„Facebookdämmerung“? – Jetzt mal langsam

„Facebookdämmerung“? – Jetzt mal langsam


Facebook stirbt! Schon wieder! Obwohl Facebook eigentlich schon lang nicht mehr gestorben ist. Zum letzten Mal so wirklich im Januar 2014, als angeblich jeder Jugendliche von Facebook geflüchtet ist. Vielleicht erinnert Ihr euch noch daran, dass 2013 und 2014 quasi alle paar Monate die Hiobsbotschaft vom Tode Facebooks gestreut wurde. Jetzt ist es also mal wieder soweit und die „Facebookdämmerung“ ist da, die Nutzer laufen davon und Facebook ist „nicht mehr meistgenutztes soziales Medium in Deutschland“ ( meedia.de).

Totgesagt wird Facebook dieses Mal von Faktenkontor aus Hamburg. Nichts Neues, denn schon Ende 2014 wusste man dort: „Facebook stirbt„.

An sich hört sich das Setup der Studie aber schon etwas besser an, als bei den meisten anderen Studien, die Facebook totsagen. Zumindest hat man nicht die Schätzungen aus dem Facebook Werbetool genutzt und mit den Einwohnerzahlen verglichen.

Über ein paar Punkte wundere ich mich dagegen schon:

  • Entscheidender Wert für die Argumentation sind 87 % der befragten Personen, die angaben, Facebook zu nutzen, im Gegensatz zu 88 % YouTube-Nutzern. Was aber nahezu alle Medien verschwiegen haben: dies war die Antwort darauf, welche Netzwerke in der Freizeit genutzt werden. Hier ist zumindest mal nachzufragen, wie Freizeit definiert wird. Zählt der Weg zur Arbeit bereits dazu? Und wie ist die Nutzung außerhalb der Freizeit? Nutze ich Facebook auch, wenn ich den (Facebook) Messenger aufmache?
  • Ein wenig kurios fand ich auch die Aufstellung zur Nutzung in den einzelnen Bundesländern. Weniger auf Grund ihrer Ergebnisse – die geringste Facebook-Freizeitnutzung hat Berlin – sondern auf Grund des Studienaufbaus. Deutschlandweit wurden 2817 Personen befragt, bei einer gleichmäßigen Verteilung der Befragten (sei es nach Bevölkerungszahl oder Fläche) auf 16 Bundesländer, kommen für einzelne Bundesländer derart kleine Teilnehmerzahlen zusammen, dass die Ergebnisse nur noch mit Vorsicht zu genießen sind. Bei einem Schlüssel nach Bevölkerungszahl würden im Saarland zum Beispiel 34 Befragte die Grundgesamtheit von etwa 1 Millionen Einwohner vertreten.
  • Ein wenig schmunzeln mussten ich auch bei der Angabe, dass 11 % der Befragten WhatsApp nur passiv nutzen. Entschuldigung, wie soll das gehen? WhatsApp ohne zu antworten? Und das von jedem Zehnten?
  • Google+ solltet ihr – laut dieser Studie – übrigens nicht abschreiben. 45 Prozent, also fast jeder zweite Befragte, nutzt dieses Netzwerk in seiner Freizeit. So viele wie noch bei keiner Befragung zuvor. Ich glaube diesem Ergebnis ist nichts mehr hinzuzufügen.

Die wirklichen Details zum Setup der Studie kann man leider nicht einsehen. Man weiß nur, dass es ein „Online-Panel“ in Deutschland mit 2817 Personen war. Ob man gegen Zahlung von 280 Euro (+Mwst) für die gesamte Studie mehr erfährt? Man kann also nur so oberflächig argumentieren wie wir hier. Dagegen stehen die offiziellen Nutzerzahlen von Facebook. Die Zeit der großen Zuwächse in Deutschland oder in Europa ist natürlich längst vorbei, glaubt man aber dem Börsenbericht, so nutzen 65 % der Nutzer Facebook jeden Tag. Mehr als jemals zuvor. Und WhatsApp oder Instagram beeinflussen diesen Wert noch nicht mal. Wer Facebook sterben sehen will, wird der Studie sowieso mehr glauben schenken, als einem Börsenbericht von Facebook oder uns hier bei AllFacebook.de – denn wir können allein vom Namen her nicht unparteiisch sein.

So long, ihr könnt euch schon mal eine Exit-Strategie überlegen, ihr wollt ja sicher nicht der letzte einsame Nutzer sein. Nachdem Facebook 2010, 2011, 2012, 2013, 2014 und 2015 schon gestorben ist, sollte es 2016 dann wirklich so weit sein ;)

Bild auf Basis von: EURO. Hands Giving & Receiving Money / Shutterstock.com 

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Veröffentlichung 14. Januar 2016

Es gibt 7 Kommentare

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  1. 2
    Matze

    Aber wo liegt denn jetzt die Wahrheit, zwischem dem Pessimismus und der Lobhudelei?

    Facebook wirft gerade in den letzten 6-12 Monaten nur noch den Anschein nach außen, dass es ausschließlich für Ads und Nazis sinnvoll ist (dramatisiert). Das Nutzungsverhalten einiger meiner Kollegen und Freund beschränkt sich darin, das Fenster schnell wieder zu schließen. Wobei mir klar ist, dass das nicht repräsentativ ist.
    Aber die teils starken Veränderungen der letzten Jahre haben ja zum einen die ehemaligen Heavyuser weggetrieben, zum anderen merkt Facebook doch auch selbst, dass der Drops bald gelutscht ist und setzt auf Instagram, Whatsapp und Messenger.

  2. 7
    Dennis

    Es wird doch oft irgendwas als tot beschimpft, sobald ein geringer Anteil der User nicht mehr so aktiv ist wie zuvor oder wenn irgendwelche kleinen Änderungen stattgefunden haben, die man nicht sonderlich toll findet.

    Ich möchte Facebook keineswegs verteidigen. Bin selber kein großer Fan dieses Netzwerkes und vertrete auch eher die Meinung das einem nichts fehlen würde, wenn es Facebook nicht gibt oder man es schließen würde.

    Aber man sollte schon logisch an diese Sache rangehen. Nur, weil ein gewisser Anteil der User vielleicht nicht mehr aktiv Facebook nutzen, heißt es ja noch lange nicht dass das Netzwerk tot ist. Das Gleiche gilt im übrigen auch dafür, wenn was am Netzwerk geändert wird. Nur, weil einige diese Änderungen doof finden, ist Facebook noch lange nicht tot.
    Es sind immer noch genügend User auf Facebook unterwegs. Vor allem Firmen nutzen Facebook aktiv wärend der Arbeitszeit. Und für den kleinen Austausch mit Freunden die am anderen Ende von Deutschland oder der Welt leben, ist Facebook ebenfalls noch geeignet.

    Außerdem, wenn man es ganz genaunimmt gibt es hier ja noch WhatsApp, Instagram und den Messanger. Gehören ja ebenfalls zu Facebook. Ich glaube daher nicht daran dass das Netzwerk stirbt. Wird es vermutlich auch nicht.
    Ich selber bekomme es ja auch mit, in den Gruppen wo ich aktiv bin. Mir ist sogar aufgefallen das in den letzten zwei bis drei Wochen, diese wesentlich aktiver geworden sind, als zuvor.

    Aber okay, anscheinend haben einige nichts besseres zu tun, als solche Studien zu führen um irgendwas als tot zu beschimpfen. :D
    Wenn man sonst keine Freude im Leben hat, wieso auch nicht? ;o

    LG

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