweise der Frage aus (schließlich wurde auch sein Netzwerk schon mal totgesagt) – und erzählte stattdessen, wie er Instagram mit damals 20 Millionen Nutzern gekauft und zur heutigen Größe ausgebaut hat. Er räumte auf Nachfrage ein, dass Facebook in der Vergangenheit zu wenig gegen „Hasskommentare“ an die Adresse von Flüchtlingen und Zuwanderern auf der Plattform getan habe und stellte klar: „Hatespeech hat auf Facebook keinen Platz“. Er lobte Merkels Flüchtlingspolitik als „inspirierend“ und nannte sie „beispielhaft für den Rest der Welt“. Hierfür bekam er großen Applaus. Seine Antwort auf die Frage nach seinem Zeitmanagement beim Spagat zwischen Familie und Facebook fand wiederum ich inspirierend: Er antwortete, dass er ständig über Facebook nachdenke und dass ihn das auch nicht störe. Er liebe seinen Job und empfehle jedem, der am Ende des Tages feststelle, zu viele als nervig empfundene Dinge zu tun, etwas an seinem Leben zu ändern.

Das Publikum erlebte eine Stunde lang einen sympathischen, entspannten und der Sache zugewandten Facebook-Chef. Auch im Q & A ließ er die Chance nicht ungenutzt, über die beschriebenen Innovationsprojekte zu sprechen. Man merkt, dass diese ihm besonders am Herzen liegen – und Facebook längst mehr ist als „nur“ ein soziales Netzwerk.

Über die Autorin:

12788944_10208589870482611_250779933_oChristiane Germann ist derzeit mit der Einführung von Social Media im Bundesministerium des Innern betraut. Außerdem bloggt sie zum Thema (Amt 2.0 – Social Media in der öffentlichen Verwaltung) und schult Behörden, die im Social Web aktiv sind oder werden wollen. Auf der letzten Allfacebook Marketing Conference war sie als Speakerin mit dabei.

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Es gibt 1 Kommentar

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  1. 1
    Marie Wildermann

    Mark Zuckerberg nur mit Vornamen zu nennen, mag ja sehr hip klingen und sehr amerikanisch, ist aber in einem journalistischen Artikel völlig unangebracht und ein Hinweis auf fehlende kritische Distanz. Aber die ist ja offenbar eh nicht das Thema der Kollegin …..
    Mit besten Grüßen
    Marie Wildermann

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