Kann Google Plus Facebook gefährlich werden?

Kann Google Plus Facebook gefährlich werden?


– Gastbeitrag von Björn Tantau

ImageCredits: sajola / photocase.com

ImageCredits: sajola / photocase.com

Facebook steuert als größtes soziales Netzwerk auf die Rekordmarke von 1 Milliarde aktiver Nutzerinnen und Nutzer zu. Für ein Projekt, das Ende 2003 in einem Studentenwohnheim in Harvard entstand und somit noch nicht einmal 10 Jahre auf dem Buckel hat, eine mehr als beachtliche Leistung. Facebook hat den digitalen Alltag im Internet sehr fest im Griff und tut viel, um seine Vormachtstellung zu festigen und auszubauen. Bisher gab es keine wirkliche Konkurrenz und die Dominanz von Facebook hinterließ vor allem 2010 und 2011 deutliche Spuren. Kein Wunder also, dass sich Google als bis dato erfolgreichste und größte Website im weltweiten Internet nicht in die Defensive drängen lassen wollte. Dementsprechend schuf man mit Google Plus ein eigenes soziales Netzwerk, das jetzt seit etwas mehr als 6 Monaten am Start ist.

Die Integration von Google Plus in viele Google-Produkte nimmt seit einigen Wochen immer mehr Fahrt auf und seit letzter Woche gibt es mit “Search Plus Your World” erstmals eine enge Integration von Ergebnissen direkt aus Google Plus in der personalisierten Google Suche. Aber reichen diese Maßnahmen, um Facebook wirklich gefährlich werden zu können? Schafft man es bei Google, sich von einem eher technologie-orientieren Konzern zu einem “Social Media Player” zu entwickeln? Und bietet Google Plus überhaupt echte Vorteile und solche Mehrwerte gegenüber Facebook, die die Masse an Nutzern zu einem Wechsel bewegen könnten? Diese und andere Fragen beleuchtet der folgende Artikel und versucht zu klären, ob Google Plus wirklich eine ernsthafte Bedrohung für Facebook darstellt.

Facebook ist DAS soziale Netzwerk

2004 begann an der US-Eliteuniversität Harvard der Siegeszug von Facebook. Wer die Geschichte recht genau erfahren und verstehen möchte, dem sei der Spielfilm “The Social Network” empfohlen. Mark Zuckerberg schaffte es, mit einem innovativen Rezept die Blicke auf sich und sein Produkt zu lenken. Die Folge: Schon nach kurzer Zeit stiegen die Mitgliederzahlen von Facebook in die Höhe. Mit immer neuen Features und Einstellungen schafften Zuckerberg und sein Team den Sprung an die Spitze aller sozialen Netzwerke. Und selbst in Ländern, wo es Klone von Facebook gab (wie bei uns z. B. “StudiVZ”) spielten diese anderen Netzwerke recht schnell keine wirkliche Rolle mehr.

Facebook ist also DAS soziale Netzwerk. So sehen es heute die meisten Nutzerinnen und Nutzer im Internet und das Wort “Facebook” kennt mittlerweile so gut wie jeder – ähnlich wie das mit “Google” ist. Und genau so, wie “googlen” von den meisten Menschen mittlerweile mit “im Internet suchen” gleichgesetzt wird, denken sehr viele bei “Facebook” spontan an soziale Netzwerke.

 

Facebook

Facebook

In einem solchen Umfeld ist es für einen Neuling wie Google Plus schwierig, neue User zu gewinnen. Einen Vorteil hat Google Plus allerdings: Schon vor dem Start des eigenen sozialen Netzwerks hatte man eine große “Fanpase” – Nutzerinnen und Nutzer also, die bei Google angemeldet sich und somit zumindest potenziell auch zu Usern von Google Plus gemacht werden können. Diese Strategie hat auch recht gut geklappt, allerdings ist man bei Google Plus von Nutzerzahlen wie denen bei Facebook noch Lichtjahre entfernt. Diese Methode wird insofern also ganz sicher nicht dazu beitragen, dass Google Plus Facebook gefährlich werden kann. Zumindest nicht in nächster Zukunft.

Bei Facebook sind alle Freunde angemeldet

Facebook hat noch einen weiteren, extrem großen Vorteil, denn bei Facebook sind alle Freunde angemeldet. Es klingt anmaßend, aber es ist wirklich so: Ist man heute im Netz sozial aktiv und will man dabei sein und wissen, was die Freunde so treiben, dann sollte man bei Facebook einen Account haben. An keinem anderen Ort im Netz kann man blind davon ausgehen, dass so gut wie alle die man so kennt, auch dort sind (kommt natürlich auch auf die Altersgruppe an). Und warum auch nicht? Facebook bietet dank seines Aufbaus und natürlich der Features die optimale Plattform für zwanglose Gespräche. Obwohl Facebook an sich teilweise komplex erscheint und für manche auch auf den ersten Blick verwirrend erscheinen mag, ist es von den Grundfunktionen her leicht und verständlich aufgebaut.

So kann man schon nach wenigen Minuten mit seinen Freunden Kontakt aufnehmen. Chat- und Nachrichtenfunktion sind mehr oder minder selbsterklärend und dank der umfangreichen Möglichkeiten, eigene Daten anzugeben, findet man die richtige Person auch recht schnell. Auch das Prozedere mit den Freundschaftsanfragen ist simpel – wer also offline befreundet ist, der wird das mit 99%iger Wahrscheinlichkeit auch bei Facebook sein. Der Vorsprung der letzten Jahre hat dafür gesorgt, dass 2012 im Grunde jeder jemanden kennt, der bei Facebook ist. Selbst wenn man also nicht aktiv dabei ist, kommt man durch Einladungen immer wieder mit Facebook in Berührung. Der soziale Sog ist entsprechend stark und wird vermutlich in Intensität weiter zunehmen.

Bei Google Plus ist das anders: Hier gibt es eher ein “Freundschaftsprinzip”, wie man es von Twitter kennt. Ich kann Leuten also folgen, mit denen ich aber nicht befreundet sein muss. Auf der anderen Seite können Leute auch meine Veröffentlichungen sehen, ohne dass sie mit mir befreundet sein müssen. Was auf der einen Seite also vielleicht sogar als Vorteil zu erachten ist, nämlich das ungezwungenere Folgen von eigentlich unbekannten Leuten ohne “befreundet” zu sein, ist auf der anderen Seite auch ein Nachteil, weil ein gewisses Maß an Vertrautheit wegfällt. Bei Google Plus bleibt man leichter “anonym”, man muss nicht so enge Verbindungen eingehen wie bei Facebook. Für manche ist das gut, der größte Teil der Nutzer schätzt jedoch die Vertrautheit unter echten Freunden – auch online. Es ist interessanter, Dinge von Leuten zu erfahren, die man wirklich kennt, zumindest im privaten Bereich. Deshalb hat Facebook auch hier klare Vorteile und es scheint derzeit nicht so, als könne Google Plus in diesem Bereich aus eigener Kraft dafür sorgen, dass die Nutzerinnen und Nutzer Facebook in Scharen verlassen.

Google Plus ist nicht organisch gewachsen

Facebook ist im Laufe der Zeit entstanden. Es ist gewachsen, wurde erweitert, umgebaut, geändert, etc. – bei Google Plus ist das nicht der Fall. Dem sozialen Netzwerk aus dem Hause Google fehlt in vielen Punkten “das gewisse Etwas”. Es hat derzeit teilweise den Charme einer am Reißbrett hochgezogenen Neubausiedlung, während Facebook eher das “urige Viertel” mit Cafés, Kneipen und Clubs ist.

Google Plus

Google Plus

Solche eher emotionalen Aspekte sind bei einem sozialen Netzwerk durchaus wichtig. Die Gestaltung eines sozialen Netzwerks hat ganz klar Auswirkungen darauf, ob sich dort neue User anmelden oder nicht. Obwohl Google Plus vom Design her durchaus gelungen ist, wirkt es insgesamt gesehen doch sehr technisch. Facebook hingegen kann mit lange vertrauten Elementen punkten. Auch wenn ständig neue Features hinzukommen und Funktionen verändert werden, bleiben die Nutzer Facebook doch überwiegend treu (schließlich würden sie Nutzerzahlen sonst fallen).

Die emotionale Vertrautheit muss bei Google Plus also erst noch geschaffen werden. Weil diese Vertrautheit aber für die Nutzerbindung und somit die Empfehlung an potenzielle neue Nutzer sehr wichtig ist, wird Google Plus es auch in diesem Punkte schwer haben, Facebook gefährlich zu werden. Das kann sich natürlich ändern, wenn einige Zeit ins Land gezogen ist und Google Plus möglicherweise auch einen solchen Sog auf potenzielle Nutzer entwickelt. Es ist derzeit allerdings schwer zu glauben, dass das so bald passieren könnte.

Facebook hat ein Problem mit dem Datenschutz

Allerdings ist auch bei Facebook nicht alles Gold, was glänzt. Die ewig schwelende Diskussion um das leidige Thema Datenschutz ist in den letzten Wochen etwas aus dem Blickfeld geraten, was aber nicht bedeutet, dass das Thema auch erledigt ist. Besonders mit der neuen Chronik (auch “Timeline” genannt) hat Facebook erneut gezeigt, dass man auf jeden Fall noch mehr Daten seiner Nutzer haben will. Der Hintergrund ist klar: Mehr Daten bedeuten bessere Profile. Mit genaueren Profilen kann man die Interessen der Nutzerinnen und Nutzer besser eingrenzen und ihnen so passendere Werbung zeigen. Werbetreibende haben höhere Konvertierungs-Raten, verdienen mehr Geld und buchen noch mehr Werbung – und Facebook verdient kräftig mit. Das allerdings ist durchaus legitim. Es funktioniert aber eben nur dann, wenn man ausreichend Daten bekommen hat. Bleibt dieser Datenstrom aus, dann funktioniert das System nicht mehr.

Man sollte nun nicht annehmen, dass Google es nicht auf die Daten seiner User abgesehen hat. Allerdings haben die letzten zwei Jahre dafür gesorgt, dass Facebook in Sachen Datenschutz ein negatives Image bekommen hat – größtenteils selbstverschuldet. Bei Google Plus ist das anders. Zwar wird Google selbst (als Suchmaschine) auch heute noch immer wieder als “Datenkrake” bezeichnet. Das soziale Netzwerk aus dem Hause Google allerdings bemüht sich um Transparenz. Es gibt mehr Einstellungsmöglichkeiten für die Privatsphäre, man kann besser selbst entscheiden, wer welche Inhalte sehen soll und wer nicht. Das bezieht sich nicht nur auf globale Nutzerinfos sondern auch auf Beiträge, Postings, Bilder, Videos, etc.

Grundsätzlich ist auch Google Plus keine Samariter. Auch dort will man möglichst viele Nutzerdaten generieren, um die Profile zu schärfen. Google Plus selbst ist derzeit noch werbefrei. Das wird sich in der Zukunft allerdings ändern. Bis dahin stellt Google Plus aber in Sachen Privatsphäre und Datenschutz durchaus das bessere soziale Netzwerk dar. Und diesen Aspekt könnte Google Plus jetzt auf jeden Fall noch nutzen, um Facebook User streitig zu machen.

Google Plus ist aufgeräumter

Was auf der einen Seite also als Nachteil von Google Plus anzusehen ist, betrachten viele als einen großen Vorteil: Das Design. Google Plus ist aufgeräumter als Facebook, es wirkt schlanker, die Timeline hat eher etwas von Twitter. Die Einordnung von Kontakten in “Circles” und das Aussenden von Postings ist intuitiver, die Steuerung der Sichtbarkeit ebenso. Es gibt so gut wie keine Popups (die bei Facebook nach längerem Gebrauch durchaus nerven können) und man kann sich dank der Toolbar im Browser innerhalb anderer Google-Angebote, die man selbst aktiv nutzt, frei bewegen. Das hat Vorteile, die Facebook so nicht bieten kann.

Google Plus Stream

Google Plus Stream

Vor allem für Puristen, die sich gern auf das Wesentliche konzentrieren, kommt Google Plus so als Alternative für Facebook in Frage. Es stellt sich in diesem Zusammenhang natürlich die Frage, ob die Anzahl der Puristen so hoch ist, dass Google Plus daraus einen echten und vor allem nachhaltigen Vorteil für die Erhöhung seiner Nutzerzahlen ziehen könnte. Generell ist das Argument des aufgeräumten Designs aber auf jeden Fall ein großer Vorteil für Google Plus, der sich mittel- bis langfristig auszahlen könnte.

Problematisch ist jedoch auch hier wieder die Tatsache, dass Google Plus derzeit allein schon deswegen nicht mithalten kann, weil es einfach noch nicht so etabliert ist wie Facebook. Anders gesagt: Hätte Google Plus eine vergleichbare Geschichte wie Facebook, dann sähe es vielleicht schon jetzt anders aus. Fast alle Faktoren für den Erfolg eines sozialen Netzwerks stehen und fallen mit der Akzeptanz durch die Nutzer. Hat ein Angebot in den Augen der Nutzer einen entscheidenden Mehrwehrt (wobei es sich natürlich auch um das Design handeln kann), dann ist es leichter, damit erfolgreich zu sein.

Die neue Facebook Chronik ist unbeliebt

Schon weiter oben bin ich auf das “Problem” eingegangen, dass Facebook oft Änderungen am Design vornimmt. Diese Änderungen werden in der Regel nicht sofort im kompletten Netzwerk ausgerollt – das würde vermutlich bei jeder Änderung einen Sturm der Entrüstung (oder zumindest des Feedbacks, positiv oder negativ) bei allen Nutzerinnen und Nutzern auslösen. Generell läuft es so, dass Änderungen zunächst kleineren Testgruppen präsentiert werden. Aufgrund der dortigen Erfahrungen wird dann entschieden, ob sich eine Neuerung tendenziell für alle User lohnt.

Ähnlich wurde auch bei der neuen Chronik verfahren. Nachdem bereits im letzten Jahr einzelne User die neue “Timeline” nutzen konnten, testete man das Feature dann einmal komplett – und zwar in einem geschlossenen Markt, dort dann allerdings für alle Nutzerinnen und Nutzer. So kam es, dass sich die Facebook-Bevölkerung von Neuseeland zuerst flächendeckend über die Umgestaltung ihrer Profile freuen durfte. Der Test lief scheinbar so gut, dass Facebook das neue Profil schließlich, etwas früher als geplant, weltweit ausrollte.

 

Facebook Chronik

Facebook Chronik

 

Problem: Die neue Chronik ist, wenn einmal aktiviert, nicht wieder änderbar. Dieser Umstand wurde zwar kommuniziert. Dennoch häufen sich die Proteste, viele Nutzerinnen und Nutzer sind mit der Timeline nicht zufrieden. Der Tenor ist meist gleich, vielen ist die Chronik im Vergleich zum alten Profil zu unübersichtlich. Facebook wird die Chronik garantiert nicht zurücknehmen und wer sich mit dem neuen Design nicht anfreunden, der wird wohl oder übel damit leben müssen.

Eine solch gravierende Änderung ist aber natürlich auch eine Chance für Google Plus. Generell will man bei Google Plus die Wünsche der Nutzerinnen und Nutzer stärker berücksichtigen und die User generell mehr in die Entwicklung einbinden. Das ist ein Vorteil für Google Plus, der durchaus dazu führen könnte, dass sich die Nutzerzahlen weiter erhöhen. Und in diesem Punkt könnte Google Plus Facebook in der Tat auch ein bisschen gefährlich werden. Gemeinsam mit dem Umstand, sich mehr auf die Wünsche der Nutzer zu konzentrieren und Vorschläge zu beachten, könnte Google Plus hier nachhaltig punkten, denn auch in einem sozialen Netzwerk lassen sich die Nutzerinnen und Nutzer nur ungern bevormunden. Facebook müsste sich mit Sicherheit noch ein paar weitere “Schnitzer” erlauben, damit die User in der Tat scharenweise zu Google Plus abwandern. Allerdings wäre man bei Facebook generell gut damit beraten, mehr auf “das Netzwerk” zu hören. Auch in Sachen Privatsphäre und Datenschutz wäre das nicht schlecht.

Google bevorzugt Google Plus in der Web-Suche

All die bisher genannten Punkte machen deutlich, dass es durchaus Felder gibt, in denen Google Plus gegen Facebook punkten kann. Ob das soziale Netzwerk aus dem Hause Google allerdings auch tatsächlich gegen Facebook bestehen und es mittel- bis langfristig sogar schlagen kann? Bis vor einigen Tagen doch eher unwahrscheinlich, zumindest für die nächste Zukunft. Allerdings hat Google kürzlich mit “Search Plus Your World” ein neues Feature ausgerollt, das die Web-Suche stark verändert hat und weiter verändern wird, sofern das Konzept beibehalten wird. Und mit “Search Plus Your World” (das bisher nur für die USA ausgerollt wurde) hat Google nun für Google Plus in der Tat eine “Waffe” in der Hand, mit der man Facebook nachhaltig Paroli bieten kann.

 

Search Plus Your World

Search Plus Your World

Doch wie soll das gehen? Im Prinzip ganz einfach: Google bevorzugt mit seiner neuen Web-Suche gezielt Inhalte aus Google Plus. Das geht im Einzelfall so weit, dass Inhalte von Facebook oder auch Twitter entweder auf den hinteren Plätzen in der Suche angezeigt werden oder überhaupt nicht mehr auftauchen. Stattdessen sieht man Inhalte direkt aus Google Plus. Nimmt man nun die extreme Reichweite, die Google in der Internet-Suche hat, dann wird deutlich, dass sich Facebook hier warm anziehen muss. Auch wenn Facebook zu einem großen Teil von dem Traffic lebt, den die Nutzer intern erzeugen, gibt es doch auch sehr viele Nutzer, die über Google kommen – also über die herkömmliche Web-Suche.

Diese Web-Suche hat sich nun aber so verändert, dass Facebook benachteiligt wird. Das muss den Traffic von Facebook nicht extrem abwürgen. Wie schon erwähnt, entsteht der meiste Traffic durch die Nutzer, die sich innerhalb von Facebook bewegen. Wird Facebook aber in der Suche permanent benachteiligt und tauchen zur Suche passende Inhalte aus Google Plus in den Ergebnissen auf, dann erzeugt das eine Veränderung der Fokussierung hin zu Google Plus. Nutzerinnen und Nutzer der Web-Suche bei Google werden sich zwangsläufig irgendwann bei Google Plus anmelden, weil sie von Google mehr und mehr daran gewöhnt werden. Hat Google Plus diese Nutzer “gefangen”, dann muss natürlich weitere Überzeugungsarbeit geleistet werden, um diese neuen User auch zu aktiven Usern zu machen. Das googlesche Ziel allerdings dürfte klar sein: Über die eigene Suche soll der Aufmerksamkeits-Fokus weg von Facebook (und anderen sozialen Netzwerken) hin zu Google Plus gelenkt werden.

Und diese Taktik könnte auf jeden Fall aufgehen. Natürlich wird auch in diesem Punkt noch einige Zeit ins Land gehen. Google wird aber weiter alles daransetzen, um sich gegenüber Facebook als ernsthafter Konkurrent zu etablieren. Und natürlich will man die Konkurrenz auch überflügeln. So gesehen kann Google Plus es mit dieser Taktik, quasi durch die Hintertür, wirklich schaffen, Facebook gefährlich zu werden. Sofern “Search Plus Your World” nicht wieder vom Netz genommen wird, weil die öffentliche Kritik zu groß wird, werden für Facebook auf jeden Fall härtere Zeiten anbrechen und es werden weitere Innovationen gefragt sein.

Über den Autor

Björn Tantau aus Hamburg ist Spezialist für Social Media Marketing mit Fokus auf Facebook und Google Plus und seit 2001 im Bereich Onlinemarketing aktiv. 2006 gründete er die Agentur Tameco Onlinemarketing, betreut dort eigene Projekte und berät Kunden. Neben Social Media Marketing und SEO ist er zudem Experte für Linkaufbau, schreibt in unregelmäßigen Abständen als Gastautor für namhafte Websites und Magazine und ist auf Events und Konferenzen als Speaker unterwegs.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on PinterestShare on LinkedInBuffer this pageEmail this to someone

Es gibt 13 Kommentare

Deinen hinzufügen
  1. 2
    Henning Schürig

    Sehr interessante Analyse! Jens hat mir den Link geschickt, da ich heute auch eine ähnliche Analyse geschrieben habe: http://blog.mosaiq-media.de/online-marketing/seo-online-marketing/2012/01/17/google-plus-potential-android/

    Kurz gesagt: andere Schwerpunkte, ähnliches Fazit. Ich hab mehr auf das Potential durch Android abgezielt.

    Ich möchte aber noch auf den Punkt “gezielte Bevorzugung von Google+ in der Google-Suche” eingehen. Ich hab das auch erst vermutet, aber dieser Artikel hier legt einen anderen Schluss nahe: http://googleplusinside.de/nach-diesen-seo-prinzipien-ranked-die-neue-google-suche/

    Google optimiert also einfach sehr gut – und wer weiß besser, wie man SEO betreibt als Google? :-)

  2. 4
    Martin Mühl

    Richtig spannend wird die Sache erst wenn bei Google+ zumindest die Möglichkeit besteht zusätzliche Seiten anzulegen. Dann werden auch die größeren Marken dort vermehrt Promotions starten und für die weitere Verbreitung sorgen. Dann wird man sehen ob es sich gegen facebook behaupten kann.

    Das Argument mit den Protesten gegen die Timeline kann ich übrigens gar nicht nachvollziehen. Da sie ja ohnehin schon so testen wie geschrieben (schrittweise Ausrollung) haben sie ja sowieso schon massenhaft Feedback bevor der Großteil der facebook User überhaupt was davon mitbekommt. Und bei 800 Millionen Usern wirds wohl nichts geben weswegen sich nicht irgendwo irgendwer aufpudelt ;-)

  3. 6
    Michael

    Ich sehe in den Diskussionen zum Thema bisher einen starken Fokus auf die Enduser in den Plattformen. Dabei besteht meiner Ansicht nach aber ein besonderer Ansatzpunkt für Google darin, dass sie nicht direkt versuchen, die User von Facebook zu gewinnen, sondern eher Facebooks Erlösquellen anzugreifen. Facebook muss eine teure Infrastruktur unterhalten, um bald eine Milliarde User adäquat zu bedienen. Facebooks Userzahlen sind derzeit zum Großteil noch Potentiale, die erst noch monetarisiert werden müssen. Wenn Google es durch attraktivere Werbeformate (z.B. in Kombination mit bestehenden Google-Angeboten) schafft, die aktuellen Reichweitennachteile zu kompensieren, könnte man Facebook das Erlösmodell beschädigen. Dieses muss auch bei Facebook (insbesondere als Einprodukt-Unternehmen) tragfähig werden bzw. dauerhaft tragfähig bleiben. Zudem dürfte nach dem Börsengang bei Facebook der Druck auf die Erlöse sogar noch erheblich steigen, soll der Aktienkurs nicht leiden.
    Auf der Seite der Werbekunden sehe ich Google mit den etablierten Produkten, einer Heerschar an SEO-Agenturen und den Partnerprogrammen für AdWords weitaus besser aufgestellt. So könnte Google den Wettbewerb statt auf der Ebene der Plattformuser eher auf der Ebene der Werbekunden gewinnen.

  4. 7
    huband

    Hi. Netter Beitrag. Nur zwei Dinge:

    – verstehe nicht ganz, bei facebook kann man doch mittlerweile auch Leuten folgen ohne befreundet zu sein, sicherlich g+ ist etwas komfortabler, aber die Funktion gibt es. oder nicht?

    – wer die Facebook Geschichte und vor allem die Denkweise von Mark Zuckerberg verstehen will, dem empfehle weniger den Hollywood Streifen sondern eher das im letzten Jahr erschienene Buch “Facebook Effect” von einem Journalisten, der Mark lange begleitet hat. Das Buch geht auch darauf ein, welch anderen Networks am Markt waren und weshalb sich – vielleicht – nur FB durchgesetzt hat.

    Viele Grüße

    Andreas Huber
    zielegal.de

  5. 8
    Henning Schürig

    @huband
    “verstehe nicht ganz, bei facebook kann man doch mittlerweile auch Leuten folgen ohne befreundet zu sein, sicherlich g+ ist etwas komfortabler, aber die Funktion gibt es. oder nicht?”

    Ja, gibt es mittlerweile – aber nur optional. Das heißt, der User muss es erst freischalten, dass man ihn abonnieren kann.

  6. 11
    tadon

    Netter beitrag, vor allem “Es hat derzeit teilweise den Charme einer am Reißbrett hochgezogenen Neubausiedlung, während Facebook eher das “urige Viertel” mit Cafés, Kneipen und Clubs ist.” finde ich gut formuliert.

    Micht stört allerdings: Ich finde Facebook unübersichtlich. Fand ich von Anfang an. Auch finde ich die neue Timeline, die mir bestimmen will was ich für News von meinen freunden interessant finden soll schlecht umgesetzt. Aber das ist ja bei jedem unterschiedlich. G+ finde ich etwas zu “clean”, erinnert mich irgendwie an ein Krankenhaus.

  7. 12
    Maik K

    Ich habe den Artikel nur grob überflogen, aber für mehr finde ich, ist er auch die Zeit nicht Wert. Es werden grobe Schnitzer gemacht, die ich immer wieder im Internet lese und die schon seit Ewigkeiten geklärt sein sollten.

    Google ist keine Suchmaschine. Die Suchmaschine von Google ist vielleicht das bekannteste, aber dieses eine Produkt ist nur ein Bruchteil von dem, was den Konzern ausmacht. Und größtenteils ist Google immer noch ein Werbermagnat..

    Das Googel+ nicht werbefrei bleibt, halte ich auch für ein Gerücht. Wahrscheinlicher ist es doch, das Google die Daten aus Google+ nutzt, um die Werbeanzeigen der Suche zu personalisieren. Hier wird auch einer der schlimmsten Fehler gemacht: Anzunehmen, dass G+ ein direkter Konkurrent von Facebook sei (hier gibt es genügend Ausarbeitungen im Internet, warum das eben nicht so ist..)

    Außerdem wird ein unheimlich wichtiger Teil vergessen: Die Menschen, die bei Google arbeiten und Googles Architektur. Das sind aus meiner Sicht die intelligentesten Menschen (u.a. Erfinder von Programmiersprachen die heute die Welt der PCs antreiben und einer der Erfinder von TCP/IP – als einer der Menschen, ohne die es vielleicht heute kein Internet geben würde) sowie die wohl beste Technik. Man nehme nur das Beispiel von Updates. Bei Facebook kann man dann erstmal damit rechnen, das wochenlang mal wieder nichts geht und/oder man sich drüber aufregt weils schlichtweg beschissen ist. Bei Google ist man ja an die stetig fortschreitende Integration gewöhnt und danach hat man auch wirklich neue Funktionalitäten und nicht bloß noch mehr Bugs.

    Worauf so gut wie gar nicht eingegangen wurde ist die tiefe Integration von Google+. Ein Bisschen zur Suche und das wars, dabei geht das ganze noch viel weiter. Es gibt G+ für Unternehmen. Und es gibt Google+-Integration für viele der Google-Apps, also z.B. Docs. Wer die letzten Google-Konferenzen verfolgt hat, weiß wovon ich rede. Die Möglichkeit, z.B. ein Dokument mit einem Bestimmten Circle zu sharen ist mehr als genial.

  8. 13
    Ludwig-Gerlach

    Konkurrenz belebt das Geschäft und sorgt dafür, dass keiner größenwahnsinnig wird und seine “Macht” uneingeschränkt ausnutzen kann! In der Wirtschaft wird vom Gesetzgeber aus gutem Grund ein wachsames Auge auf Firmen mit Monopolstellungen gehalten. Was für die Wirtschaft recht ist und dem Verbraucherschutz dient, kann im Social Media nicht schädlich sein.

    Ich finde es super, dass sich FB endlich einmal langsam um seine Vormachtstellung Gedanken machen muss. Mit Google+ ist ein ernst zu nehmender Konkurrent aufgetaucht. Wie man sieht, nutzt Google+ auch die Fehler von FB in der Vergangenheit, um davon zu lernen. In Punkto Übersichlichkeit, Klarheit, Bedienerfreundlichkeit, Fehlen dieser leidigen “par ordre de Mufti” einfach vorgenommenen Änderungen, die allenthalben hilflosen Ärger unter den Usern hervorrufen und dem bei FB sehr heiklen Thema Datenschutz hat Google+ m. E. die Nase bereits vorn.

    Vielleicht führt die Konkurrenz ja nun mal dazu, dass auch FB beginnt an seinen eigenen Fehlern zu lernen, mehr auf die Bedürfnisse, Wünsche und Privatsphärenschutz seiner Nutzer eingeht, statt immer wieder und wieder grobe Verstöße zu diesen Themen zu produzieren, wie unlängst das Ausspionieren von Meinungen in PRIVATEN Nachrichten und Posts zum Thema anstehende Wahlen in USA, was ich persönlich ein absolutes Unding finde! Hier ein Link zu focus online dazu: http://bit.ly/AcmtTL

    Wir werden sehen, was die Zukunft bringt, ich bin jedoch sehr froh, dass die uneingeschränkte Herrschaft von FB im Social Media jetzt ernste Konkurrenz bekommt und wünsche schon deshalb Google+ viel Zuwachs.

    Vielleicht entwickeln sich ja zwei gleichwertige soziale Netzwerke nebeneinander? Wer es wirklich ernst meint mit Social Media, wird wohl in Zukunft in beiden vertreten sein. Bestimmt kann man auch bald (ich weiß es nicht, vielleicht geht das ja schon?) die Konten verlinken, so wie das mit FB und Twitter möglich ist, das erspart dann doppeltes Posten und man ist auf beiden Plattformen FB und G+ automtaisch aktuell.

    Je nach Charakter, fühlen sich User, die eher klar und strukturiert, mit aussagekräftigeren Posts unterwegs sind, dann mehr in Google+ zuhause, nutzen das mehr, gegenüber denen, die gerne den “Kuschelfaktor” haben wollen und eher mit Posts: Ich trinke gerade Kaffee in XY, toll hier! am Social Media teilnehmen?

    Wer weiß was die Entwicklung bringt, ich finde es spannend, wir werden sehen …

+ Hinterlasse einen Kommentar