Die neuen Instagram AGB ein Skandal? Nicht wirklich… denn es werden keine Fotos “verkauft”

Die neuen Instagram AGB ein Skandal? Nicht wirklich… denn es werden keine Fotos “verkauft”


18.12.12 15:21-Bildschirmkopie

– Update 18. Dezember 2012 um 23 Uhr: Instagram hat die Gerüchte offiziell dementiert. Details unten – 

Wieder ein neuer Skandal im Facebook-Land: “Instagram ändert die AGB zum 16. Januar um Nutzerfotos verkaufen zu können”. Und wieder sind überall laute Aufschreie zu hören. Wie es dann konkret ablaufen könnte schreibt beispielsweise Heute.de: “Ein Nutzer knipst ein Foto und lädt es bei Instagram hoch, um es mit seinen Freunden zu teilen. Ab Mitte Januar könnte nun ein potentieller Käufer, zum Beispiel eine Werbeagentur, das Foto von Instagram kaufen und für Plakate oder Broschüren nutzen. Der eigentliche Urheber, derjenige, der das Foto geschossen hat, geht leer aus.”

Auch wenn dieser Fall rein theoretisch vielleicht möglich wäre, könnte man es nicht viel unreflektierter und schlechter beschreiben. Fakt ist allerdings, genau wie Facebook kommerzielle wird, wird auch Instagram kommerzieller. Da Facebook Instagram gekauft hat könnte man es auch so auf den Punkt bringen:

  • Aus Instagram wird Facebook (zumindest aus Sicht der AGB und Kommerzialisierung).

Ist das nun positiv? Nicht wirklich, dass die alten AGB “freundlicher” sind sollte man nicht bestreiten. Aber man sollte aus unserer Sicht auch mal die Kirche im Dorf lassen, nicht gleich Beispiele wie oben aufzeigen und das ganze realistischer beschreiben. Denn das Instagram zu einem neuen Getty-Images wird bei dem Urheber komplett leer ausgehen ist höchst unwahrscheinlich. Moderne Plattformen wie Facebook, Instagram, Google+ und andere brauchen allerdings eine Reihe von Genehmigungen um ihren Dienst aufrecht zu erhalten. Ein Blick zu Facebook zeigt sogar einige der zukünftigen Werbe- und Finanzierungstechniken schon deutlich auf, die eben nicht aus dem Verkauf von Bildern bestehen…

Was wird eigentlich geändert?

Die größten Änderungen, welche am 16. Januar in Kraft treten, werden bei der New York Times schon gut beschrieben. Wir fassen diese hier nochmals die zwei großen Themen auf und interpretieren diese aus unserer Sicht:

1. Instagram darf eure Bilder kommerzielle nutzen. 

  • Liest sich bei Instagram so:
    Some or all of the Service may be supported by advertising revenue. To help us deliver interesting paid or sponsored content or promotions, you agree that a business or other entity may pay us to display your username, likeness, photos (along with any associated metadata), and/or actions you take, in connection with paid or sponsored content or promotions, without any compensation to you.
  • Bedeutet:
    “Instagram verkauft eure Fotos, und ihr bekommt davon nichts ab.” laut vielen Medien. Instagram darf aber eure Fotos wirklich kommerziell nutzen. Für die meisten von uns müsste das nicht sein und besonders für professionelle Fotografen ein NoGo. Dafür das Instagram eure Fotos kommerziell nutzt bekommt man als Nutzer keine Entschädigung.
  • So ist das bei Facebook:
    Fast gleich, ist nur anders formuliert. Aber auch Facebook sichert sich alle Rechte an den eingestellten Inhalten. Auch die Rechte um diese Inhalte kommerziell zu nutzen, und zwar in eigentlich gleicher Form.
  • Ein realistischer Blick wie die Bilder genutzt werden:
    … hier sehen wir unterschiedliche Spielorte:

    • Werbung im Instagram Feed – Auf Instagram (und/oder Facebook) wird es “Sponsored Content” geben. Instagram wird wohl Unternehmen die Chance geben eure Bilder gegen Geld zu “promoten”. Promoten bedeutet hier, dass das Bild bei Freunden eine höhere Sichtbarkeit haben wird. Genau gleich funktionieren derzeit “Sponsored Stories” bei Facebook im Newsfeed. Ein Beispiel: Ihr macht ein tolles Foto bei McDonalds welches nach 3-4 Stunden keiner mehr im Feed sieht weil es so weit nach unten rutscht. McDonalds kann dann dafür zahlen das diese Foto wieder oben angezeigt wird. Inhaltlich bleibt in diesen Fällen alles gleich, es ist lediglich die Sichtbarkeit die erhöht wird. Genau diese Sichtbarkeit ist für Unternehmen richtig wertvoll.
    • Unternehmen auf Instagram – Außerdem ist es sehr wahrscheinlich das Instagram die Zusammenarbeit mit Unternehmen verbessern wird und so Unternehmensprofile noch mehr nach vorne treibt. Interagiert ihr (komplett freiwillig) mit den Unternehmen kann diese Interaktion (wie auch auf Facebook) dann in Zukunft vielleicht beworben werden. Genauso ist es denkbar, dass ein Unternehmen die Bilder von der eigenen Lokalität auch gesammelt auf einem eigenen Profil darstellen kann. Wie in den AGB steht geschieht dies natürlich nie ohne euch auch als Urherber zu zeigen. Aber auch schon dies wäre eine kommerzielle Nutzung.
    • Eure Bilder werden nicht verkauft – Auch Facebook verkauft keine Nutzerdaten, ebenso wird dies Instagram auch nicht tun. Schließlich handelt es sich bei den Daten um den Kern ihres Geschäftes.

Damit das Instagram nun Bilder im wörtlichen Sinn “verkaufen wird” haben diese Änderungen unser Einschätzung nach überhaupt nichts zu tun!

2. Instagram darf Daten ungefragt an Facebook (Besitzer von Instagram), sowie an Werber und andere Parteien weiter geben. 

  • Liest sich bei Instagram so:
    We will not rent or sell your information to third parties outside Instagram (or the group of companies of which Instagram is a part) without your consent, except as noted in this Policy.
    Parties with whom we may share your information:
    We may share User Content and your information (including but not limited to, information from cookies, log files, device identifiers, location data, and usage data) with businesses that are legally part of the same group of companies that Instagram is part of, or that become part of that group (“Affiliates”). Affiliates may use this information to help provide, understand, and improve the Service (including by providing analytics) and Affiliates’ own services (including by providing you with better and more relevant experiences). But these Affiliates will honor the choices you make about who can see your photos 
  • Bedeutet:
    Instagram kann eure Daten mit anderen Unternehmen der Firmengruppe teilen, also Facebook. Außerdem kann Instagram Daten mit “Affiliates” teilen.
  • So ist das bei Facebook:
    Auch hier ist es bei Facebook ähnlich, denn auch Facebook teilt Daten mit “Affiliates” um ihren Dienst betreiben zu können.
  • Ein realistischer Blick was mit den Daten passiert: 
    • Facebook als Besitzer von Instagram wird die Daten nutzen und mit eigenen Daten verknüpfen. Der Instagram-Account wird mittelfristig so deutlich besser mit dem eigenen Facebook Account verknüpfen. So wird es einfacher einen Account zu erstellen. Auch ein automatischer Login wäre möglich.
    • Instagram und Facebook werden wohl auf die gleichen Werbetools setzen. So können Unternehmen vielleicht in Zukunft nach gleichen Parametern wie auf Facebook Nutzer auf Instagram bewerben. Werber erhalten allerdings grundsätzlich keine Profildaten, sondern nur allgemeine und anonymisierte Daten zur Reichweitenschätzung und Erfolgsmessung. Dies ändert nichts daran, dass Instagram die Daten für Werbung nutzen wird. Dies ist leider meist der Deal wenn man möchte das eine App für den Nutzer kostenlos bleibt.
    • Instagram wird allerdings (wie auch Facebook) eure Daten nicht verkaufen. Wie auch im ersten Punkt wäre dies sogar gegen das Businessmodel von Facebook.

Von dem Drama das aktuell in den Medien gemacht wird sind wir weit entfernt, die Diskussion um dies alles ist nicht neu. Wer mit all dem so gar nicht einverstanden ist muss sein Instagram Account vor dem 16. Januar löschen.

Und schon Vorab der Hinweis: Bitte postet keine Bilder auf Instagram mit denen ihre gegen die neuen AGB widersprecht. Auch auf Instagram ist das noch ein HOAX und hat keine Auswirkungen darauf wie Instagram eure Daten nutzen wird.

Update 18. Dezember 2012, 23 Uhr – Eine offizielle Meldung von Instagram ist erschienen. Die uns bestätigt, ein grober Überblick:

  • Instagram wird die verwirrenden Teile der AGB besser spezifizieren
  • Das Update war nicht dazu gedacht, dass Fotos verkauft werden. 
  • Es sollen neue Werbemethoden ausprobiert werden. 
  • Als Beispiel gibt Instagram eine Abwandlung der Facebook Sponsored Storie an (Interaktion mit einem Unternehmen wird hervorgehoben)
  • Es gibt natürlich keine Änderung bei den Besitzrechten von Fotos
  • Auch die Einstellungen der Privatsphäre bleiben weiterhin unverändert

Im Blog von Instagram kann man die Details noch selbst nachlesen. Insgesamt ist es allerdings wie von uns kommuniziert alles weniger schlimm als erwartet.

 

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    Instagram und das Urheberrecht: Alles halb so wild? : Angelo Zehr

    […] Dass Face­book nicht viel auf Daten­schutz gibt, ist seit län­ge­rem klar. Am 16. Januar dehnt Face­book nun ihre Policy auf den Dienst Ins­ta­gram aus, was dazu führt, dass Face­book deine Instagram-Fotos ver­kau­fen darf, ohne dich zu infor­mie­ren. In den Medien wurde dies sehr wört­lich genom­men. Doch die Angst scheint vor­erst unbe­grün­det zu sein. […]

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    Instagram und das Urheberrecht: Alles halb so wild? | angelo zehr

    […] Dass Face­book nicht viel auf Daten­schutz gibt, ist seit län­ge­rem klar. Am 16. Januar dehnt Face­book nun ihre Policy auf den Dienst Ins­ta­gram aus, was dazu führt, dass Face­book deine Instagram-Fotos ver­kau­fen darf, ohne dich zu infor­mie­ren. In den Medien wurde dies sehr wört­lich genom­men. Doch die Angst scheint vor­erst unbe­grün­det zu sein. […]

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